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Mischen is possible...Inzwischen ist professionelles Equipment zum Mischen von Filmen bezahlbar geworden, und zahlreiche Produktionsfirmen haben die Tonmischung gleich im eigenen Hause realisiert. Dank niedrigen Festplattenpreisen, günstigen rechenstarken Computern und Schnittstellen wie Firewire oder USB sind Dinge möglich geworden, von denen man vor einigen Jahren nur träumen konnte. Allerdings reicht es bei weitem nicht, eine digitale Workstation zur Verfügung zu haben, es gilt auch, Grundlagen für das Mischen und das finale Mastering zu beachten und bei der Planung zu berücksichtigen. Schallwandlung ist mühsam...Man kennt das, für die eigenen vier Wände will man sich eine Anlage und Boxen anschaffen, und selbst wenn man diese, was immer seltener wird, im Laden in einem Hörraum testen konnte (meist darf man ja nur auf einem Stapel Kartons den gewünschten herausziehen), klingen die Boxen dann Zuhause komplett anders als gedacht. Inzwischen hat es sich herumgesprochen, dass auch der Raum, die Art der Aufstellung der Boxen, ihre Abkopplung vom Boden oder Wänden (je nach Anbringung), die Beschaffenheit der Wände, der Decke des Bodens, eine Rolle spielen, wie es klingt. Manch einer beginnt dann zu tüfteln, umzugestalten, die Boxen umzutauschen, gar ganze Wände zu versetzen und befindet sich damit so langsam in der Gedankenwelt von Toningenieuren oder Tonmeistern die eine Abhörsituation zum Mastering herstellen wollen. Hören ist individuellÄhnlich wie wir nie ganz sicher sein können, ob andere Menschen die Farben genau so empfinden, wie wir, so ist auch unser Hörempfinden äußerst individuell. Es hängt von biologischen Gegebenheiten ab, etwa welche Frequenzen der Einzelne noch hören kann, aber auch von Gewohnheiten und von der Schulung des eigenen Gehörs. Ja, man kann das Gehör trainieren und Profis hören oft sehr viel differenzierter, können Fehler etwa bei der Musikaufnahme einzelner Instrumente hören, wo Andere keinerlei Unterschiede zur letzten Aufnahme feststellen werden. Knick in der Akustik
So individuell unser Hören auch ist, ein Phänomen ist allen Menschen gemeinsam- die unterschiedliche Empfindlichkeit ihres Gehörs auf bestimmte Frequenzen. In den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts haben die Amerikaner Fletcher und Munson in den Bell-Labors umfangreiche Testreihen durchgeführt. Sie haben Testpersonen Töne unterschiedlichster Frequenzen von tiefsten Bässen bis zu höchsten Tönen vorgespielt und die Lautstärke jeweils so verändert, bis diese genau so laut empfunden wurde wie ein konstanter Vergleichston. Sie trugen die Ergebnisse in Tabellen ein aus der sie ein Kurvendiagramm erstellten. Auf der Y- Achse sind die Lautstärkewerte in dB eingetragen, auf der X- Achse die Frequenzen (20 bis ca 12000 Hz). An der Kurve kann man ganz deutlich ablesen, dass die tiefen und die hohen Frequenzen deutlich lauter abgespielt werden müssen, um genau so laut empfunden zu werden, wie mittlere Frequenzen. Insbesondere zwischen etwa 1000 und 5000 Herz sind unsere Ohren besonders empfindlich. Evolution mag es wohl gewesen sein, die ausgerechnet für jenen Frequenzbereich, in dem sich die menschliche Stimme befindet, die Ohren besonders sensibilisiert hat. Für die Abhörsituation hat dies entscheidende Folgen. Werden Tonsignale aller Frequenzen einfach nur linear, also ohne jede Veränderung und Filterung abgespielt, klingt das Ergebnis möglicherweise unbefriedigend. Der Zuhörer im Kino hört dann die Bässe und Höhen nur leise, dafür die Mitten viel deutlicher. Der Zuhörer am Fernseher wird vermutlich an seiner Fernbedienung herumspielen um den Klang angenehmer zu gestalten. Hört er gar über eine Stereo- oder Surroundanlage ab, wird er vielleicht den "Loudness"- Schalter betätigen. Dieser macht nichts anderes, als Bässe und Höhen anzuheben und man kann wohl davon ausgehen, dass die Mehrheit der Fernseher und Tonanlagen bei den Zuschauern ohnehin ständig im "Loudness"- Mode betrieben werden. Wer hört wie? Das stellt uns, die wir die optimale Abhörsituation erzielen wollen, vor mittelschwere Probleme. Wie soll unsere Abhöre im Mischraum klingen, um erahnen zu lassen, was der Zuschauer Zuhause hört? Und was ist schon "der Zuschauer", jede