 |
|
Wenn Sie die gut versteckten Taschensender
anklicken, erfahren Sie, was die Beiden zu besprechen haben...
|
Bei heutigen Filmdrehs werden immer häufiger drahtlose Funksender
eingesetzt. Dabei unterscheidet man auf der Senderseite Handsender
(Sprecher oder Sänger hält Mikro in der Hand), bei denen der Sender ins
Mikrofongehäuse integriert oder am XLR-Anschluss aufgesteckt ist, und Taschensender
(Bodypack), die man in der Kleidung der Sprecher/Schauspieler anbringt und an
die ein Ansteckmikrofon oder ein
Kopfbügelmikrofon angeschlossen wird.
Sendestrecken erlauben es, mehrere Schauspieler gleichzeitig im Bild zu
haben und deren Dialoge sauber aufzunehmen, selbst wenn man sie in einer
Totalen sieht oder mehrere Darsteller gleichzeitig sprechen.
Bei der Funkübertragung kommt es wiederholt zu Abschattungen oder
Interferenzen bis hin zur Auslöschung, bei der die Tonübertragung gestört
oder ganz unterbrochen wird. Welche Arten von Störungen können auftreten?
Am Set werden verschiedene Sender betrieben Die Schauspieler drehen sich um,
laufen oder ändern ihre Sendeposition Das Mikrofonkabel berührt die Antenne
des Senders Im Umfeld befinden sich viele hohe Gebäude Die Funkwellen in
einer Stahlbetonhalle werden reflektiert Mobiltelefone stören den Empfang
Die so genannte Diversity-Technik hat Sendestörungen im Nutzsignal
weitgehend abgeschafft.
Die höhere Störsicherheit wird erreicht, indem man zwei getrennte
Antennen verwendet und mit zwei getrennten Empfängern arbeitet (Antennen-Diversity).
Eine Elektronik wertet die Empfangsqualität aus und wählt das bessere
Signal.
Noch sicherer wird die Übertragung, wenn man auch mit zwei Sendern auf
zwei verschiedenen Frequenzen arbeitet (Frequenz-Diversity). Im Empfänger
werden dann die beiden demodulierten Signale in ihrer Signalfeldstärke
gemessen und summiert. Das erhöht den Rauschabstand des Tonsignals und
erlaubt es, auch zwei verrauschte Signale zu einem vernünftigen Signal zu
summieren.
Früher gab es Sender im UKW-Band, also im 40 MHz-Bereich.
Diese Übertragungsart war sehr anfällig gegen Störungen durch
Lichtschalter, Netzteile oder Leuchtstofflampen. Die Empfangsantennen waren
zudem ziemlich sperrig.
Preiswerte Sender arbeiten oft im VHF-Bereich zwischen 130 und
300 MHz. Sie sind ziemlich störsicher, wenn sie in Diversity-Technik
ausgelegt sind. Dieses Frequenzband ist in Europa weitgehend unproblematisch,
außer in Deutschland. Dort werden in diesem Bereich nämlich keine
Frequenzen freigehalten. Deshalb muss man vor jeder Inbetriebnahme eine
kostenpflichtige Anmeldung beim Bundesamt für Telekommunikation mit Nennung
von Ort und Zeitraum vornehmen. Wer das versäumt, macht sich strafbar. Die
allgemeine Betriebserlaubnis mit Adlersymbol und BZT-Nummer auf dem Gerät
ändert an dieser Vorgabe nichts. Diese Einschränkung der ansonsten sehr
guten Geräte kann sehr lästig sein.
Gute Sendestrecken arbeiten im UHF-Bereich zwischen 470 und
980 MHz und sind sehr teuer, sowohl in der Anschaffung als auch in der
Miete. Dafür kann man sie, wenn sie eine BZT-Nummer auf dem Gehäuse haben,
ohne jede weitere Anmeldung oder Genehmigung auch in Deutschland betreiben.
(Diese Frequenzen werden ausdrücklich freigehalten.)
Prinzipiell erlauben höhere Frequenzen auch kleinere Antennen; auch dies
ist ein Argument für VHF und UHF. Letzteres Band ist wegen der gesetzlichen
Bestimmungen für Deutschland vorzuziehen.
