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Kino ohne FilmNoch werden große, schwere Filmkartons (30kg und mehr) durch die halbe Welt verschickt, um Kinos und Festivals mit Filmkopien zu versorgen. Nach einigen Vorführungen stellen sich erste Schäden an den Kopien ein, bald ist die Perforation beschädigt, am Anfang und Ende der Akte zeigen sich Verschrammungen, fehlen gar einzelne Bilder. Die Kopie wird irgendwann unbrauchbar. In nicht allzu ferner Zukunft sollen Filmkopien durch elektronische Wiedergabe per Videoprojektor ersetzt werden. Die Filme stammen dann von optischen oder magnetischen Speichermedien oder werden per Satellit oder Internet direkt übertragen. Einsparpotential oder InvestitionsfalleKopien könnten von neuen Filmen innerhalb kürzester Zeit in aller Welt sein und die Verleiher sparen Kopierwerks,- Lager und Versandkosten ein. Der Vertrieb der digitalen Daten wird sicherlich auch eine Menge Geld verschlingen, dennoch erwarten sich die Verleiher Einsparungen. Für die Kinobetreiber sieht die Bilanz allerdings etwas anders aus: Noch sind die Kosten für die Umrüstung eines Kino extrem hoch, denn lichtstarke Video-Projektoren sind astronomisch teuer. Doch das kann sich ändern. Momentan jedenfalls sehen sich viele Kinobetreiber außer Stande, in die neue Technik zu investieren. Viele haben noch nicht einmal die Investitionen in teure THX-Tonanlagen abbezahlt. Europäische Fördereinrichtungen wie MEDIA haben im Jahre 2005 mit ihrer Initiative Europa Cinemas die digitale Projektion europäischer Dokumentarfilme gefördert. Die Anschaffung eines DLP Cinema Projektors mit 2k Auflösung konnte für geeignete Kinos mit bis zu 7500 Euros gefördert werden. VorteileSowohl die Rechteinhaber (Produzenten oder Vertriebe) als auch die Verleiher haben großes Interesse daran, präzise Kontrolle über die Anzahl und den Zeitpunkt der Vorführungen ihrer Filme zu haben. Darüber hinaus versprechen sie sich große Kosteneinsparungen, wenn keine Filmkopien mehr gezogen werden müssen. Und auch manche Filmschaffende schwärmen bereits vom angeblichen Segen der elektronischen Filmkunst. Ob diese Äußerungen auch die Wiedergabequalität berücksichtigen ist fraglich. Die Qualität der Projektion ist, selbst bei hochwertigen Geräten in der Auflösung noch weit vom 35 mm-Film entfernt. Wenn man Qualitätsmerkmale wie Farbtiefe, Kontrast und Differenzierung in Helligkeitswerten ansetzt, dann ist klassischer Film noch Klassen im Vorteil. Die Entwicklung klassischer Filmmaterialien verschiebt die Maßstäbe auch weiter nach oben. Neueste Filmmaterialien wie das Kodak 50 ASA Negativ-Material bieten eine Auflösung von 11 K. Wie so oft werden aber auch hier mit Sicherheit nicht die künstlerischen, sondern die wirtschaftlichen Argumente siegen und diese werden schon bald auf Seiten des Electronic-Cinema liegen. Genießen wir also noch ein wenig die Zeiten, in denen wir Filme noch in ihrer hochwertigen Qualität betrachten können. Ist in ein oder zwei Jahrzehnten erst das elektronische Kino etabliert, wird sich kaum einer mehr daran erinnern, wie wunderbar eine hochwertige Filmkopie in Projektion ausgesehen hat, aber es bleibt zu hoffen, dass auch die digitale Technik irgendwann erwachsen wird... Technische UmsetzungLCD-Projektorenstellen eines der möglichen Verfahren für das künftige elektronischen Kino dar. Ein transparentes LCD-Feld wird elektronisch angesteuert und erzeugt ein Bild aus verschiedenen Helligkeits- bzw. Transparenztönen.