Anlage, jeder Fernseher, jedes Wohnzimmer klingt doch ganz anders! Und wie laut sollte man im Mischraum hören? Wie laut hören die Zuschauer? Variablen über Variablen... Es bedarf, um nicht völlig im Trüben zu Fischen, schon gewisser Festlegungen, um den Tonmeistern vergleichbare, sichere Beurteilungen ihrer Arbeit zu ermöglichen. Und natürlich sollte man sich nicht an den windigsten, knarzendsten Fernsehkisten orientieren, sondern an objektivierbaren Abhörbedingungen. Mischraum-GedankenSelbstverständlich sollte man möglichst saubere, präzise Boxen verwenden, die Tonstudiotechnik kennt da diverse Hersteller, welche in unterschiedlichsten Preissegmenten anzutreffen sind. Für ein Taschengeld ist keine der Boxen zu bekommen. Wichtig auch, ob man Nahfeldmonitore verwendet (für kleine Abhörräume unverzichtbar) oder normale Monitore, da muss ein gewisser Mindestabstand zum Abhörplatz des Tonmeisters eingehalten werden. Und natürlich sollten in dem Mischraum keine Vibrationen oder unerwünschter Hall auftreten. Teppichboden kann da helfen und auch eine Wandgestaltung die den Schall nicht allzu direkt reflektiert. Abhörräume sollen nicht Schalltot sein, also bitte nicht mit den Aufnahmeräumen verwechseln. Aber sie sollten auch nicht die Abhörqualität schmälern. Hat man den Raum durch entsprechende Maßnahmen, wenn man will bis bin zu Schallabsorbern, eingerichtet, sollte man die Boxen so einstellen (viele haben eigene Frequenz- Kompensationsregler- oder Schalter), dass im Raum alle Frequenzen gleichmäßig laut wiedergegeben werden. Der entscheidende Gedanke beim Abhören in einem Mischraum sollte sein, sich nicht an den vielfältigen Fehlerquellen bei den Zuhörern in ihren Wohnzimmern oder in den Kinos zu orientieren, sondern daran, die Tonereignisse möglichst sauber zu hören. Das bedeutet, man sollte möglichst das ganze Frequenzspektrum hören können. Und die Abhöre sollte alle Frequenzen linear, also gleich laut wiedergeben. Und was ist mit der Fletcher-Munson Kurve? Wo doch auch Tonmeister evolutionsbedingt unterschiedlich sensibilisiert sind für Frequenzen? - Nun genau diese Kurve gibt indirekt Auskunft darüber, wie laut man mindestens abhören sollte, um auch die Frequenzen, für die man nicht so empfindlich ist, ebenfalls hören zu können. Zugleich sollte die Lautstärke auch nicht zu hoch sein, damit man auch nach Stunden der Mischarbeit keine Hörschäden bekommt. Hier wurde in der Studiotechnik für den Filmton 83 dB als Richtwert festgelegt. (In Musik-Studios wird sogar noch etwas lauter abgehört). Diesen Wert ermittelt man mit einem Lautheitsmessgerät oder auch SPL-Meter genannt, beim Abspielen einer relativ einheitlich lauten Stelle im Tonmaterial, die keine Pegelveränderungen hat und die sie als Laut definieren wollen. Das SPL-Meter muss dabei am Abhörplatz, also dem Stuhl des Tonmeisters gemessen werden. Nun stellt man die Lautstärke des Abhörverstärkers so ein, dass der Pegel am Messgerät genau 83 dB anzeigt. Die Position am Regler markieren und am Besten nicht mehr verändern. Wie laut ist was?
Wenn man nun glücklich seinen Raum eingerichtet und eingemessen hat, tauchen die nächsten Fragen auf. Wie laut sollte man denn abhören? Dazu bedarf es ein wenig Tonphysik. Natürlich hat jede Audio-Workstation Peakmeter zu Anzeige des Pegels, oder man verfügt über externe Anzeigeinstrumente etwa von RTW oder DB. Nun weiß man, dass man beim Pegeln, ein gewisses Maximum nicht überschreiten darf. Gerade im digitalen bereich, wo es keinen Headroom gibt und man diesen quasi selbst durch niedrigeres Aussteuern festlegen muss, könnte man schnell zu dem Schluss gelangen, Tonmaterial, bei dem der Pegel besonders hoch ausschlägt, ist auch besonders laut. Doch das kann täuschen. Kurze Impulse, die beim Peakmeter im "Hold" Modus sogar noch länger in der Anzeige sind, werden viel leiser wahrgenommen, als breite Frequenzspektren mit weniger Spitzenpegel. Bei digitalen Workstations kann man das in der Timeline sehr schön erkennen. Die in der Visualisierung der Audiospur breit dargestellten Tonereignisse werden als lauter empfunden, als kurze Impulse. Hier kommt der Lautheitseindruck zum Tragen, ein Thema was wir an anderer Stelle diskutieren werden. |
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