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Was nützt der schönste Film, wenn ihn niemand anschaut?
Auch wenn es den Kreativen eher zuwider ist über so weltliche Dinge wie
das Abspiel bzw. die Verwertung eines Filmes nachzudenken, dieser Teil des
Jobs ist ebenso wichtig wie die Herstellung selbst.
Zunächst einmal ist wichtig, dass die Öffentlichkeit und potenzielle
Verleiher, Filmvertriebe, Videovertriebe und Sales-Leute
überhaupt davon erfahren, dass es dieses Produkt überhaupt gibt.
Da kann man viel von der Penetranz der Werbeindustrie lernen:
Namen, Titel oder Produkte müssen sich in den Köpfen
fest einnisten, um eine Wirkung zu zeigen. Stetes Tröpfeln eines
Produktnamens höhlt den Stein.
Pressearbeit
Sie werden vermutlich keinen Werbeetat zur Verfügung haben, umso
wichtiger ist Ihre Pressearbeit.
- Informieren Sie die Fachpresse noch vor Beginn der
Dreharbeiten von dem Projekt.
- Sind bekannte Schauspieler eingebunden, sollten Sie auch die allgemeine
Presse (Zeitungen, Zeitschriften) vor Drehbeginn informieren. Sehr
hilfreich ist es, wenn Sie irgendeinen Bezug (lokal oder inhaltlich) zu der
jeweiligen Publikation herstellen können.
- Während der Dreharbeiten sollten Sie der Presse per Fax oder besser
Telefon Drehtage anbieten, an denen die Presse zugegen sein und ggf.
Fotos machen kann. Darüber hinaus sollten Sie von der Produktion aus Fotos
(Standfotos und Bilder von den Dreharbeiten) bereitstellen.
- Ist der Film fertiggestellt, sollten Sie die Presse auf die Premiere
aufmerksam machen.
Versuchen Sie, sobald der Film fertig ist, ein Video davon zu erstellen,
und falls möglich auch eine englisch untertitelte Fassung machen zu lassen.
Ein ordentlicher Flyer (kurze, gefaltete Info mit
Inhalt, Stab, Produktionsdaten) und ein kleines Presseheft in gutem Layout
dürfen auch nicht fehlen.
- Melden Sie Ihren Film zu wichtigen internationalen Filmfestivals
an. Ein erfolgreicher Einsatz auf einem Festival kann den Vertrieb
eines Filmes enorm erleichtern. Sobald Sie Zusagen erhalten, teilen Sie
dies der Presse mit. Achten Sie darauf, es erst bei den größten
Festivals (A-Festivals) zu versuchen.
Filmverleiher sollten Sie
bereits vor Drehbeginn in das Projekt einbinden. Idealerweise sollten diese
(so fordern es die meisten Förderungen) auch noch eine Verleihgarantie
(einen Vorschuss auf erwartete Kino- Einspielgewinne) bezahlen. Die
Realität sieht aber anders aus. Man kann Verleihe nur schwer im Vorfeld
vertraglich binden, es sei denn, große zugkräftige Stars spielen in dem
Film mit.
- Falls es nicht gelingt, sollten Sie Verleiher erst wieder ansprechen,
wenn der Film wirklich fertig ist. Halbfertige Rohfassungen am
Schneidetisch irritieren Verleiher meistens. Auch wenn diese heilige
Schwüre leisten, sie seien Profis und könnten sich vorstellen, wie der
fertige Film mit Musik etc. aussieht – zeigen Sie keine unfertigen
Filme!
- Kümmern Sie sich auch um den Markt der Video- bzw. DVD-Vertriebe
und -Verleihe! Es gibt Filme, die nie im Kino liefen und dennoch
hohe Gewinne im Videobereich gemacht haben, ohne mit nackter Haut oder
Gruseleffekten zu locken.
Investieren Sie nicht zu viel in ein Filmplakat. Wenn sich ein
Verleih für den Film findet, wird dort ohnehin ein anderes Plakat entworfen
und gedruckt. Man kann mit etwas Geschick vorläufige Plakate selbst am
Computer entwerfen und mit Plottern in Copyshops Plakate in kleiner Auflage
herstellen lassen, das genügt völlig für Ihre Festivalarbeit.
Zusätzlich sollten Sie Aushangfotos in 18x24 sowie Pressefotos
in 13x18 herstellen lassen. Versehen Sie die Fotos mit Aufklebern aus
denen Filmtitel, Darsteller, Regie und Produktion hervorgehen. Die werden Sie
brauchen, wenn der Film auf Festivals gezeigt wird.
Falls Sie den Film nicht selbst vertreiben wollen, sondern dies einem
erfahrenen Vertrieb überlassen wollen, sind genaue Kenntnisse der Vertragsgestaltung
wichtig, damit Sie auch etwas aus Verkäufen abbekommen. Eine Liste der
Weltvertriebe die in einem Verband zusammengeschlossen sind, finden Sie hier:
http://www.vdfe.de/mitglieder.html |