Wenn Sie in den Vereinigten Staaten drehen wollen, so gelten völlig
andere Spielregeln als hier bei uns. Sie sollten die wichtigsten kennen, denn
nichts darüber zu wissen kann das rasche Aus für Ihr Projekt bedeuten. Und
sie sollten Ihren Dreh noch gründlicher als gewohnt vorbereiten, damit Sie
die Widrigkeiten mit den sehr starken Gewerkschaften und der nicht ganz
überschaubaren Bürokratie meistern.
Sie brauchen Bürgschaften, Sicherheiten. Die Screen Actors Guild (SAG)
verlangt eine Absicherung der Darsteller-Gagen. Sie müssen vorab den
Betrag der Gagen als Sicherheit bei der SAG hinterlegen. Wenn die
Dreharbeiten vorüber sind, und alle Darsteller bezahlt worden sind,
erhalten Sie die Sicherheiten zurück. Sie müssen diesen Betrag unbedingt
in Ihre Cash-Flow-Planung mit einbeziehen.
Probleme bereitet zusätzlich, dass die SAG von Independent-Produktionen
verlangt, dass ein Teil der Sicherheiten für mögliche kommende
Forderungen zurückgehalten wird (continuing bond
requiry). Manchmal gelingt es, durch Verhandlungen diese zu umgehen.
Falls Sie bereits einen US-Verleiher haben, dann wird von diesem eine
Sicherheit für in den Staaten offen bleibende Rechnungen/Forderungen
verlangt. Produzenten kalkulieren eine so genannte Allowance for foreign
residuals in ihr Budget ein, die etwa 5 % des Budgets ausmacht. Dies
verteuert den Film selbstverständlich.
Ausländische Produzenten müssen, wenn sie in den USA drehen, eine
US-Firma gründen, eine Incorporated Company. In Kalifornien kostet dies
etwa 2000 $. Mit solch einer Firma kann man überall in den USA
drehen. Damit man mit dem amerikanischen Steuersystem keine zu großen
Probleme bekommt (sämtliche weltweiten Einnahmen in den Staaten versteuern
etc.), sollten alle Rechte bei der Heimatfirma liegen, und die in den USA
gegründete sollte nur als Dienstleister in Erscheinung treten (production-service
agreement with the foreign company).
Es gibt natürlich auch die Beispiele, in denen Independent-Produktionen
den strengen Augen der Gewerkschaften entgingen. Wenn das Budget (für
amerikanische Verhältnisse) sehr klein ist (unter 4-5 Millionen
US-Dollar), dann kann dies gelingen. Etwa indem man mit Schauspielern
arbeitet, die selbst nicht Mitglied in der Gewerkschaft sind. Aber es
kann passieren, dass man auch dann noch Jahre nach Fertigstellung des
Filmes mit Forderungen von Seiten der SAG überzogen wird.
Man benötigt in jedem Fall mehr Geld, wenn man in den Staaten
produzieren will. Viel mehr Geld. Und einen guten ausführenden Produzent (line
producer), der die Gegebenheiten vor Ort kennt und den Dreh
zuverlässig abwickeln kann.
Wer den Drehorten vieler großer Spielfilme nachspüren möchte, kann sich
übrigens einen besonderen Stadtplan
von New York besorgen, der Locations mit kurzer Beschreibung der Szenen
und Einstellungen auflistet. Auch wenn New York seit den feigen
Terroranschlägen nicht mehr die Stadt ist, die sie einmal war, bleibt sie
einer der wichtigsten Drehorte an der Ostküste.