Noch sind die Reihen nicht gefüllt, die Gesprächspartner nicht auf dem Podium,- die Fabrikhalle in der die Podiumsdiskussion stattfinden wird

 

0 Euro Gage, ist das fair? Im Rahmenprogramm zum Hofer Festival diskutierten Vorstandsmitglieder des Bundesverbands Schauspiel mit Vertretern der Hochschulen.

 

Das Thema ist ein Aufreger unter Schauspieler-inne-n landesweit. Seit vom Gesetzgeber der Mindestlohn verordnet wurde und auch Filmhochschulen eigentlich den Mindestlohn und die Sozialabgaben für Schauspieler bei Studentenfilmen bezahlen müssten, läuft nicht alles rund in der Zusammenarbeit. Unter dem durchaus provokanten Motto "BFFS – Keine Gage, dafür leckeres Catering: Schauspiel-Engagements in Hochschul- und Debütfilmen" lud der Bundesverband der Film,- und Fernsehschauspieler zu einer Podiumsdiskussion ein.

 

Der Eingang zur Hoftex Fabrikhalle, wo die HofPlus Veranstaltungen stattfinden, ist schwer zu finden. Auf dem Firmengelände irrten gleich mehrere Gäste suchend umher. Doch ein Holzkeil verriet dann doch den Notausgang der ehemaligen Fabrikationshalle, welche visuell recht spannend mit Holzpaletten zu einer Event-Location umgestaltet wurde. Auf dem Panel saßen Bernhard F. Störkmann – BFFS Justiziar, Simone Wagner – Schauspielerin & Vorstandsmitglied BFFS, Julia Bezzenberger (Justiziarin im Verband der Agenturen), Christian Knie – Regiestudent HFF, Stephen Sikder – Schauspieler & Caster DreamTeam Munich sowie Mathias Allary, Professor für Film und Regie an der Macromedia University.

 

Gegensätze oder gemeinsame Probleme

Thorsten Schaumann, der neue künstlerische Leiter der Hofer Filmtage begrüßt die Gäste von HofPlus

 

Die Diskussion behandelte vordergründig ein Problem zwischen Schauspielern und Hochschulen,- die niedrigen oder gar keinen Gagen bei Hochschulfilmen. Tatsächlich geht es aber um die missliche Lage von vielen Kreativen aus der Filmbranche, die sich ausgerechnet an dem Ende entzündet wo am wenigsten Budget zur Verfügung steht. Darüber kann man denken, wie man will, doch die Ursachen der finanziellen Misere für viele Schauspieler,-innen liegen nicht bei deren sporadischen Teilnahmen an Studentenfilmen.

 

Es ist vielmehr die geringe Wertschätzung künstlerischen Schaffens in Deutschland, zumindest was die Vergütung angeht. So geht es den Schauspielern des Verbandes gar nicht primär um die Höhe der Gage, sondern darum, dass überhaupt eine gezahlt werde. Mehrere staatliche deutsche Filmhochschulen haben nach der gesetzlichen Vorschrift zur Zahlung des Mindestlohns einen Workaround entwickelt, die Vorschriften zu umgehen und die Schauspielertätigkeit als ehrenamtliche Spende zu definieren und gar nichts zu zahlen.

 

Gegen diese Praxis wehrt sich der Verband verständlicherweise. Während die Mehrheit des Panels verständlicherweise diese Praxis ablehnte, versuchte Christian Knie zu erklären, dass an seiner Hochschule, der HFF München, grundsätzlich bei Übungsfilmen niemand bezahlt würde, weil die Budgets klein seien und erst beim Abschlussfilm Mindestgagen oder mehr gezahlt werden könnten.

 

Prof. Allary (der Autor dieses Artikels) erläuterte, dass an der Macromedia bei Übungsfilmen der Mindestlohn Standard sei und dass Abschlussfilme nicht von der Hochschule, sondern von externen Produktionsfirmen oder von Firmengründungen der Studierenden produziert werden und entsprechend ebenfalls mindestens der Mindestlohn bezahlt würde. Obwohl die Macromedia eine private Hochschule ist und nur einen Bruchteil des Budgets staatlicher Hochschulen zur Verfügung hat, ist die "ehrenamtliche" Variante hier kein Thema.

 

Simone Wagner gab zu, dass die Zusammenarbeit mit Filmstudierenden oft auch eine Herzensangelegenheit sei, weil das Buch so spannend oder das Projekt einfach so ambitioniert sei, dass bei ihr das Geld erst an zweiter Stelle käme. Allerdings habe sie von diversen Filmen in denen sie mitgespielt habe, nie ein Video erhalten, ein wichtiges Element der Wertschätzung und auch Vergütung, schließlich sind Schauspieler-innen auf derartiges Material für ihre Show-Reels angewiesen.

 

Bernhard F. Störkmann stellte die Forderung, dass in die Verträge auch mögliche spätere Vergütungen im Fall einer erfolgreichen Verwertung des Hochschulfilmes und etwa auch die Ablieferung einer Videodatei aufgenommen werden sollten. Julia Bezzenberger betonte, dass es aus Sicht der Agenturen unakzeptabel sei, dass Schauspieler-innen unvergütet bei Hochschulfilmen arbeiten würden.

 

Stephen Sikder legte ebenfalls großen Wert darauf, festzuhalten, dass die Schauspieler-innen oft die einzigen Profis an Studentenfilmsets seien und dass man auch aus diesem Grunde unbedingt den Mindestlohn als Mindestforderung durchsetzen solle. Dem widersprach Christian Knie,- an HFF Sets seien durchaus mehrheitlich Profis anzutreffen, die ohne Vergütung mitarbeiten würden, lediglich zwei, drei HFF Studierende seien da im Team. Würde man lediglich die Schauspieler bezahlen, würde das seltsam aussehen gegenüber den anderen Profis.

 

Wenn alle sich einig wären...

Leider hat keine einzige der angefragten staatlichen Filmhochschulen eine Vertreterin oder einen Vertreter auf das Panel entsendet, obwohl einige sogar in Hof beim Festival waren. Doch das Panel zumindest war sich letzlich einig, dass die Zusammenarbeit mit Studierenden wichtig und zukunftsweisend ist, dass aber die geforderten Mindestlöhne nicht einfach so zu Spenden umgewandelt werden können. Da sind auch die TV Sender, die mit Mini Budgets Hochschulfilme koproduzieren sowie die Politik, die Hochschulen Verpflichtungen zum Mindestlohn auferlegt, ohne diese mit dem Budget zur Zahlung derselben auszustatten, gefragt.

 

Der Weg dorthin wird sicherlich noch manche Stolpersteine haben, doch die Diskussion zeigte auch, dass es eigentlich keine Kluft zwischen den Schauspieler-inne-n und Nachwuchsregisseur-inn-en gibt, sondern eher ein gemeinsames Problem, um das sich eigentlich die Politik kümmern müsste.