Die jüngsten Verschärfungen der Werberegeln bei Youtube sind Antworten auf Probleme, die auch von seinen Blogger-Stars verursacht wurden. Es sind nicht nur die alltäglichen Uploads irgendwelcher Videofilmer, die YouTube & Co wegen strengerer Haftungsvorschriften nicht zuletzt in Europa, in Schwierigkeiten bringen.

 

Auch einige ihrer größten Blogger-Stars, die monatlich Millionen an Werbeeinnahmen durch den Kanal generieren, haben mit einigen ihrer Filme der Videoplattform große Probleme bereitet. Mit unangemessenen, gesellschaftlich unakzeptablen, manchmal gar menschenverachtenden Beiträgen haben sich einige erfolgsverwöhnte Blogger massiv ins Abseits geschossen. Während die überwältigende Mehrheit an Videobloggern so gut wie nichts verdient, gibt es ein paar Ausnahmen weltweit, die gut davon leben können. Manchen steigt der Erfolg offensichtlich zu Kopfe und sie posten unangemessene Videos.

 

Völlig daneben

PewDiePie etwa, mit rassistischen Äußerungen oder etwa Logan Paul, der glaubte, seinen Video-Besuch in einem japanischen Wald, der "Aokigahara, - Selbstmord-Wald" genannt wird, mit der Aufnahme eines dort gefundenen toten Menschen illustrieren zu müssen. Der Vorfall führte dazu, dass YouTube seine Geschäftsbeziehungen zu Paul drastisch zurückgefahren hat und strengere Regeln initiiert hat, wie Videos künftig überhaupt in den Genuss durch Werbung finanzierter Gewinne gelangen können.

 

Es ist nicht überraschend, dass solche Konzerne genau dann reagieren, wenn ihre Einnahmen bedroht werden. Werbekunden, die ihre Budgets zurückziehen, weil sie nicht möchten, dass ihre Werbeclips vor dem Video mit einem Selbsttötungsopfer geschaltet werden, haben offensichtlich den stärksten Effekt, wenn es um die Kontrolle unangemessener Inhalte geht. 2017 haben beispielsweise die US Unternehmen AT&T sowie Verizon Werbeschaltungen aufgekündigt, nachdem diese vor Videos gelaufen sind, die in Zusammenhang mit Terrorismus und Hass standen.

 

Formeln versagen als moralische Instanz

So hat Youtube in seinen neuen Regelungen festgelegt, dass Videoclips, die zu Googles "Preferred" Programm gehören, also auf prominent besetzte Blogging Kanäle hochgeladen werden, künftig individuell überprüft werden. Interessanterweise wird diese Überprüfung künftig von Menschen vorgenommen, die nun eigens eingestellt wurden.

 

Offensichtlich traut man Artificial Intelligence Systemen dann doch noch nicht zu, da eigenständige Entscheidungen zu treffen. Ähnliche Erkenntnisse haben andere Big Player des Internets, wie Facebook oder Twitter bei ihrem Kampf gegen Bots und Trolle auch machen müssen, die moralische Kontrolle von geposteten Inhalten können Algorithmen nicht übernehmen.

 

Während etwa in Deutschland alle klassischen Medienprodukte von "Sendern" bzw. Verlagen sowohl durch die Rundfunkräte, die Landesanstalten für Medien als auch durch den Presserat überwacht werden können, sind Online-Kanäle wie Youtube bisher weitgehend Wilder Westen.

 

Cash Cow

Trotz aller moralischer Entrüstung muss man sich um Logan Paul keine Sorgen machen, sein erfolgreicher "VLogs" Kanal bleibt weiterhin online, schließlich möchte YouTube trotzdem weiter an ihm mitverdienen. Man hat lediglich die Verbindungen zu Google Preferred (Google ist das Mutterunternehmen, dem Youtube gehört) gekappt.

 

Er wird nun etwas weniger verdienen, als bisher, bei einem zweistelligen Millionenbetrag im Jahr, wird er das wohl gut verschmerzen können.