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Nicole Ansari in „Franta“

Ein Frage der Ehre

Für viele ist es zur Gewissensfrage geworden: Hat das klassische Weltbild weiterhin Bestand oder werden die analogen Werte von digitalen Datenströmen überholt? Video soll die Zukunft des Kinos werden, sagen die einen, Film wird noch lange die Nase vorn haben, wenn es um Qualität und Ausdruck geht, sagen die anderen.

Die teilweise sehr hitzigen Diskussionen ranken sich einerseits um technische, andererseits um ästhetische Aspekte der beiden unterschiedlichen Verfahren Film und 24p (HDTV). Auch wenn wir dabei Gefahr laufen, in ein Wespennest zu stechen, so wollen wir versuchen, die wichtigsten Aspekte ein wenig zu entwirren und zu erläutern. Welches Format sich schließlich durchsetzt, werden nicht nur die technischen Werte und Fortschritte bestimmen, sondern vor allem die Wirtschaft.

Grundsätzlich geht es um analoge optische und digitale magnetische oder optische (DVD, CD, MO-Laufwerke, Server) Bildaufzeichnung. Es geht um unterschiedliche Verfahren, ihre Berührungen, Überschneidungen und Gegensätze. Es geht um die Aufnahmeseite und um die Abspielseite.

24p

Auch wenn die Promoter es gerne anders darstellen möchten, 24p ist vornehmlich für künftige HDTV-Fernsehsysteme entwickelt und soll den einfachen internationalen Programmaustausch sicherstellen. Aber im Zusammenhang mit dem Transfer auf Filmmaterial wird es auch für klassische Kinos interessant. Schon früher wurden Videos auf Film gefazt. Bisher traten beim Transfer von Video auf Film aber deutliche Artefakte auf, die vor allem mit der Halbbildaufzeichnung zusammenhingen. Bei der Vollbildaufzeichnung entfallen derartige Probleme.

24p speichert, so wie der Film, 24 komplette Bilder pro Sekunde (fps, frames per second). Die Aufzeichnung erfolgt mit einer Auflösung von 1920 x 1080 Pixel, das liegt minimal unter der durchschnittlichen Super 16-Filmauflösung  von 2 K. Auch wenn der Name es nicht vermuten lässt: Die Bildrate lässt sich auch auf 25 und 30 Vollbilder (sowie auf Halbbildraten von 50i und 60i) einstellen, womit das System auch für Länder mit 60 Hz-Stromnetz wie die USA problemlos als HDTV-Träger einsetzbar ist.

Technisch gesehen unterstützen die Kameras die verschiedenen Vollbild-Raten (Segmented Frame Mode) und Halbbild-Raten (Interlaced Mode) aufzeichnen. Nach einer Aufzeichnung im 4:4:1 Farbformat erfolgt eine Datenkompression danach wird mit 185 Mb/s auf 1/2 Zoll-Magnetband aufgezeichnet. Die Bandlänge einer HDCAM-Kassette beträgt 55 Minuten bei 24 B/s. Die Standard-Belichtungszeit entspricht mit 1/48 Sekunde der von Filmkameras.

35 mm – der Klassiker

Momentan bietet das 35 mm-Filmmaterial eine Auflösung von ca. 5 bis 6 K und einen bisher von anderen Kamera-Aufzeichnungssystemen nicht erreichten Farb- und Kontrastumfang. Was den internationalen Programmaustausch angeht, so ist der Film noch immer absoluter Spitzenreiter, ebenso in den Disziplinen Haltbarkeit und Kompatibilität.

Auf der ganzen Welt werden im Kino 35 mm-Kopien gezeigt, und das zum Teil auf sehr alten Projektoren. Müssten die Kinobetreiber – ähnlich wie die Video-Produktionen – alle paar Jahre neue Gerätegenerationen nachkaufen, wäre  ihr Überleben noch unsicherer.

Auch die Ausgereiftheit der Kameras, die über viele Generationen durch viel Dreherfahrung immer weiter optimiert wurden, ist unübertroffen. Sie liegen einfach besser in der Hand, auf der Schulter, auf dem Stativ. Filmkameras sind Arbeitstiere, stabil und zuverlässig. Im Gegensatz zu Videokameras haben sie weniger Probleme mit Feuchtigkeit, Kälte und Wärme. High-Speed-Aufnahmen bis zu Geschwindigkeiten von 4.000 fps sind bisher nur mit Film realisierbar. Für Video ein Unding!

Unterschiedliche Bilderwiedergabe

 

 

 

Wenn man die analoge Filmprojektion und die digitale Projektion einmal sprichwörtlich aus der Nähe betrachtet, und ganz dicht an eine 10 bis 12 Meter breite Leinwand herantritt, erkennt man rasch die Unterschiede in der Bilderzeugung.

Beim Film stellen benachbarte Silberteilchen (das Filmkorn), die bei jedem Filmbild ein wenig anders aussehen und etwas anders positioniert sind, jeweils die kleinste Auflösung der Bildinformation dar. Aus der Nähe sieht es aus, als würden sie tanzen, auch wenn sich das Bild an dieser Stelle gar nicht verändert.

Beim Videobild haben wir es mit rechteckigen Farbquadraten zu tun, die jeweils stets an der gleichen Stelle sind, und sich nur dann von ihrem Farb-, und Helligkeitswert her ändern, wenn die Bildinformation sich ändert. Steht man direkt vor der riesigen Leinwand, so hat solch ein digitales Pixel etwa einen Quadratzentimeter Größe.

Entfernt man sich wieder von der Leinwand, so kann das Auge das einzelne hüpfende Filmkorn oder das rechteckige Pixel nicht mehr erkennen. Was man aber spürt ist, dass das Filmbild mehr atmet, weniger starr, organischer ist.

 
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