Sie verbrauchen viel Energie (Akkus/Batterien). Die Hersteller versprechen
bei Verwendung von Alkali-Batterien für die Sender ca. zehn Stunden, doch
das kann erheblich schwanken. Die Tonleute haben oft Kartonweise Batterien
dabei, um mit den Sendern sicher durch den Drehtag zu kommen. Viele der
Sender verändern zur Übertragungssicherheit und Rauschunterdrückung das
Signal, sodass es etwas schärfer, spitzer klingt als bei Kabelübertragung.
Das kann man später in der Postproduktion
durch entsprechende Filter etwas abmildern.
Wenn viele Funkstrecken für viele Darsteller gleichzeitig laufen, kann es
sinnvoll sein, auf ein digitales Mehrspursystem aufzuzeichnen (DA88, ADAT
etc.). Dann ist die Arbeit für den Tonmeister weniger stressig, weil er
nicht alle Signale gleichzeitig überwachen und „live“ zusammen mischen
muss.
Selbstverständlich kann man über die Sender auch andere Signale, die
nicht von Mikrofonen stammen, übertragen. Timecode,
Pilotton oder (bei großer Distanz der Synchronklappe
zum nächsten Mikrofon) das Schlagen der Klappe zum Beispiel.
Die Entfernungen sollten möglichst Sichtweite betragen, je nach
Gerätetyp maximal etwa 100 Meter. Zu nahe sollte der Sender dem
Empfänger aber auch nicht kommen, sonst führt das zum Übersteuern des
Empfängers. Hier sind vier bis fünf Meter ein Richtwert.
Die Einstellungen an den Sendern und Empfängern können versehentlich
verstellt werden. Das plötzliche Ausfallen eines Tonkanals kann zu
aufwändigen Fehlersuchen führen. Deshalb ist es sinnvoll, diese mit
Lassoband zu sichern (Überkleben).
Doch nicht nur die technischen Werte zählen. Wichtig ist auch, ob man die
Batteriereserve des Senders am Empfänger ablesen oder – wie bei einigen
besonders teuren Modellen – sogar per Fernbedienung die Sender an den
Schauspielern in Bereitschafts-Modus schalten kann.
Ganz wichtig auch die Frage, wie klein denn die Sender sind. Manche „Taschensender“
kann man beim besten Willen nicht vernünftig am Schauspieler verstecken!
Je mehr Funkstrecken parallel übertragen werden, desto schwieriger ist
es, einen störungsfreien Empfang zu realisieren. Insbesondere bei
Übertragungen von vielen verschiedenen Kanälen – etwa bei Konzerten oder
Shows – kann es sinnvoll sein, den Drehort mit einem
HF-Spektrumsanalysierer zu prüfen. Damit können Sie sichergehen, dass die
Frequenzen, die Sie belegen wollen, noch nicht vergeben sind. Die
computergestützten Geräte schlagen Frequenzen vor, die man an den
Taschensendern und den Empfängern (Receiver) einstellen kann.
Auch die optimale Aufstellung und Ausrichtung der Empfangsantenne ist
wichtig, damit es nicht zu schlechtem Empfang oder gar Funklöchern kommt.
Mithilfe von so genannten Antennensplittern in Verbindung mit
Antennenverstärker (Booster) können mehrere (vier bis acht) Kanäle
gleichzeitig mit nur einem Diversity-Antennenpaar empfangen werden. Werden
die beiden Antennen in größerem Abstand zueinander aufgestellt (abgesetzte
Antennen), kann dies die Reichweite der Sendestrecken erhöhen.
Die Empfänger haben mindestens die Größe eines Autoradios oder sind als
19 Zoll-Einschübe aufgebaut. Für den Einsatz etwa mit Camcordern gibt
es aber auch Kleinstempfänger, die man einfach an die Kamera anflanscht.
Bekannte Hersteller sind:
AKG, Amptec,
Audio Ltd., Audio-Engineering,
Audio
Technika, Beyerdynamic,
Chiayo, Lectrosonics,
Micron, Omnitronic,
Samson, Sennheiser,
Shure,
Sony,
Trantec, dB
Technologies, TOA, Zeck
(Daisy).
Die Bandbreite der Preise ist beachtlich; es lohnt sich wirklich, die
Anbieter zu vergleichen. |