Bei zwei Farbwerten kennen wir Menschen uns besonders gut aus, einerseits aus der Evolutionsgeschichte heraus, andererseits schlichtweg aus Gewohnheit. Das eine sind Grüntöne und das andere sind Hautfarben.

 

Leider produzieren viele Videokameras, aber auch Fotoapparate Farbverschiebungen. Das hängt mit zu geringer Farbtiefe zusammen, 8 Bit sind da einfach zu wenig, hat mit der firmeneigenen Farbabstimmung des Sensors zu tun, liegt an den verwendeten Codecs oder auch an den verwendeten und leider gar nicht so neutralen ND Filtern. Die wenigsten ND Filter sind nämlich wirklich farbneutral, obwohl sie ja, wie der Name besagt, "Neutrale Dichte" haben sollten.

 

Und dann ist da ja noch die Sache mit den Lichtquellen, insbesondere solche mit engem Farbspektrum, wie etwa LED können da zusätzliche Probleme mitbringen. Jedenfalls kommt es gar nicht selten vor dass man sich die gedrehten Filmmuster anschaut und feststellt,- die männliche Hauptfigur in der Szene ist Rot oder manchmal Grau im Gesicht, während die weibliche Hauptfigur zwischen Grün und Gelb changiert.

 

Die Hauttöne von Mitteleuropäern können ziemlich weit auseinander liegen. Nicht nur der Bräunungsgrad, auch generelle Unterschiede in der Pigmentierung der Haut können sichtbar und je nach Lichtsituation problematisch werden. Während unsere Augen viel toleranter und auch viel interpretierender mit unterschiedlichen Hauttönen umgehen, sind digitale Kameras da gnadenlos und wenig tolerant. Der gute alte analoge Film hatte da weitaus mehr zu bieten, als die digitale Kameratechnik. In der digitalen Welt fallen die Hautunterschiede deutlich mehr ins Gewicht.

 

Vorkehrungen am Set

 

Wenn man um bestimmte Farbrichtungen in den Gesichtern der Darsteller weiß, kann man zunächst mal an einer sauberen Lichtführung arbeiten. Alle Korrekturen am Set sind richtiger und führen zu besseren Ergebnissen, als wenn man hier Fehler macht und nachträglich in der Farbkorrektur aufwändig beheben muss. HMI Brenner verändern wenn sie altern, ihre Farbtemperatur. Deshalb solte man sie mit einem Colormeter ausmessen und ggf. mit Filterfolien auskorrigieren.

 

Dabei spielen häufig auch die Wandfarben eine kritische Rolle, welche das neutrale, saubere Tageslicht (Daylight) oder Kunstlicht (Tungsten) durch Reflektionen gehörig mit Farbstichen anreichern. Hier kann man durch entsprechende Maßnahmen wie "Negative Fill", also Abdeckfahnen, dagegen steuern.

 

Auch wenn Mancher das Gegenteil behauptet,- es geht nichts über einen sauberen Weißabgleich am Filmset direkt. Gerade wenn man geringe Farbtiefe (8Bit) hat und nicht RAW dreht, sind die Möglichkeiten der nachträglichen Beeinflussung von Farbtönen recht begrenzt.

 

Außerdem kann man das Maskenbild bitten, dabei zu helfen, dagegen zu steuern. Gesichter und Hände, die grünlich wirken, kann man durch leicht rosa bzw. lachsfarbene Puder neutralisieren. Umgekehrt kann man eher rötliche Gesichter mit leicht grünlich, gelblichem Puder neutral schminken. Hierfür braucht es aber auf Seiten der Maskenbildner-innen Einiges an Erfahrung, um die richtigen Nuancen zu treffen und keine neuen Farbstiche zu produzieren.

 

Letzte Chance in der Post

Es sind der rote und der grüne Kanal, welche die Hauttöne am stärksten beeinflussen

 

Die häufigste Methode, heutzutage mit derartigen Problemen umzugehen, ist die Farbkorrektur. Bevor man allerdings daran geht, Hauttöne in den einzelnen Einstellungen zu korrigieren, muss man erst einmal generell seinen Gesamtlook, den der ganze Film haben soll, festlegen. Erst wenn das getan ist, wenn also eine Einstellung perfekt auskorrigiert ist, kann man sich im Einzelnen den Hauttönen zuwenden.

 

In "DaVinci" etwa kann man über den Farbwähler im Menü Farbton vs. Farbton Hauttöne isoliert verändern. Das ist nur ein schwaches Instrument, falls man damit einen verschobenen Hautton nicht ausreichend korrigieren kann, wählt man die Registerkarte Farbton vs. Sättigung. Hier ist es möglich, die Sättigung nur in diesem speziellen Hauttonbereich, den man anwählt, herauszunehmen, während die Sättigung im gesamten übrigen Bild erhalten bleibt.

 

Meistens ist es der Rot-Kanal, der die Hauttöne stark beeinflusst. Wenn man hier also die Kurve im roten Kanal auswählt und vorsichtig in Richtung Grün oder evtl. auch Magenta verschiebt, könnten die schlimmsten Probleme bereits behoben sein. Sollten in anderen Bildteilen, in denen keine Haut vorkommt, zu starke Veränderungen auftreten, kann man auch Masken anlegen und tracken, sodass die Farbveränderung nur die Gesichter bzw. Hauttöne betrifft.

 

Auch ohne Farbstich sinnvolle Verbesserung

Selbst wenn es gar nicht zu den gefürchteten Farbverschiebungen kommt: Generell ist es vorteilhaft, wenn man die Sättigung aus den Hautfarben etwas zurücknimmt. Das schmeichelt den Gesichtern mehr und die Personen kommen angenehmer rüber.