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Filmkameras sind, was das Aufnahmemedium angeht, recht unflexibel. Sie verlangen vom Kameramann eine vorherige Entscheidung, ob auf Kunstlicht- oder Tageslicht- sensibilisierter Emulsion aufgenommen werden soll. Ist diese Entscheidung getroffen, muss das am Motiv vorhandene Licht durch entsprechende Filter auf das Filmmaterial angepasst werden. Filmkameraleute sind deshalb besonders trainiert auf die saubere Korrektur unterschiedlichster Farbtemperaturen. Die technische Konstruktion von Videokameras erlaubt einen deutlich einfacheren Umgang mit Farbunterschieden beim Licht. VoreinstellungenVideokameras erlauben konstruktionsbedingt eine flexiblere Anpassung an die Lichtsituation. Alle Amateurkameras erlauben es, per Tastendruck
einzustellen. Damit werden vom Kamerahersteller vorjustierte Mittelwerte für die unterschiedlichen Farbtemperaturen eingestellt. Doch die Farbtemperaturen schwanken. Das Tageslicht kann im Tagesverlauf sehr unterschiedliche Werte annehmen und auch Glühbirnen oder Neonröhren verhalten sich sehr uneinheitlich. Die Einstellung auf vorjustierte Mittelwerte ist daher nur ein akzeptabler Kompromiss. Individueller Abgleich
Hochwertige und natürlich alle professionellen Videokameras erlauben darüber hinaus die individuelle Anpassung an das vorhandene Licht, den so genannten Weißabgleich. Meistens bietet die Videokamera drei unterschiedliche Speicher an, in denen Weißwerte festgehalten werden. Einer ist meistens werksseitig auf Kunstlicht festgelegt und nicht veränderbar. Die beiden anderen (A und B) kann man aber mit dem individuellen Weißabgleich belegen. Diesen gibt es sowohl manuell als auch automatisch. Der automatische Weißabgleich (s.u.) kann bei eindeutigen, einheitlichen Lichtsituationen akzeptable Resultate erzielen, bei Mischlicht (z. B. Tageslicht und Kunstlicht im Motiv) aber ist die Fehlerquote recht hoch. Eindeutig vorzuziehen und professioneller ist der manuelle Weißabgleich. Nur dieser erlaubt es, die Kamera optimal auf die vorhandene Lichtsituation abzustimmen. Dafür benötigt man ein weißes Blatt Papier oder eine so genannte Weißkarte. Diese hält man dort, wo sich das Aufnahmeobjekt oder der Darsteller befinden, vor die Kamera. Es ist absolut wichtig, die weiße Karte mit dem gleichen Licht zu beleuchten wie das Objekt! Dann drückt man den Abgleich-Knopf an der Videokamera und die Elektronik justiert sich selbsttätig so ein, dass die roten, grünen und blauen CCD (Charged-Coupled-Device )– Anteile gemeinsam ein reines Weiß ergeben. Neues Licht, neuer Abgleich
Dieser Vorgang muss natürlich bei jedem Wechsel der Lichtsituation neu vorgenommen werden. Dieses Verfahren kann natürlich unterschiedliche, gleichzeitige Farbtemperaturen im Motiv nicht unsichtbar machen. Sie kann nur dafür sorgen, dass das mehrheitlich vorkommende Licht als farbneutral wahrgenommen wird. Will man keinerlei Farbstich trotz unterschiedlicher Lichtquellen erzielen, muss man, genau wie beim Film, die von der Hauptlichtquelle abweichenden Lichtquellen durch Filterfolien angleichen. Wer das als lästig empfindet, dem sei gesagt, dass 3-Röhren-Videokameras, die Vorläufer der 3-CCD Kameras auch nach jedem Transport einen so genannten Konvergenzabgleich verlangten, bei dem die Röhren in Ihrer Position genau zur Deckung gebracht werden mussten. Automatischer Weißabgleich
Viele semiprofessionelle und praktisch alle Amateurkameras besitzen einen automatischen Weißabgleich. Dieser kann in vielen Situationen zu guten Ergebnissen führen. Aber leider nicht in allen, es kann vor allem innerhalb einer Einstellung zu Schwankungen in der Farbkorrektur kommen. Die Automatik nimmt jeweils den hellsten Punkt in einem Motiv als Weiß an und berechnet daraus den neutralen Filterwert. Wenn aber die hellste Stelle im Bild nicht Weiß, sondern in irgendeiner Weise farbstichig ist, korrigiert die Kamera falsch. Schwenkt man innerhalb des Motivs und bietet der Kamera unterschiedlich farbstichige hellste Stellen im Bild an, schwankt beim Schwenk auch die Farbtemperatur der Kamerakorrektur. Kreativer WeißabgleichGibt man der Kamera kein neutrales Weiß für den Abgleich, sondern z.B. ein Orange, Grün oder Ähnliches, kann man die gesamte Farbbalance in einer Aufnahme verschieben. Damit lassen sich interessante Experimente und Verfremdungen erzielen. Wenn man diesen falschen Weißabgleich sensibel nutzt, kann man damit den Aufnahmen z.B. mehr Kälte oder Wärme verleihen. |
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