Digital
sei besser
Es ist noch nicht lange her, da amüsierten die Audiophilen sich über den
Versuch, analoge Tonwellen in winzige Bits zu zerlegen und später wieder
zusammenzusetzen. Inzwischen wurden sie, zumindest teilweise, von der
Qualität digitaler Aufzeichnungstechnik überzeugt. Lange Zeit wurde die
digitale Aufzeichnung von Audiosignalen als eine Art Demokratisierung der
Qualität gefeiert. Die Tonqualität wird nicht mehr durch Bandmaterialien
oder Tonköpfe beeinflusst, sie ist schlicht durch Binärcode festgelegt, und
jedes Gerät spielt die gleichen Dateninformationen ab. Digitale Kopien
sollten identisch sein, die totale Reproduzierbarkeit einheitlicher
Ergebnisse schien erreicht.
Doch schon bald zeigten sich erste Unterschiede. Man diskutierte über
Wandler, über Prozessoren und über ein gefürchtetes Phänomen, genannt
Jitter. Heute, wo mehr und mehr digitale Geräte bei der Aufnahme und
Bearbeitung von Filmton zum Einsatz kommen, sollte man sich über die
heimlichen, die verborgenen Qualitätsunterschiede Gedanken machen.
Verbindungen
Bei der digitalen Signalübertragung müssen die miteinander verbundenen
Geräte aufeinander synchronisiert werden. Dies geschieht durch ein
Mastergerät, dessen Takt die anderen Geräte als Slave folgen oder durch
einen Haustakt, an dem alle Geräte gleichberechtigt hängen. Der Takt kann
über die Schnittstelle oder durch Wordclock weitergegeben werden.
Die digitalen Toninformationen, die in Form von Binärcode aufgezeichnet
oder abgespielt werden, sind entweder an eine Zeitinformation gekoppelt oder
beinhalten sie sogar im gleichen Signal. SPDIF (Sony/Phillips) oder AES/EBU
sind solche Signale mit eingeschlossener Zeitinformation. Der User bekommt
von dieser Synchronisation gar nichts mit.
Ursachen
für Jitter
Die Zeitinformation wird meist über ein Rechtecksignal transportiert,
dessen Wechsel zwischen High und Low den Takt festlegen. Wenn diese Abstände
mehrmals hintereinander nicht konstant sind, so haben wir Jitter im Signal.
Das Slave-Gerät stellt den internen Takt permanent nach, das Verfahren nennt
sich PLL (Phase Locked Loop). Dieses Nachstellen geschieht extrem schnell
sodass wir es nicht hören können. Die Regelvorgänge verursachen aber
Abweichungen der Soll-Abtastfrequenz, diese nennt man Jitter.
Jitter ist, wie das Wort sagt, eine Art Vibration, es sind Abweichungen
eines Ereignisses. Es handelt sich also um Phasenschwankungen digitaler Art.
Mal tritt es früher, mal später ein. Die Zeitspanne zwischen dem frühesten
und dem spätesten Auftreten nennt man "peak to peak jitter amplitude."
Ungenauigkeiten
des Taktgebers, meist Quarz-Oszillatoren, aber auch Schwankungen in der
Spannungsversorgung können Jitter verursachen. Ebenso beeinflussen etwa die
Motoren in Geräten, z.B. CD-Playern oder DAT-Rekordern Schwankungen, die zu
Jitter führen können. Auch Fehlanpassungen in der Impedanz verschiedener
Geräte oder Einstreuungen (Störsignale) auf dem Kabelweg können Ursachen
sein.
Ein kritischer Punkt sind auch Computer-DSP-Karten. Durch ihre Anbindung
an Host-Computer und die Nähe zu den computereigenen Oszillatoren ist es
sehr schwierig und aufwändig, einen sauberen, jitterfreien Takt zu erzeugen.
Auch die Schaltnetzteile in den Computern sind selten absolut stabil und
sauber, weitere Schwachstellen sind die Masseverbindungen in den Rechnern.
Die beliebten Plug-Ins können auf diese Weise weiteren Jitter dem Signal
hinzufügen.
Kann man Jitter hören?
Es kommt darauf an. Der Ort, an dem Jitter entsteht, ist die A/D Wandlung,
hörbar wird er bei der D/A Wandlung. Dort wird zwar jedes Sample präzise
mit dem richtigen Spannungswert wiedergegeben, aber zeitlich gegeneinander
verschoben. Das führt zu einer Verzerrung der Signalform. Wir der Jitter
abhängig vom aufgezeichneten Tonsignal erzeugt, so entsteht eine Art
Intermodulationsverzerrung, ist es eher beliebig, wird Rauschen hörbar.