Zur Projektion strahlt eine starke Lichtquelle durch drei LCD-Elemente nebst Farbfiltern für die drei Grundfarben (RGB, siehe Farblehre) hindurch. Mit Halbspiegeln wird aus den drei Lichtbündeln ein farbiges Bild gemacht, welches ein Projektionsobjektiv auf die Leinwand projiziert. Nachteil des LCD-Verfahrens: Die Flüssigkristalle lassen keine vollständige Schwärzung zu. Dadurch können auf der Leinwand noch keine starken Kontraste wiedergegeben werden. KostenKleinere Projektoren fürs Heimkino gibt es schon ab 1.000 Euro, ab 4.000 Euro genügen die Projektoren für kleine Tageslichtpräsentationen, aber richtig große Projektoren, die auch eine riesige Kinoleinwand erhellen können, sind im Moment mit ca. 40 bis 75.000 Euro noch sehr teuer. Die Kosten für die neue Technik pro Saal bedeuten, dass sich für den Kinobetreiber die Investition erst nach 10 bis 12 Jahren refinanzieren wird. Bei weiter rückläufigen Besucherzahlen können sich die Zeiträume sogar noch weiter verlängern. DMD – Digital Micromirror Device
Ein weiteres, momentan technisch führendes Verfahren für die Video-Großprojektion arbeitet mit unzähligen winzigen Spiegeln, die elektronisch gesteuert Licht entweder gar nicht, oder mit unterschiedlicher Intensität reflektieren. Die Lichtquelle leuchtet nicht wie bei LCD durch das Panel sondern darauf und das von den winzigen Spiegeln reflektierte Licht wird durch eine Optik auf die Leinwand geworfen. Auch hier kommt für jede Grundfarbe (RGB) wieder ein DMD-Panel zum Einsatz Dieses Verfahren hat vor allem den Vorteil, vollkommene Schwärzung zu erzielen, das Verlustlicht bei voler Reflexion ist um einiges geringer, als bei LCDs. Dadurch nähert sich (zumindest) der Kontrastumfang etwas näher an die Leistung einer Filmkopie an. Auch hier liegen die Gerätekosten bei einem Vielfachen klassischer Filmprojektoren. StandardsWeltweit konkurrieren wieder einmal diverse Standards, einige davon sind relativ beliebig gewählt, wie etwa der DCI Standard (Digital Cinema Initiatives) mit einer Datenrate von 250 Mbit pro Sekunde, ein Kompromiss zwischen verschiedenen Fraktionen, die entweder 200 Mbit oder 400 Mbit pro Sekunde favorisierten. Erleichterung im Normenwirrwarr erhofft man sich vom Kompressionsstandard JPEG 2000, der die Daten von 4k auf 2k skalieren kann. Die Digital Cinema Initiative wird weitgehend von den großen Hollywood Studios gebildet. Die Fachleute, die versuchen, vor allem durch die Marktmacht ihrer Studios einen weltweiten Standard festzulegen, kommen von Disney, FOX, MGM, Paramount, Sony Pictures, Universal und Warner Brothers. Auch wenn Hollywood ganz andere Forderungen stellt,- Kinobesitzer die auf 2k Projektoren setzen, die einen guten Farbraum darstellen können und lichtstark sind, können damit problemlos die nächsten Jahre aktuell bleiben. Unter 2k versteht man (1.920 bzw. 2.048 x 1.080 Pixel), bis zu 6-Kanalton und Bitraten von etwa 80 bis 100 MBit. Der 6-Kanalton ist notwendig um 5.1 Dolby SR technisch abbilden zu können. Die hiesigen Standards zum E-Cinema sehen im 1,3 Progressive-Bildformat projizierte 2k-Dateien mit einem Sechs-Kanal-Ton (5.1-Ton) vor. Die Übermittlung und Wiedergabe von 4k ist noch lange nicht Alltag, sondern gerade erst in den Startlöchern. Die von DCI geforderten Geräte sind erst seit kurzer Zeit lieferbar und kosten ca 20 % mehr als 2 K Systeme. (Stand 2008) Wertvolles GutEin besonders wichtiger Punkt bei der Festlegung der DCI-Standards ist dabei der Kopierschutz, das sogenannte Digital Rights Management. Nichts fürchten die Studios so sehr, als dass sich Hacker Zugang zu den Filmen in digitaler Form verschaffen könnten. Interessanterweise denken alle großen Studios gar nicht daran, ihre Millionenschweren Master einfach auf Festplatten zu speichern. Letztlich sind digitale Filme in Form von Daten nicht sicher archivierbar. Hier denkt man an Film als Archivmedium und das sogar wie zu Zeiten von Technicolor in Form von drei Farbauszügen auf Schwarzweißfilm. ZukunftsmusikEine dritte Variante an Projektoren arbeitet mit Laser. Wie beim Fernsehschirm der Elektronenstrahl, so rast der Laser mit hoher Geschwindigkeit über die Leinwand und baut das Bild auf. Im Unterschied zum Fernseher gibt es keine Phosphor-Lichtpunkte, die nachleuchten, ein großer Vorteil in Bezug auf die Kontrastverhältnisse. |
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