Es ist nie erfreulich, wenn hochwertige Objektive plötzlich oder auch schleichend immer weniger nutzbar werden. An dieser Stelle wollen wir auf verschiedene Probleme eingehen, ohne Sie dazu zu ermuntern, gleich den Werkzeugkasten hervorzuholen.

 

Kratzer auf Frontlinse

Objektiv

Objektiv

 

Nein es sind eigentlich keine Abbildungsfehler im klassischen Sinne, doch sie existieren und ihre Ursachen liegen eher in der schlechten Behandlung durch die Besitzer der Objektive. Die Rede ist von Schrammen, Kratzern, Putzspuren auf den Frontlinsen der Objektive. Eigentlich sollte man hochwertige Objektive stets durch einen vorgeschraubten Skylight (UV) Filter schützen, aber das wird allzu oft vergessen.
Im Profibereich sind Kratzer auf der Frontlinse beinahe ein KO-Kriterium, doch wie stark diese tatsächlich auch sichtbar werden, hängt von vielen Faktoren ab. Solange es sich um Kratzer oder Schäden auf der Front,- und nicht auf der rückwärtigen Linse handelt, bestehen durchaus Chancen, dass diese nicht allzu sichtbar werden.

 

Denn nahezu jedes Objektiv, welches wir für Filmaufnahmen verwenden, hat einen Mindestabstand ab dem Objekte scharfgestellt werden können. Bei Schäden an der Frontlinse ist dieser Mindestabstand sicherlich deutlich unterschritten, weshalb die Schäden in der Unschärfe liegen. Deshalb sind kleinere Kratzer vermutlich nicht als solche sichtbar. Abstand nehmen sollte man von so absurden Ideen wie die Frontlinse zu polieren. Nicht nur dass dabei die Vergütung verloren geht, es ändern sich auch die Brechungseigenschaften.

 

Rückseitige Linse

Rückseitige Linse

 

Aber sie können dennoch Folgen haben, schließlich wird durch sie die Vergütung des Objektivs, welche Streulicht reduzieren soll, beschädigt. Das kann zu einem Verlust an Kontrast (der wieder den Schärfeeindruck beeinflusst) und je nach Ausprägung und Lichteinfall auch zu Streulichteffekten im Bild führen.

 

Solange man Filmszenen ausleuchtet und sich die Kamera eher im dunkleren Bereich des Motivs befindet und kein Lichteinfall auf das beschädigte Objektiv einwirkt, kann man davon ausgehen, dass leichte Kratzer praktisch unbemerkt bleiben werden.

 

Blende hakt, klemmt

Gerade bei älteren Objektiven kann es dazu kommen, dass die Blende (Lamellen) sich nicht mehr richtig öffnen oder schließen lässt. Meistens liegt es daran, dass Öl auf die Lamellen geraten ist. In der Schnecke des Objektivs werden Schmiermittel benutzt. Im Laufe vieler Jahre spalten sich von den Schmiermitteln Öle ab, die in ungünstigen Fällen die Lamellen der Blende erreichen.

 

Einzelteile eines Objektivs

Ein Objektiv besteht aus sehr vielen mechanischen Einzelteilen

 

Da die Blende meistens zwischen Linsengruppen angebracht ist, müssen, wenn man zur Reinigung an die Blende gelangen will, Linsengruppen entfernt werden. Ohne richtige Werkzeuge und Messinstrumente ist es schwierig, das Objektiv selbst wieder präzise zusammenzubauen. Allein um an die Blendenlamellen heran zu kommen, müssen je nach Objektiv bis zu 20 winzige Schrauben und Bauteile entfernt werden. Deshalb ist es hier meistens sinnvoll, das Objektiv in den Service zu geben, vorausgesetzt, der Wert der Optik ist entsprechend hoch. Die Reinigung von Blendenlamellen kann leicht 100 Euro und mehr kosten.

