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Handyfilmer

Mit den winzigen Handykameras haben Millionen von Menschen Videokameras ständig dabei. Mit ihnen lassen sich veritable Kurzfilme drehen.  

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Hintergrund 

Filmen auf mobilen Geräten wurde Anfang des neuen Jahrhunderts eine große mediale Zukunft verheißen.

Telefonunternehmen haben Milliardenbeträge ausgegeben, um mit UMTS neue Anwendungsgebiete für mobile Telefone oder auch Handys genannt, zu schaffen. Handys heißen diese Geräte übrigens nur in Deutschland, in anderen Ländern heißen sie Mobile oder Cellphone. Heute hat sich etwas Skepsis breit gemacht. 

Zwar verkünden die vorzugsweise von Telefonunternehmen in Auftrag gegebenen Studien unverdrossen, dass Anwender gerne zukünftig für mobile Filme etwa 10 bis 15 Euro monatlich ausgeben würden, tatsächlich aber hat jeder dritte bisherige Mobile-Content Kunde seinen Vertrag wieder gekündigt. 

Ganz gleich ob es sich um MMS-Video, GPRS-Videodownload oder Streaming-Video handelt- die mobilen Angebote sind bisher als Geschäftsmodel zu unattraktiv. Oder anders ausgedrückt- deutsche Handybenutzer verwenden ihre Geräte fast ausschließlich zum telefonieren, für SMS und für Fotos. Radio nutzen nur 16% der Kunden, Internet nur 13 %. 

Es waren und sind noch immer die Telefongesellschaften und die Gerätehersteller, die das Thema Handyfilme ganz besonders vorangetrieben haben. Nokia, Sony usw. schreiben ebenso wie O2 oder Vodafone Wettbewerbe aus und loben als Preise vorzugsweise ihre eigenen Produkte aus.

Kultur 

Handys haben ohne Zweifel unseren Umgang mit den Dingen verändert. Man denke nur an die "Daumenkultur" an das "Simsen", das besonders unter Frauen und Jugendlichen sehr verbreitet ist, und das, obwohl inzwischen Telefonate am Handy oft billiger sind als diese kurzen Nachrichten. Aber irgendwie ist die sms wohl diskreter, sie stört nicht, man kann sie beantworten, wenn man Zeit hat. Oder sie ist auch eine Beschäftigung, wenn man auf die U-Bahn wartet, oder sich langweilt. Vom Erfolg der SMS, eigentlich einem Abfallprodukt der Handytechnologie waren die Anbieter selbst überrascht.

Sicher hat dies dazu beigetragen, die Fantasien, was sonst noch so gewinnbringend mit Handys anzustellen ist, zu beleben. Allen voran die Idee vom Handy-Fernsehen. Während die von teuren Wandlern auf Briefmarkengröße zusammengedampften Fußballübertragungen, TV-Serien und Comics, die man gegen Gebühr empfangen kann, auf wenig Gegenliebe bei den Kunden stoßen, entwickeln sich die selbstproduzierten Handyfilme, die man über viele Plattformen kostenlos vertreiben und beziehen kann, langsam zu einer eigenständigen Form. 

Vor allem Jugendliche, aber auch Kunst- und Filmstudenten erproben die neue Form und versuchen die ästhetischen Möglichkeiten zu erkunden. Nicht nur die Industrie hofft, dass bestimmte Handyfilme früher oder später ebenso zum "must have" werden, wie einst die Klingeltöne.

Über Qualität lässt sich wie so oft, streiten, dass Handys auch gerne für Aufnahmen peinlicher, missglückter oder schriller Momente verwendet werden, belegen die einschlägigen Seiten im Internet auf drastische Weise. Worüber an dieser Stelle gesprochen wird, sind gestaltete Handyfilme mit dem einem Anspruch an das Medium.

Technische Gegebenheiten 

Handyfilme

Per USB-Kabel oder drahtlos über Bluetooth gelangen die Filme zur Bearbeitung auf den Computer  

Während die Fernseh- und Videowelt sich bemüht, mit High Definition in immer höhere Zeilen- und Pixelauflösungen vorzustoßen, nehmen sich die Displays und Formate der Handyfilme mehr als bescheiden aus. 

Und auch der Ton geht über kieksige Stimmchen aus dem Winzlautsprecher nicht sehr weit hinaus. Die Möglichkeiten bedeuten also zunächst einmal eine radikale Reduzierung. 

Die von der Industrie herbei geträumte Zweitverwertung etwa von ganz normalen Videos für Handyzwecke, macht keinen Sinn. Man muss speziell für den kleinen, in vielen Fällen gar im Hochformat genutzten Bildschirm produzieren.

Auch wenn man mit den meisten Handys drehen kann bis die Speicherkarten voll sind, haben sich übliche Längen von 60, 90 oder 120 Sekunden inzwischen etabliert.

Weiterverarbeitung

Am komfortabelsten schneidet man seinen Film am Computer. Hochleistungs-Handys bieten zwar ebenfalls einfache Schnittmöglichkeiten an, doch die sind nicht sehr komfortabel.

Der Computer ist deshalb die bessere Plattform für die Bearbeitung. Dorthin gelangen die Filmdateien entweder per USB Kabel und dem Datenprogramm, welches der Handyhersteller mitliefert, oder drahtlos per Bluetooth. 

Die bekannten Schnittprogramme sind nicht alle in der Lage, das Format der im Handy aufgenommenen Filme (3gp) zu erkennen. In diesem Fall müsste es vor dem Schnitt konvertiert werden.

