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Obwohl schon seit Jahrzehnten totgesagt, lebt Super-8 noch immer und
findet nach wie vor begeisterte Anhänger.
Musikvideos, aber auch
Underground-Filme arbeiten sehr gerne mit dem speziellen Look, der entsteht,
wenn man Super-8 auf 16 oder 35 mm
aufbläst oder auf Video abtastet. Es sieht im Vergleich zu Video etwas
poetischer aus, die Farben sind ausdrucksstärker und feiner abgestuft. Eine
Abtastung von Super-8 liefert weniger Schärfe als von 16 oder 35 und
hat ein größeres Korn. Das wirkt ein wenig
abstrakt und erinnert auch an historische Farbaufnahmen. Oft genug geschehen
beim Belichten unvorhersehbare Effekte, die dem Material einen einzigartigen
Ausdruck geben.
Diverse kommerzielle Kinofilme wurden teilweise mit Super-8 gedreht. Filme
wie „The Game“, „Natural Born Killers“, U-Turn oder „Crazy Horse“
(Jim Jarmush) arbeiteten mit Super-8.
Vergleicht man die Optiken von Semiprofessionellen
DV und Super 8 Kameras, so sind die von den Super-8 Kameras einfach
hochwertiger. Bauer, Nizo oder Beaulieus haben Angenieux oder Schneider Zooms
die sehr scharf abbilden und eine gute Schärfentiefe
aufweisen.
Super-8 Kameras sind meist robuster als Videokameras. Der mechanische
Aufbau und die Präzision von diesen Kameras beweisen sie auch heute noch,
nach einigen Jahrzehnten. Wenn Sie Papas alte Kamera vom Dachboden holen,
frische Batterien und eine Filmkassette einlegen, können sie in den meisten
Fällen sofort damit drehen, als wäre die Zeit stehen geblieben.
Das gilt übrigens mit kleinen Einschränkungen auch für die Filme
selbst. Wenn sie die 15-Meter Spulen aus den 60er und 70er Jahren in
den Projektor einlegen, sind diese erstaunlich gut erhalten. Probieren Sie
das mal mit einem alten Video aus den 80er Jahren! Merkwürdigerweise haben
diese alten Aufnahmen auch eine ungeheure Direktheit und Authentizität.
Papas Schulfete, die Hochzeit oder der Urlaubsfilm. Es ist ein wenig so, als
wenn Super 8 in den Bildern unseres Gedächtnisses aufzeichnet. Ein Video von
den gleichen Ereignissen hat längst nicht diese Kraft.
Einen wesentlichen Unterschied gibt es allerdings in der Bedienung. Eine
Super-8 Kamera erfordert vom Benutzer trotz meist vorhandener und bei
semiprofessionellen Geräten abschaltbarer Blendenautomatik,
diverse Bedienschritte. Diese bedeuten für den Kreativen eine große
Vielfalt Gestaltungsmöglichkeiten. Für jemand, der aber gewohnt ist, dass
die Kamera auch die Schärfe selbst erledigt, ist Super 8 das falsche Medium.
Für jemand, der gewohnt ist, viele Wiederholungen zu drehen, und sich das
Ergebnis gleich anzuschauen, ist Super 8 das falsche Medium. Hier geht man
etwas bewusster mit dem Material um, probt vorher und muss einige Wochen
warten, bis der entwickelte Film aus dem Labor zurückkommt.
Man kann sich nur wundern, wie viele verschiedene Hersteller und
Kameramodelle auf dem Markt waren. Die Royce-Royce unter den Super 8 Kameras
sind jene vom französischen Hersteller Beaulieu. Die Firma baut auch
16 mm-Kameras und hat dieses Know-how auf das kleine Format übertragen.
Das letzte noch immer gebaute Flaggschiff ist die 9008, deren Preis sich
durchaus im Profilager bewegt. 10.000 Euro sind ein stolzer Preis und man
kann dafür gebrauchte 16 oder 35 mm-Kameras kaufen. Dafür ist die
Kamera aber mit vielen Features ausgestattet, die man von 16 mm
Profikameras kennt.
Sie besitzt einen Quarzmotor und alle möglichen manuellen
Einstellmöglichkeiten. Doch auch die kleineren Modelle von Beaulieu, die
2008, 4008 und 6008 sind hervorragende Geräte. Die Objektive sind von
Angenieux und lassen sich dank c-Mount so wie bei Profikameras
wechseln. Die Antriebe gestatten viele variable Geschwindigkeiten und der
eingebaute Belichtungsmesser lässt sich in einem weiten Bereich auf die
meisten Empfindlichkeiten zwischen 40 und
400 ASA einstellen.
Doch auch diverse andere Hersteller boten in ihren Geräten interessante
Features an. Seien es Auf-, Ab und Überblendungen in der Kamera,
Einzelbildschaltung für Trickaufnahmen oder auch Langzeitbelichtung um auch
bei Nacht mit Zeitraffer-Effekt drehen zu können. Manche haben variable Sektorenblende
oder Zeitrafferschaltungen. Einige Kameras wurden im Set zusammen mit
Kompendium und Schulterstütze geliefert. Lauter Tricks und Möglichkeiten,
die sich die Hersteller von Profikameras teuer bezahlen lassen.
Ein besonders kritischer Punkt bei Super 8 ist der Ton. Einerseits sind
die Kameras nicht unbedingt als leise zu bezeichnen und meist in den
Tonaufnahmen zu hören, andererseits bieten nur wenige eine quarzgenaue
Laufgeschwindigkeit, die Voraussetzung für synchrone
Aufnahmen. Viele Filmer haben aus der Not eine Tugend gemacht und sich
auf eine bildhafte Erzählweise konzentriert. Andere haben sich für Ihre
Kameras Schallschutzgehäuse (Blimps) gebaut oder die Dialogszenen aus
größerer Entfernung mit langer Brennweite gedreht, um viel Abstand vom Mikrofon
zu haben. Wieder andere haben sich meisterhaft mit der Kunst der Nachvertonung
beschäftigt. Geräusch-Archive
haben so manchem Super-8 Streifen zu einer
beachtlichen Tonspur verholfen.
Was Super-8 so unvergleichlich macht ist seine Nähe zum professionellen
Film. Die Arbeitsabläufe der Filmherstellung, ihre Gesetzmäßigkeiten, der
richtige Umgang mit Belichtung, Blende und Schärfe lassen sich durchaus auch
auf größere Filmformate übertragen.
Das „learning by doing“ kann man im kleinen Format mit richtigem Film
und überschaubaren Kosten absolvieren. Wenn man später endlich auf
größeren Formaten drehen kann, hat man den meisten Unfug schon ausprobiert
und kann schneller professionelle Ergebnisse erzielen, die auch Andere gerne
sehen möchten. |