Gäste des VR Tages

Kaffeepause mit VR Brille für manche Besucher des VR-Days in München

Der letzte Samstag im Oktober stand ganz im Zeichen von VR. Das bayerische Filmzentrum hatte einige der spannendsten Player weltweit als Gastredner eingeladen. Anja-Karina Richter hatte mit ihrem Team zahlreiche Grundfragen und neue Tendenzen zu VR in Themenblöcke gefasst. Kuratiert und moderiert wurde der Tag von Astrid Kahmke, die im Bayerischen Filmzentrum das "First Movie" Programm leitet.

 

Das Wetter war eher kühl und feucht, so fiel es leicht, sich einen ganzen Tag lang im großen Kinosaal der HFF einzufinden um unterschiedliche Persönlichkeiten, ihre Haltungen zu und ihre Arbeit an VR kennen zu lernen.

 

Soll,- und Iststand

Will man den Analysten und vor allem den Investoren weltweit glauben, so hat VR ein enormes Potential. Dass massenhaft Menschen mit klobigen Brillen vor den Augen sich da alleine oder gemeinsam in virtuelle Welten, und was an diesem Tag besonders interessierte, Filme hineinbegeben werden, wird sich erst noch zeigen müssen. Der von nahezu jedem Redner reklamierte Mangel an Inhalten will erst einmal beseitigt und das Design und die Technik hinter den Brillen massiv optimiert sein, bevor die Prognosen der Analysten auch eintreten können.

 

An einigen Ständen konnten die Gäste Angebote verschiedener Anbieter selbst testen, wobei die geringe Anzahl der dort für Testzwecke bereitgestellten Brillen und Flächen mit Positionserfassung ein wenig auch das Zahlenverhältnis an Brillen bei den Kunden erahnen ließ.

 

Referent-inn-en

Jeff Gomez

Jeff Gomez, VR Produzent und Pionier

Von Urgesteinen der VR Branche, wie Jeff Gomez, der sehr direkt und berührend seinen Lebensweg in die zunächst Games,- dann VR Branche schilderte und reiche, interessante VR Welten einforderte, die Kenntnis der Zuschauerwünsche und den Willen, Zuschauer auch zu berühren, als Prämissen nannte bis zu Youngster Philip Maas, der mit seinem "Sonar" unlängst auf zahlreichen Festivals lief, oder Kevin Schmutzler, der eine Art VR Roadmovie gedreht hat, reichte die Bandbreite der Referenten.

 

Das Bewegungsproblem

Eines der größeren Probleme bei VR Filmen ist der Widerspruch zwischen Kamerabewegung und Zuschauerbewegung. Wenn der Zuschauer fest an einer Stelle steht oder sitzt und die Kamera bewegt sich, kann es leicht passieren, dass dem Zuschauer schlecht wird. Umgekehrt, wenn die Kamera statisch auf einer Stelle bleibt und der Zuschauer bewegt sich mit seiner Brille, wird die Illusion der virtuellen Realität nicht eingehalten. Computergenerierte Bilder sind da im Vorteil, weil sie gesteuert durch Positionsinformationen der Brillenträger im Raum, die Bilder entsprechend anpassen können. Nachteil ist, dass sie noch sehr künstlich aussehen. Hier bietet ein deutsches Startup-Team interessante Lösungsansätze.

 

Daniel Sproll

Daniel Sproll stellte das Photogrammetrie-System vor

Daniel Sproll stellte in seinem Vortrag die Photogrammetrie vor. Zusammen mit David Finsterwalder und Dominic Eskofier hat er eine Firma, die selbstentwickelte Software „Realities", dazu gebracht hat, aus Fotografien reale Orte so darzustellen, dass man sich virtuell darin bewegen kann. Kombiniert man derartige Räume noch mit vor Green-Screen aufgenommenen Menschen, kann man damit Szenen generieren, die um Lichtjahre realistischer aussehen, als Computergenerierte Welten.

 

VR produzieren und Geld generieren

Die in Los Angeles ansässige "Rogue Initative" hat zahlreiche Investoren und Partner in der Medienindustrie, die es dem Unternehmen ermöglichen, aufwändige Projekte zu produzieren und weltweit zu agieren. Dass man dafür Talente aus der ganzen Welt sucht, belegt der Vortrag von Hrish Lotlikar, Chief Business Development Officer des Unternehmens.

 

Hrish Lotlikar

Hrish Lotlikar von der Rogue Initiative

Hrish Lotlikar erläuterte, was die Rogue Initative, ein Studio für VR Filme so alles unternimmt, um VR voran zu bringen und auch damit Geld einzunehmen. Die Firma ist auf verschiedenen Kontinenten tätig und hat insbesondere China als wichtigen Zukunftsmarkt ins Auge gefasst. Dort werde VR noch viel stärker vorangetrieben. Außerdem gäbe es wegen der überfüllten Städte mehr öffentliche VR-Cafés und große Unterstützung von Seiten der Wirtschaft und der Regierung.

 

Lotlikar ermunterte Produzenten und Kreative mit starken Ideen an seine Firma heran zu treten, man sei bei Projekten auf hohem Niveau durchaus offen für Kooperationen.

 

Die Künste erobern VR

Barbara Lippe

Barbara Lippe

Die Österreicherin Barbara Lippe, die u.a. in England und den Niederlanden arbeitet, ist Creative Director und Gründerin der Firma ENTREZ.

 

Sie erläuterte an einem Fallbeispiel in dem sie auch als Schauspielerin mitwirkte, wie sie in einer VR Produktion die Zuschauer zur dritten, in die Handlung eingebundenen Figur machte und auf welche Weise sie fehlende Interaktivität durch Annahmen und dramaturgische Tricks ersetzte.

 

Medium in den Startlöchern...

Ziemlich einig waren sich die Refernt-inn-en in ihrer Begeisterung für das neue Medium, aber auch darin, dass die Technik noch sehr unzulänglich und noch in den Kinderschuhen befindlich sei. Und immer wieder wurde Storytelling als wichtigste Grundlage starker VR Filme genannt, nicht ohne Grund, wie wir nach diesem Tag noch klarer wissen,- an starken, überzeugenden Inhalten fehlt es noch spürbar.