Schnittprogramme und Formate

Die meisten aktuellen Handys zeichnen Video in 640 x 480 Pixeln auf. Videoschnittprogramme kennen dieses Format oft nicht und rechnen es um auf das übliche DV (PAL) Format. Das verändert die Höhen-Seitenverhältnisse und ist ungünstig. 

Professionelle Programme wie FinalCut oder Premiere können auch mit 640X480 Pixeln umgehen und bieten deshalb, weil sie die Formatwandlung vermeiden, die bessere Bildqualität. 

Zumeist haben Handyfilme auch eine geringere Bildfrequenz, 15 oder 30 Bilder in der Sekunde sind häufig anzutreffen. Nach dem Schnitt muss der fertige Film wieder in ein Handy-Format gewandelt werden. 

Hier sind folgende Formate (3gp) verbreitet: 

  • 320 x 240 Pixel (4:3) als MPEG 4 
  • 176×144 Pixel (11 : 9) als 3gp 
  • 128 x 96 Pixel (4 : 3) als 3gp 

Der Realplayer und auch der Quicktime Player kann 3gp-Dateien am Computer abspielen.

Gestalterische Prinzipien 

Bild 

  • Die Bildgröße verbietet einige Dinge, die man von normalen Videos gewohnt ist. Landschaftsaufnahmen verkümmern zu diffusen Farbflächen. 
  • Zu schnelle Bewegungen und Bildwechsel werden nicht adäquat wiedergegeben. 
  • Auch wenn das kleine, handliche Handy zu Spontanität verleitet,- auch Handyfilme brauchen ein Konzept. 
  • Auch bei Handyfilmen gilt es, die verschiedenen Einstellungsgrößen sinnvoll zu variieren.
  • Je nach Lichtart muss die Handykamera neu abgeglichen werden (Weissabgleich). Grob unterscheidet man Tageslicht und Kunstlicht. 
  • Wie bei großen Filmen gilt auch hier: Die Handykamera ruhig halten, nicht verwackeln. Alles ist erlaubt,- schwenken, kranartige Bewegungen, aber eben ruhig. Teleeinstellungen vergrößern das Wackeln. Weitwinkel sieht ruhiger aus. 
  • Handykameras können keine großen Kontraste verarbeiten, weiches Licht ist besser als hartes Sonnenlicht. Auf den kleinen Handydisplays kann man kleine Schriften nicht lesen. 
  • Titel sollten also in großen Schriftgrößen erstellt werden. Die winzigen Kamerachips erzeugen eine sehr große Schärfentiefe. Mann muss also Personen oder Objekte eher durch den Bildaufbau als durch Unschärfen herausarbeiten. (Staffelung der Bildinhalte in den Raum)

Ton 

  • Handymikrofone haben keine Richtwirkung. Sie nehmen alles auf, auch die Geräusche der Hand, die das Handy hält. Also das Handy ruhig halten. Sie nehmen auch jedes Hintergrundgeräusch auf, also nicht in lauter Umgebung drehen. 
  • Sie sind empfindlich gegen Wind, draußen nur an windstillen Tagen drehen. 
  • Will man Geräusche oder Stimmen im Film aufnehmen, eignen sich ruhige Innenräume am Besten.

Inhaltliche Prinzipien 

  • Handyfilme

    Mit FinalCut oder Premiere kann man Handyfilme professionell bearbeiten  

    Die kurze Zeitdauer verbietet praktisch tiefgründige Charakterstudien. Figuren in Spielszenen sollten sofort klar erfassbar sein. Das ruft geradezu nach Schubladendenken, nach einfachen Zeichen, nach Klischees. Da dürfen auch ruhig Comics oder Filmgenres als Vorbild dienen. Bösewichtern muss mal gleich ansehen, das sie böse sind. Auch die Story selbst muss einfach sein. 
  • Für lange Dramaturgien fehlt zwar die Zeit, aber eine Einleitung und einen Höhepunkt, der gerne auch ein Gag sein darf, erwartet man schon. 
  • Bei 60 bis 90 Sekunden sind Dialoge zu große Zeitfresser. Hier ist Bildsprache angesagt. Hier gibt es die gleichen Einstellungsgrößen wie beim richtigen Film, die sich an der Darstellung der Filmfiguren orientieren.

Gefahren 

Handyfilmer scheren sich wenig um Persönlichkeitsrechte. So haben sich Szenen in denen Mitschüler gedemütigt, gequält, vergewaltigt wurden per Handy verbreitet. Hier sollten moralische und rechtliche Grenzen gesetzt sein. Auf die Einhaltung von Urheber- und Nutzungsrechten z.B. bei Verwendung von Musik sollte bei der Veröffentlichung von Handyfilmen genau wie bei jedem anderen Film geachtet werden.

Mobile Filme sind schnell irgendwo im Internet hochgeladen und können so zum digitalen Pranger werden. Menschen in peinlichen, in tragischen oder erniedrigenden Situationen zu filmen sollte nicht Hauptinhalt dieser Medienvariante werden. Durchforstet man das Netz nach Handyfilmen, ist der Anteil an "Pech und Pannen"- Filmen erschreckend hoch. 

Gefährlich auch die Möglichkeiten, welche den Telefongesellschaften an die Hand gegeben werden. Das Versenden von MMS kann sehr schnell zu völlig unüberschaubaren Telefonrechnungen führen. Also vor dem nächsten Versenden von Filmen per Handy, erst die Gebührentabelle studieren...

 
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