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Film und Fernsehen

Das Fernsehen ist in seiner heutigen Form neben Print-Erzeugnissen das wohl bedeutendste Massenmedium unserer Gesellschaft. Was man aber häufig vergisst: Die heutige Ausprägung ist noch relativ jung.

Rückblick

Als Erfinder der Technik „Fernsehen“ gilt gemeinhin Paul Nipkow, der 1884 ein Patent für elektrische Bildübertragung erhielt. Damit ist die Technik etwa genauso alt wie der Film. Doch als Massenmedium konnte der Fernseher sich erst lange zeit später etablieren. Zum einen weil die Nipkow-Technik zunächst nur magere Ergebnisse (24, später 48 Bildzeilen) bescherte, zum anderen weil es die finanziellen Situation der Massen nicht zuließ, vielen Menschen Zugang zur Technik zu verschaffen.

Die Entwicklung des zunächst nur visuellen Mediums Film beschränkte sich damit gut 50 Jahre lang auf das Kino, aber natürlich nicht nur auf Kinofilme. Da das Kino bis zum dritten Reich das einzige verbreitete Medium „mit bewegten Bildern“ war, entstanden hier sowohl fiktionale als auch nicht-fiktionale Werke aller Genres.

Im dritten Reich und zeitgleich auch in Amerika und anderen Ländern wurde das Fernsehen technisch weiterentwickelt. Zu den Olympischen Spielen 1936 in Berlin konnten 441 Bildzeilen (PAL hat 576 Zeilen) bei 25 Bildern pro Sekunde übermittelt werden. Das Publikum stellten die Fernsehstuben, aber an terrestrische Funkausstrahlung war noch nicht zu denken und die Kosten für Fernseher überstiegen die finanziellen Möglichkeiten der meisten Privatleute. Folglich hielt sich die Zahl des Massenpublikums mit etwa 5.000 Personen zu Spitzenzeiten in Grenzen.

Ein weiteres technisches Problem war, dass bis dato nur live gesendet werden konnte. Eine Möglichkeit, das gefilmte Material magnetisch zu speichern, gab es nicht. Die einzigen Aufnahmen, die ihre Ausstrahlung überdauerten und zum Teil heute noch erhalten sind, entstammen Filmkameras spezieller Übertragungswagen, die den Film in kürzester Zeit entwickelten und für die Fernsehübertragung abtasteten.

Durchbruch

Der 2. Weltkrieg verhindert schließlich die Serienproduktion eines Volksempfängers. Nach dem Krieg feiert das Fernsehen 1950/51 mit der Gründung der ARD in Deutschland seinen Durchbruch. 1963 kommt das ZDF als zweiter öffentlich-rechtlicher Sender hinzu. Entsprechend der rasanten Verbreitung des Fernsehens verliert das Kino seine frühere Bedeutung als Unterhaltungs- und Informationsmedium.

1984 verlieren schließlich die öffentlich-rechtlichen Sender ihr Monopol. RTL sendet über die Kabelnetze, gefolgt von Sat 1 1985. Eigentlich noch gar nicht so lange her...

Auch wenn sich die optische Erscheinung verändert hat und gerade in letzter Zeit „ständig neue Formate erfunden“ werden – das Programm hat sich seit den Anfängen der ARD nicht wesentlich verändert. Bereits in deren ersten Jahren gab es nämlich Nachrichten, Sport, Magazine, Talkshows, Rateshows, Kabarett, Filme und Fernsehspiele – nur die Namen der Formate lauteten anders. Selbst Eduard Zimmermanns Aktenzeichen XY hatte mit einer Fahndungssendung in der ARD bereits einen Vorgänger.

Live-Übertragungen von Gerichtsverhandlungen waren damals noch nicht so beliebt wie heute, aber wenn ausnahmsweise aus einem Gericht berichtet werden durfte, war die Verhandlung dafür echt. Die größten Veränderungen, die der private Rundfunk mit sich brachte, ist der Kampf um Einschaltquoten und damit die Anpassung des Tagesprogramms an den Zuschauer – ganz gleich ob er das will oder nicht.

Ausblick

Heute leben wir im 21. Jahrhundert und damit bereits in der Zukunft vieler alter Science-Fiction-Abenteuer. Wir stehen gerade an einer Schwelle, in der sich die Struktur des Fernsehens in eine globale und für (beinahe) alle Formen der Kommunikation offene Struktur der Datenübertragung und damit der Kommunikation einfügt, das Datennetz welches wir als Internet kennen.

Auf alle Fälle dürfen wir gespannt sein, welche Veränderungen uns in den nächsten Jahren erwarten, egal ob es um Pay-TV, Video on Demand, das individuelle Fernsehen, interaktive Möglichkeiten oder das Kino geht. Vielleicht wird das inzwischen audiovisuelle Medium des Filmes noch um die eine oder andere Form der Sinneswahrnehmung bereichert – das Geruchskino war nicht gerade ein durchschlagender Erfolg, aber Pilotversuche für die Übertragung haptischer (fühlbarer) Reize versprechen, dass auch die Zukunft des Fernsehens – oder wie immer es dann heißen mag – interessant bleibt. Inwieweit die Inhalte davon profitieren werden, steht freilich auf einem anderen Blatt.

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