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Ein Szene – drei Geschichten |
Inhalte, die nicht richtig erzählt wurden, können akustisch ergänzt werden. Fehlt etwa die für die Szene wichtige Bildinformation, dass eine Filmfigur den Raum verlassen hat, so kann man diese durch Schritte, die sich entfernen und eine Tür, die geschlossen wird, nachholen. Ist eine bestimmte Örtlichkeit visuell nicht glaubhaft genug, kann man durch die Tonebene die fehlende Glaubwürdigkeit hinzufügen.
Auch dramaturgisch kann man die Intensität, das Tempo, den Ausdruck eines Bildes auf unterschiedlichste Weise durch die Tonebene verändern. Ein identisches Bild kann durch die Vertonung belanglos, spannend, beängstigend, ja sogar absolut psychedelisch wirken. Plötzlich tut sich ein ganzes Universum an Erzählmöglichkeiten auf und glücklicherweise können gute Tonarchive (s. Shop) helfen, die späte Erkenntnis akustisch umzusetzen.
Doch noch reicher könnte das Tonmaterial sein, wenn man bereits bei den Dreharbeiten und sogar schon beim Drehbuch daran gedacht hätte, welche akustische Perspektive, wessen Innenwelt an welchem Punkt der Geschichte akustisch vermittelt werden soll. Möglichst frühzeitig sollten erste Geräuschideen und grundsätzliche akustische Richtungen besprochen werden.
Damit soll nicht behauptet werden, dass man jede beliebige, uninspirierte Aufnahme durch das bloße Hinzufügen von kreativen Tonelementen sofort zu einem Meisterwerk machen kann. Selbstverständlich müssen auch die Bilder im Sinne der Filmgeschichte inspiriert und hochwertig sein. Und natürlich müssen genügend Momente vorhanden sein, in denen der Kinobesucher eine Chance hat, etwas anderes als permanenten Dialog (die alte Krankheit) zu hören.
Beim Bildschnitt ist ebenfalls darauf zu achten, dass nicht, wie so gerne praktiziert, von einer temporeichen Handlung zur nächsten gesprungen und jedes (scheinbar) leere Bild rausgeschnitten wird. Manchmal ist der Vor- oder Nachlauf eines Dialogs oder ein ruhiges Bild für die Tondramaturgie unendlich wertvoll.
Auch
die Ausstattung, die Requisite und
die Kamera, welche die entsprechenden Details auch einfängt, können
indirekt beim Sounddesign helfen. Denn
natürlich kann man nicht völlig im luftleeren Raum Geräusche einfach so
fallen lassen. Eine Erklärung ihres Ursprungs macht Geräusche stärker. Ob
es der im Wind klappernde Fensterladen, die draußen vorbeiratternde S-Bahn,
der altersschwache Ventilator oder der tropfende Wasserhahn ist, solche
optischen Vorgaben eröffnen weitere Chancen für die Vertonung. Umgekehrt
werden die gefilmten Räumlichkeiten erst durch die Vielfältigkeit an
Geräuschen auch wirklich lebendig.
Auf jeden Fall sollten bereits am Drehort neben den standardmäßigen, möglichst sauber aufgezeichneten Originaltönen entsprechende zusätzliche Aufnahmen gemacht werden, die als Basis für das Sounddesign dienen können.
Zu den herausragenden Beispielen für Sounddesign zählt der Film „Der Dialog“ („The Conversation“, USA 1974) mit Gene Hackmann als paranoider Gutachter. Der Sounddesigner Walter Murch verwendete Synthesizer, um Alltagsgeräusche so zu verfremden, dass sie emotional wirken. Vom gleichen Sounddesigner stammen auch die unvergesslichen Hubschraubergeräusche in „Apocalypse Now“ (USA 1979).
Ton kann für die Wirkung eines Filmes eine ungeheuere Bedeutung haben und weit mehr sein als lediglich ein sauberes Pendant zum Bild. Wer die Möglichkeit außer Acht lässt, den Ton als aktives Gestaltungselement zu nutzen, verschenkt enorm viel. Die Entscheidung für eine gestaltende Rolle des Tones bedingt in den meisten Fällen eine frühzeitige Planung und ein hochwertiges Tonarchiv (s. Shop).
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