|
|
Viele Menschen glauben, bei den Dreharbeiten zu einem Film steht alles
schon ganz fest und ist bis ins kleinste Detail festgelegt. Tatsächlich aber
wird jede Szene am Set beinahe neu erfunden (oder „gefunden“), optimiert
und den realen Gegebenheiten angeglichen.
Wenn die Dreharbeiten begonnen haben, dann werden Sie weiterhin damit
beschäftigt sein, Ihre Vorstellungen zu vermitteln. Sie werden aber auch mit
Unwägbarkeiten, mit Problemen, mit Abweichungen von Ihren Vorstellungen
zurecht kommen müssen.
Ganz wichtig ist die Erkenntnis, dass diese Abweichungen vom Plan nicht
von Nachteil sein müssen. Im Gegenteil, sie können den Film sogar
bereichern, optimieren. So lange Sie die Grundidee nicht aus den Augen und
dem Herzen verlieren, liegt in jeder Abweichung eine Chance.
„Die Kunst beim Filmen ist, das Beste aus Zufällen zu machen“, heißt
seine Devise, und darum verlegt er eine Drehszene im Garten bei Regenwetter
schon mal in ein Malergeschäft.
„Ich habe die Erfahrung gemacht, daß sogenannte störende Einflüsse
die Geschichte nur beleben, ja, sie sogar besser machen können.“
Nicht alle Störungen Ihrer Drehplanung sind von Nachteil, wenn Sie
versuchen, die Möglichkeiten, die sich eröffnen, in Ihre Geschichte
einzubauen.
Nichts ist lähmender, als auf das Eintreten irgendwelcher Bedingungen zu
warten, die vielleicht für die Erzählbarkeit der Geschichte gar nicht
notwendig wären.
 |
|
Mit Minimalteam, Butterfly (Sonnensegel) und
Darstellern auf einem Bootssteg. Dreharbeiten zu „Midsommar Stories“
|
Nicht wenige Filmteams haben auf das Eintreffen irgendwelcher
kulinarischer Requisiten (Pizza, Hamburger, Pommes, Torte etc.) gewartet,
weil es nun mal so im Buch stand. Ein Umstellen des Speiseplans der
Filmfiguren hätte die Wartezeit oftmals verkürzen können.
Es gibt so viele notwendige Bedingungen an einem jeden Drehtag, man sollte
bei den übrigen so flexibel wie möglich sein und sich nicht an jedem
Buchstaben im Drehbuch festbeißen!
Damit Sie Fehler und Irrtümer vermeiden, werden an dieser Stelle
natürlich die „Klassiker“ wie Achsensprung
oder Anschlussfehler
erläutert.
Wenn Sie ein paar wenige Grundregeln beachten, brauchen Sie diese
beliebten Fehlerquellen auch nicht zu fürchten.
Nachdem der/die Regisseur/in mit den Schauspielern (abseits des Sets) die
emotionalen Grundlagen der Szene/Einstellung und die sprachliche Umsetzung
geprobt hat, begibt man sich, wenn Kamera und Licht fertig sind, in das
Motiv.
Nun beginnen eine Vielzahl von Feinabstimmungen, bei denen vor allem
Regie, Kamera und Schauspieler sich langsam an das gewünschte Ergebnis
herantasten.
Die Arbeitsweise ist ein gegenseitiges Anbieten, Vorschlagen von
Möglichkeiten und Reaktionen darauf. Es sind Versuch und Irrtum, Ja
und Nein mit denen die Abläufe perfektioniert werden. Dialoge, die in keinem
Drehbuch stehen, führen mit wenigen, kurzen Anweisungen zum gewünschten
Ergebnis.
- Der Kameramann fragt etwa: Kannst Du das noch mal vormachen?
- Der Schauspieler macht einen bestimmten Handlungsablauf vor, er
„bietet etwas an“.
- Kameramann
: Ja, halte den Brief ruhig etwas höher, ja etwas höher,
damit ich deine Augen mit im Bild habe. Und jetzt schau auf die linke Seite
des Briefes, ja so ist das schön.
- Der Schauspieler verändert seine Bewegungsabläufe entsprechend
der Ansagen und schaut zum Regisseur, um dessen Meinung zu erfahren.
- Regisseur
: Dann darf er aber den Brief nicht so früh aus der Jacke
ziehen, das sieht seltsam aus, wenn das so lange dauert. Dann mach das
später, vielleicht erst beim letzten Satz, OK? Und schau zuerst nervös zur
Tür, bevor Du den Brief hervorziehst.
- Der Schauspieler nickt mit dem Kopf und spielt den Ablauf
nochmals durch.
- Regisseur
zum Kameramann: Ist das in Ordnung für Dich, wenn die
Hand erst später die Bewegung macht?
- Kameramann
: Ja, dann bleibe ich noch etwas länger Halbnah und wir
fahren erst später auf ihn zu, Ja?
- Regisseur
:
Schlagartig sind die Beteiligten am Dreh wieder an ihren Positionen.
Letzte Feinabstimmung wird vorgenommen.
- Regisseur
: War die Türe nicht weiter geöffnet?
- Continuity: Ja genau, die war offen.
- Kamera
: Schieb mal einer den Tisch etwas mehr nach hinten, ja so.
Und da hinten der Reflex an der Vitrine muss weg!
- Requisite korrigiert
den Tisch, Beleuchter sprayt den Reflex mit Matt-Spray ab.
- Kameramann
: So ist gut.
- Regisseur
: Können wir?
- Schauspieler
: Steh ich gut?
- Regisseur
: Ja, und warte auf mein Zeichen.
- Aufnahmeleiter
: So dann Ruhe bitte...
Jetzt muss alles fertig sein, und wieder beginnen die üblichen Kommandos. |