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Verträge gelten auch ohne SchriftformIn der Filmbranche werden viele Vereinbarungen mündlich getroffen, ohne jemals per Unterschrift besiegelt zu werden. Die Filmgeschichte ist voller Vereinbarungen, die per Handschlag geschlossen, im günstigsten Fall auf irgendeine Serviette im italienischen Nobelrestaurant gekritzelt wurden. Einige Weltstars sind bekannt dafür, so gut wie nie schriftliche Verträge abzuschließen. Kim Basinger etwa hat nur für einen Bruchteil ihrer Filme Verträge unterschrieben. Das ist soweit auch durchaus möglich. Viele Rechtsgeschäfte sind – wie Juristen es ausdrücken – „formfrei“. Eine mündliche Äußerung oder Vereinbarung reicht zu ihrer Wirksamkeit aus. Wenn wir die U-Bahn oder ein Taxi besteigen, haben wir – auch ohne schriftliche Vereinbarung – einen Beförderungsvertrag geschlossen. Auch die Zusage an Schauspieler für ein Vorhaben kann bereits ohne jede schriftliche Fixierung Gültigkeit haben. Oft genug kommen sich Vertragspartner, die sich schon lange kennen, albern vor, wenn Sie über die mündliche Vereinbarung hinaus noch Papier bemühen. Doch diese Scham kann teuer werden. Man sieht sich... (vor Gericht)Während man bei uns durchaus gewohnt ist, dass mündliche Zusagen gerade beim Film nicht unbedingt auch gehalten werden, können solche Vereinbarungen in den USA, mithilfe der allgegenwärtigen Anwälte, in millionenschwere Entschädigungssummen verwandelt werden. Bekommen die Schauspieler wenige Tage vor Drehbeginn kalte Füße und sagen den Dreh ab, so kann das auch bei uns sehr schmerzliche Konsequenzen haben. Auch wenn eine Produktion erst kurz vor Drehbeginn eingesteht, dass eine empfindliche Finanzierungslücke klafft und der Dreh nicht zustande kommt, bleiben viele Geschädigte zurück. TaschengeldKim Basinger etwa musste einen Rückzieher aus einer mündlichen Vereinbarung mit Main Line Pictures mit 3,8 Millionen Dollar bezahlen. Umgekehrt verklagte Jodie Foster PolyGram auf 54,5 Millionen Dollar Schadensersatz, weil eine ihr zugesagte Hauptrolle in „The Game“ anderweitig besetzt wurde. Liegt ein schriftlicher Vertrag vor, in dem Abfindungen oder Entschädigungen vereinbart sind, kann man sich darauf berufen; gab es nur einen Handschlag, wird es schwierig. Denn dann hat der Geschädigte dem Schädiger nachzuweisen, dass es diese mündliche Vereinbarung gegeben hat. Auch bei uns gibt es immer wieder Auseinandersetzungen vor den Arbeitsgerichten, doch die Entschädigungssummen sind deutlich niedriger. Abgesehen davon herrscht auch bei vielen Filmbeschäftigten die Angst, wenn sie gegen eine größere Institution (TV-Sender, Produktionsriese etc.) aufbegehren, bekommen sie bei dieser und den assoziierten Unternehmen nie wieder einen Job. Die Abhängigkeiten sind da recht klar vorgezeichnet. Popularität kann da schon deutlich die Bereitschaft stärken, im Zeifelsfall auch gerichtlich gegen größere Firmen vorzugehen. Beweise beweisenEs genügt nicht, sich auf eine mündliche Abrede oder Nebenabrede (Zusatz zu einem schriftlichen Vertrag) zu berufen. Wird diese Darstellung von der Gegenseite zurückgewiesen, und kann der/die Geschädigte keine Zeugen beibringen oder diese mündliche Absprache anderweitig beweisen, kann man nach den gesetzlichen Regeln der Beweislast seine Ansprüche nicht belegen. Wer nämlich im Zweifelsfall eine gerichtliche Entscheidung zu seinen Gunsten erzielen will, muss alle relevanten Absprachen beweisen. Sind nicht alle für ein Urteil notwendigen Umstände abzuklären, geht dies zu Lasten des Beweispflichtigen.
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