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Mach mir die Taschenlampe!Ganz gleich ob die Filmhelden durch jahrzehntelang verschüttete Diamantenminen gehen, nachts durch ein verfallenes Gebäude streifen oder auf Beutezug durch einen Industriekomplex stromern, damit es richtig spannend aussieht, ist absolute Dunkelheit Pflicht. In diese Dunkelheit hinein leuchten unsere Filmhelden sich ihren Weg. Dafür dienen vorzugsweise Taschenlampen, Helmlicht, Laternen, Öllampen, Kerzen oder Fackeln. Und selbstverständlich folgt die Kamera ihnen und ihren suchenden, vorsichtig ängstlichen Blicken durch das Dunkel. Nun wissen wir aus Erfahrung, dass eine Taschenlampe selten genügend Licht abwirft, um damit Filme zu belichten. Auch brennende Kerzen oder Fackeln sind erst bei größeren Mengen, hochempfindlichen Filmmaterialien (empfindlichen CCD-Chips) und lichtstarken Objektiven (High Speed) geeignet, akzeptable Ergebnisse zu ermöglichen. Die eine Kerze oder Fackel des Hauptdarstellers kann da wenig ausrichten.
Kein Licht verschleudernWie so oft beim Film werden die im Bild vorhandenen Lichtquellen, in diesem Fall Taschenlampe, Laterne oder Kerze, durch zusätzliches Filmlicht unterstützt. Dazu wird der Lichtkegel von einer vergleichbaren, stärkeren Filmlichtquelle mit ähnlicher Abstrahlcharakteristik erzeugt. Verschiedene Lichtarten erfordern unterschiedliche Lösungen:
HandarbeitWichtige Voraussetzung für das Gelingen derartiger Szenen: Absolute Dunkelheit. Das Motiv muss möglichst dunkel sein, selbst wenn man nachts dreht, müssen Streulichter etwa durch Straßenlaternen etc. durch Abhängen der Fenster mit Mollton ferngehalten werden. Mit einer dieser Lichtquellen in der Hand geht dann ein Beleuchter mit dem oder den Darstellern (außerhalb des Bildes) mit und beleuchtet entsprechend der Ausrichtung der Taschenlampe, Laterne etc. die Umgebung oder die Wände. Wie so oft bei gefilmten Nachtaufnahmen gilt auch hier: Auch wenn es noch so dunkel ist, man benötigt irgend eine Art von indirekter Beleuchtung für die Darsteller. Ein zweiter Beleuchter geht deshalb mit einem diffusen, schwachen Licht neben oder hinter der Kamera mit. Neben ihnen herzugehen, schafft mehr Kontur auf den Gesichtern, ist aber abhängig davon ob genügend Platz am Motiv vorhanden ist. Ganz nach Geschmack kann man diese Aufhellung auch etwas bläulicher auslegen. Für viele Menschen repräsentiert ein höherer Blauanteil im Licht eher Nachtsituationen. Diese zweite Lichtquelle ist dazu da, eine Aufhellung für die Darsteller zu liefern. Alternativ, falls die Reflektionen des ersten Scheinwerfers stark genug sind, könnte für die Aufhellung auch ein Reflektor genügen. Es kann dem Realismus durchaus dienen, wenn die Darsteller ab und an sogar ganz ohne Licht sind, ins Dunkel abtauchen. Kontrastverhältnis
Kostümbild und Ausstattung müssen helfen, zum Gelingen solcher Szenen beizutragen. Wände dürfen nicht weiß, Kleidung nicht hell sein! Sind die Wände dunkel (nicht schwarz!) dann hat man die beste Grundlage für eine glaubhafte Szene. Wichtig ist, dass die Aufhellung so schwach ist, dass die Filmfiguren deutlich unterbelichtet sind. Bei Film können das durchaus zwei bis drei Blenden sein. Der Lichtkegel einer Taschenlampe (erster Scheinwerfer) darf dagegen etwas überbelichtet sein. Ein bis zwei Blenden sind hier ein Richtwert um hier und da ein grelles Überstrahlen zu erzeugen. Will man Laternen- oder Kerzenlicht erzeugen, sollte das Licht gar nicht oder maximal eine Blende überbelichtet sein. Wichtig ist die richtige Wahl des Filmmaterials oder der Videokamera. Filmmaterialien, die primär für Filmabtaster und Fernsehausstrahlung optimiert sind, erschweren erfahrungsgemäß das Erzeugen von tiefem, sattem Schwarz. Die Gradation sollte also etwas steiler gewählt sein, Kinomaterialien erfüllen diese Anforderung. Im Videobereich ist es ohnehin etwas schwerer, Bildbereiche in dunkle Schatten versinken zu lassen. Hier muss man mit dem Kontrast Tests machen. Auch das Überstrahlen erlaubt geringere Überbelichtung. Die genauen Werte sind abhängig von der Konstruktionsweise und Größe der CCD-Chips sowie der Kameraelektronik. Man muss sie durch Probeaufnahmen oder direkte Kontrolle am Set im Idealfall mit einem Klasse 1-Monitor ermitteln. KameraNoch ein paar Ergänzungen zur Bildgestaltung: Um den unheimlichen Eindruck und die Suche der Filmhelden auch Kameraseitig zu unterstreichen, sollte diese den Filmfiguren folgen. Handkamera, Steadicam oder Schienen sind mögliche Bewegungsarten der Kamera. Während die Handkamera physisch sehr dicht an den Filmfiguren ist, sich quasi mit ihnen solidarisiert, kann die Kamera des Steadicams andere Spannungsmomente durch ihre schwebende Nähe erzeugen. Am sachlichsten wegen der starren Fahrtachse ist die Dollyfahrt, man kann sie aber durch einen Aufleger beweglicher machen. Wichtig ist, den Weg der Darsteller sinnlich nachfühlbar zu machen. Wenn die Filmfiguren langsam gehen, sind die vorgenannten Bewegungsmöglichkeiten ideal. Wenn sie aber schnell laufen, dann ist Steadicam vorzuziehen, oder man nutzt ein Skateboard und lässt die Kamera (samt trainiertem Operator) hinterher sausen. Letztlich hängt die genaue Ausgestaltung von den individuellen Gegebenheiten ab.
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