Das Kölner Filmplus Festival für Filmschnitt und Montagekunst prämiert vom 13. bis 16. Oktober 2017 bereits zum siebzehnten Mal herausragende Montagearbeit. Während im Oktober um die Auszeichnungen für beste Schnittleistungen in den Kategorien Spiel-, Dokumentar- und Kurzfilm gerungen wird, zeichnet das Festival Inge Schneider mit dem Ehrenpreis Schnitt aus. Am Gastlandabend steht heuer Schweden im Fokus.

 

Der Themenschwerpunkt heißt in diesem Jahr "Kommunikationslabor Schneideraum". Konflikte zwischen Produzenten, Regisseuren und Editoren sind häufig, denn oft haben alle unterschiedliche Vorstellungen vom fertigen Film. Diese Konflikte können aber nicht nur überwunden, sondern eventuell sogar genutzt werden. Dieses Thema wird in drei Panels am Wochenende behandelt.

 

Bereits eine Tradition

Zum ersten Mal fand das Filmplus Festival 2001 statt. Damals gab es als einzige Preiskategorie den Schnittpreis Spielfilm, der bereits zwei Jahre vorher vom Kölner Filmmagazin Schnitt ins Leben gerufen und ab 2001 in das Festival eingebettet wurde. 2004 wurde erstmals ein Dokumentarfilm mit einem eigenen Preis ausgezeichnet. Beide Wettbewerbe sind seit 2013 auch für österreichische Produktionen geöffnet. Mit dem Förderpreis Schnitt wurde im Jahr 2005 bereits die nächste Kategorie ins Leben gerufen. Dieser Preis wird an junge Nachwuchseditoren für die Montage eines Kurzfilms vergeben. Auch diese Kategorie ist seit 2011 für Österreich und die Schweiz geöffnet.

 

2008 trat mit dem Ehrenpreis Schnitt, der im Rahmen einer Hommage vergeben wird, die letzte Kategorie ins Leben. Dieser Preis wird für das Lebenswerk eines Editoren vergeben. Dieses Jahr ist die Preisträgerin Inge Schneider, die bereits zwei Mal den Dokumentarpreis gewann und das Festival am Freitagabend mit ihrem Film „Die Spielwütigen“ eröffnet.

 

Neben den Preisverleihungen findet jedoch noch eine Reihe weiterer Panels statt. Zum einen gibt es den Gastlandabend, bei dem nach Frankreich, Polen, Dänemark, Belgien und den Niederlanden in diesem Jahr der schwedische Editorenverband mit Fredrik Morheden zu Gast. Sein Film „Ein Mann namens Ove“ gehört zu den kommerziell erfolgreichsten Filmen aller Zeiten in Schweden.

 

Brisante Montagen

Beim internationalen Abend steht dieses Jahr die Montage von politisch brisantem Material im Mittelpunkt. In Zeiten von „Fake News“ wird es immer schwieriger, die richtigen Informationen herauszufiltern, um wahrheitsgemäß über eine Sache berichten zu können. Drei europäische Editoren sind deswegen zu einer Diskussion um das Thema geladen, bei der auch einige Filmausschnitte gezeigt werden, etwa aus Citizenfour.

 

Zusammen mit dem Filmfest doxs! wird auch dieses Jahr wieder „Schüler auf Montage“ veranstaltet. Dabei werden zwei Filme für verschiedene Alterklassen gezeigt. Im Anschluss findet ein Filmgespräch im Kino statt. Das Programm ist für die Schulen kostenlos.

 

Nach einer Pause im letzten Jahr wird dieses Jahr auch das „Match Cut – Meet the Editor“ wieder ausgerichtet. Dabei können sich fünfzehn Editoren sowie fünfzehn Produzenten und Regisseure im Voraus registrieren lassen. Die Editoren können dann beim Event selbst mit allen Produzenten und Regisseuren jeweils drei Minuten reden – wie bei einer Art Speed Dating. So sollen Kontakte für die nächsten Arbeiten geknüpft werden. Im Anschluss besteht die Möglichkeit, die Gespräche weiterzuführen.

 

Und schließlich gibt es noch das bcft Filmton Panel, bei dem die Vertonung von Filmen diskutiert wird. Diskutiert wird der Dokumentarfilm „Taste of Cement“, bei dem eine recht ungewöhnliche Tongestaltung auffällt. Nach der Vorführung findet ein Werkstattgespräch mit dem Mischtonmeister Ansgar Frerich, dem Sounddesigner Sebastian Tesch und dem Filmeditor Alex Bakri statt, die anhand von Ausschnitten die Tongestaltung erläutern und Publikumsfragen beantworten.

 

Das Movie-College hat sich mit Kyra Scheurer sowie Dietmar Kraus (siehe unten) aus der Festivalleitung über das Filmplus Festival unterhalten.