Um es gleich vorweg zu nehmen, die Klänge der wirklichen Welt, die uns
umgeben, sind alle analog, das heißt, sie bestehen aus kontinuierlichen
Schallwellen. Und bis vor gar nicht langer Zeit haben wir diese nicht nur
ebenso gehört, sondern auch analog aufgezeichnet. Inzwischen ist die analoge
Tonaufnahme in vielen Bereichen von der Digitalen Aufzeichnung abgelöst
worden, bei der die Schallwellen in Zahlenwerte umgesetzt werden. Da unsere
Hörorgane nach wie vor analog arbeiten, erzeugen digitale Tonaufnahmen die
Illusion von kontinuierlichen Schallwellen. Was bedeuten nun die
rätselhaften Bezeichnungen, die einem bei der Arbeit mit Schnittprogrammen
und Audiosoftware immer wieder begegnen?
Bei der analog/digital Wandlung wird die Lautstärke in kurzen Abständen
gemessen und aufgezeichnet. Dadurch entsteht aus der ursprünglichen
Schwingungskurve, eine Kurve aus kleinen Treppenstufen. Ähnlich wie beim
scannen eines Bildes, wo die Anzahl der Bildpunkte pro Flächeneinheit und
die Anzahl der darstellbaren Farben (Farbtiefe) über die Qualität des
Bildes entscheiden, wird der digitale Ton mit einer durch Samplingrate und
Samplingtiefe vorgegebenen Auflösung punktuell abgetastet. Die beiden
Parameter bestimmen wie fein/grob die Rasterung des analogen Signals
ausfällt. Den Vorgang, etwas in ein vorgegebenes Raster zu übertragen nennt
man Quantisierung.
Die Anzahl der
Messungen pro Sekunde wird als Samplingrate (Abtastfrequenz) bezeichnet. Um
eine Schwingung überhaupt aufzeichnen zu können braucht man mindestens zwei
Messpunkte pro Schwingung, so dass für die Aufnahme der höchsten
wahrnehmbaren Frequenz, die bei ca. 20 kHz liegt, eine Abtastrate von
mindestens 40 kHz nötig ist. So erklärt sich, dass der Standart mit dem die
meisten Geräte arbeiten, bei 44100 Hz liegt. Bei einer Samplingrate von 10
kHz könnten beispielsweise nur Frequenzen bis 5000 Hz aufgenommen werden,
höhere Frequenzen müssen dann durch Filter
entfernt werden, da sonst Schwingungen Aufgezeichnet werden die in
Wirklichkeit gar nicht vorhanden sind (Aliasing ).
Natürlich steigt der Speicherbedarf und die Systemauslastung mit zunehmender
Samplingrate, weshalb z.B. für Internetanwendungen gerne auf niedrigere
Auflösungen zurückgegriffen wird, auch wenn die Tonqualität darunter
erheblich leidet.
Die Samplingtiefe
ist der zweite Parameter um eine Schwingung zu quantisieren: Den gemessenen
Lautstärkepegeln wird jeweils ein Wert auf einer Skala zugeordnet und in
Form eines Datenworts digital aufgezeichnet. Dieses Datenwort besteht aus
einer festgelegten Anzahl von Binärinformationen (Bit), wobei ein Datenwort
aus 8 Bit (z.B. 01001011) 256 Werte ausdrücken kann. Bei 16 Bit
Quantisierung lässt sich schon eine Skala von 65536 Werten darstellen. Die
Samplingtiefe gibt an, wie viel Bit für die Quantisierung der Pegelmessungen
zur Verfügung stehen. Je mehr Bit, desto mehr Lautstärkenabstufungen sind
möglich und desto naturgetreuer wir die Aufzeichnung ausfallen.
Der Speicherbedarf lässt sich durch Multiplikation von Samplingrate und
Samplingtiefe berechnen: z.B. 44100 (1/s) x 16 Bit x 60 s (pro Minute) x 2
(bei Stereo) = 84672000 Bit = ( /8) 10584000 Byte = ( /1028) 10296 kB = (
/1028) ca. 10 MB pro Minute; bei 96 kHz / 24 Bit sind es schon ca. 33 MB pro
Minute.
Mit entsprechender Software (Sample-Editoren, Samplerate-Konverter, ...)
lassen sich beinahe alle Formate konvertieren, so dass die Bearbeitung im
Rechner keine größeren Probleme aufwirft, selbst wenn eines der Programme
ein bestimmtes Format nicht verarbeiten kann. Anders,
wenn verschiedene Geräte digital kommunizieren sollen und unterschiedliche
Abtastraten verwenden. CD-Player, DAT-Rekorder oder
Verstärker mit Digitalausgang, analog/digital Wandler, die
Recording-Hardware des Computers oder digitale Mischpulte,
alle Geräte können nur bei gleicher Sample-Rate Signale Austauschen. Im
Idealfall kann die Sample-Rate am Gerät umgeschaltet werden oder sie wird
automatisch erkannt und eingestellt. Wenn das nicht der Fall ist, wäre die
einzige Möglichkeit ein weiteres teures Gerät anzuschaffen, das
zwischengeschaltet wird und die Sample-Rate in Echtzeit umrechnet.
Geräteverbindungen sind über optische (siehe Abbildung rechts),
koaxiale (Chinch, SPDIF), sowie XLR (AES/EBU) Stecker möglich. Darüber
hinaus existieren für digitale Mehrspurgeräte firmeneigene
Systemverbindungen etwa für ADAT oder DA88.
Und wenn die digitalen Signale schließlich aufgenommen, bearbeitet und
vielleicht auf CD, DAT, MD oder Audio DVD gespeichert worden sind, werden sie
zum Hören wieder umgewandelt in (möglichst) analoge Schallwellen. Eine hohe
Sample-Rate soll sicherstellen, dass unsere Ohren die vielen Stufenwerte als
Illusion kontinuierlicher Wellen wahrnehmen. Ob das wirklich gelingt,
darüber streiten sich bis heute die Tontechniker und Audiophilen.