Generell wird das Klangbild unpräziser. Man kann einzelne Ereignisse oder
Musikinstrumente schlechter von anderen separieren, der Klang wird unklarer,
breiiger. Aufnahmen mit geringem Jitter wirken transparenter, haben feinere
Höhenauflösung und sauberere Basswiedergabe. Auch der Dynamikumfang, der
bei einer einwandfreien Wandlung über 120 dB betragen kann, wird durch
Jitter auf Werte um die 100 dB verringert.
Häufig kommt es vor, dass eine Aufnahme, die man mit dem DAT Rekorder
gemacht hat, nach dem Überspielen auf CD von der CD viel besser klingt.
Konstruktionsbedingt werden die digitalen Daten von einer CD viel
gleichmäßiger ausgelesen als vom DAT-Band, welches Dehnung,
unterschiedliche genauem Bandlauf und anderen Widrigkeiten ausgesetzt ist.
Hier sind viel größere Regelvorgänge erforderlich um ein gleichmäßiges
Taktsignal zu erreichen.
Also
doch
Auch wenn viele Hersteller das verneinen, aber es gibt eben doch
Unterschiede zwischen digitalen Geräten. Die Präzision der mechanischen
Antriebe spielt eine große Rolle, ebenso die Regelkreise der
Spannungsversorgung. Einige Hersteller nutzen Riemenantrieb für die
CD-Laufwerke um höheren Gleichlauf zu erzielen, bauen die Laufwerke
mechanisch robuster, die Netzteile aufwändiger auf.
Die Quarze der internen Taktgeneratoren der meisten Consumer-Geräte sind
50 Cent-Produkte und weisen keine wirklich hohe Signal-Stabilität auf.
Die Güte und die Länge von Digital-Kabeln hat ebenfalls Einfluss auf
Jitter. Damit kann der Klang einer angeblich ja rein mathematisch identischen
digitalen Aufnahme je nach Gerät und Verbindung stark von einander
abweichen. (Digitale Kabel sollten 110 Ohm Innenwiderstand aufweisen).
Generell ist symmetrische AES/EBU Verbindung mit XLR Kabeln besser als die
asymmetrische SPDIF- Verbindung. Optische Signalübertragung ist sicherer als
die Kabelgestützte.
Jedes Gerät, welches in der digitalen Kette hinzugefügt wird, fügt
weitere Fehler in der Taktung hinzu. Jitter addiert sich also mit der Anzahl
der Geräte.
Wahl der Uhr
Doch auch wenn ein externer Takt verwendet wird, so kann durch die
Kabelübertragung des externen Taktes bereits Jitter entstehen. Wenn man
lediglich eine Aufnahme auf das Band aufzeichnen und nicht nachträglich
weitere digitale Spuren parallel aufzeichnen will (Multitrack), ist es am
sichersten, den eigenen geräteinternen Takt zu verwenden. Analog/Digital
Wandler sollten nach Möglichkeit mit ihrem eigenen Taktgenerator laufen, das
gewährleistet höchste Stabilität. Bei nacheinander aufzuzeichnenden
Mehrspuraufnahmen steht man jedoch bereits vor dem Problem, dass die Wandler
extern synchronisiert werden müssen.
In diesem Fall entscheidet die Güte des taktgebenden Generators (Wordclock)
über die Präzision der Wandlung. Doch auch die einwandfreie Verkabelung und
Verteilung des Wordclock Signals entscheidet. Nur wenn es sauber und mit
ausreichend hohem Signalpegel am Gerät ankommt, wird der Jitter Anteil
niedrig sein.
Vermeiden Sie Sample-Rate Wandlungen (Conversions), die sind häufig
Ursache von Jitter.
Moderne Masteringsysteme lesen übrigens das gesamte Audiomaterial in
einen Ram-Speicher (Arbeitsspeicher) ein, um beim Brennen einer Master-CD
etwa völlig unabhängig vom Clocksignal eines Zuspielers, mithilfe eines
extrem präzisen Oszillators die sauberen Daten zugreifen zu können.
Jitter ist nicht immer hörbar. Viele Störungen bleiben unbemerkt oder
fallen einem nur im direkten Hörvergleich mit "sauberen" Aufnahmen
auf. Das Ziel unserer Tonarbeit sollte eine höchstmögliche Qualität sein,
bei Neuanschaffungen kann ein Blick auf die Jitter-Messwerte in den
technischen Angaben helfen, dieses Ziel zu erreichen. Die Vermeidung von
Fehlern bei der Verbindung und Taktung digitaler Geräte ist ein weiterer
Schritt, die Signalqualität hochwertig zu erhalten.
Mag sein, dass der Aufwand sich für den durchschnittlichen
TV-Lautsprecher nicht unbedingt lohnt. Doch man kann nie wissen, ob Ihr
nächstes Werk nicht vielleicht im THX-Kino oder auf DVD zu hören sein wird.
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