 

Schärfering schwergängig

Die Mechanische Verschiebung von Linsen und Linsengruppen gegeneinander muss in einem Objektiv in eine Drehbewegung (des Schärferings) umgesetzt werden. Dazu ist ein Schneckengetriebe notwendig, welches meist aus Alu oder Plastik aufgebaut ist. Für dieses Getriebe wird in Objektiven tatsächlich Schmiermittel eingesetzt, welches über die Jahre verharzen kann. Diese Schneckengewinde sind oft recht komplex, nicht selten auch mehrgängig. Wer sein Objektiv selbst reparieren möchte, wird nach dem mühsamen zerlegen des Objektivs sehr genau darauf achten müssen, wie die Teile des Schneckengewindes zueinander positioniert sind, sonst stimmen beim späteren Zusammenbau die Werte auf dem Objektivring nicht mehr.

 

Zunächst muss man dann das alte Fett entfernen, in manchen Foren wird Aceton (wegen der Dämpfe nur im Freien verwenden) empfohlen. Nach der Reinigung wird dann neues Fett aufgetragen, hier werden Produkte wie Shell Ossagol, Castrol LMX, Losimol oder ML MFK2 häufiger genannt. Man sollte es sparsam verwenden und ggf. überschüssiges Schmiermittel mit einem staubfreien Tuch entfernen. Die Wahl des richtigen Fetts ist eine Wissenschaft für sich und die Objektivhersteller lassen sich da nicht gerne in die Karten schauen. Die Zähigkeit des Fettes ist nämlich für die Schwergängigkeit beim Drehen des Schärferings verantwortlich. Außerdem muss es über lange Zeit beständig bleiben und sollte auch höhere Temperaturen aushalten können.

 

Pilzbefall (Fungus)

Man möchte es kaum glauben, aber Linsen können von verschiedenen Pilzarten befallen werden und dabei mehr oder weniger großen Schaden nehmen. Dabei liegt der Befall nicht etwa auf Front oder rückseitiger Linse, sondern praktisch immer innen im Objektiv. Schlieren (feine spinnenartige Netze) oder auch Flecken können die Folge sein. Und diese, das gleich vorweg, sind je nach Befall, so hartnäckig, dass man häufig von einem Totalschaden für das befallene Objektiv ausgehen muss

 

Auch hier kann man mit entsprechendem feinmechanischem Geschick, versuchen, an die befallene Linse zu kommen. Für die Reinigung sollte man fungizide Hygieneflüssigkeit (Drogeriebedarf/Apotheke) verwenden und dabei, das ist wichtig, möglichst auch die unmittelbar benachbarten Linsen und die innenliegende Mechanik damit reinigen. Denn natürlich befinden sich mikroskopisch feine Sporen fast überall im befallenen Objektiv. Danach kann man die betreffenden Linsen und Objektivteile zusätzlich einige Stunden in helles Sonnenlicht legen, die UV Strahlung soll angeblich zusätzlich Pilzsporen abtöten. Je nach Grad des Befalls kann es sein, dass bereits die Vergütung beschädigt ist, dann kann man die Flecken/Schleier nicht mehr vollständig entfernen.

 

In den meisten Fällen ist Feuchtigkeit die Ursache, gerade wenn man bei Regen oder in tropischen Gebieten mit Objektiven dreht, besteht das Risiko, dass in der Luft, die beim Verstellen der Schärfe oder bei Zooms der Brennweite, in das Objektiv eingesogen wird, auch Sporen von Pilzen waren. Wenn dann das Objektiv nicht gut wieder trocknet oder grundsätzlich schlecht gelüftet lagert, können sich über längere Zeiträume Pilze bilden.

 

Wenn Sie jetzt aufhorchen, was denn "schlecht gelüftet" bedeutet, dann ist damit gemeint, dass Objektive am besten offen, gut gelüftet und gerne auch im Hellen aufbewahrt werden sollten. Also die Lederköcher, Ledersäckchen oder vermeindlich sicher verschlossenen Alukoffer oder gar luftdichten Peli-Cases sind vermutlich mit Schuld an Pilzbefall bei Objektiven. Also raus aus den TAschen! Besser ist es, für gute Belüftung der Objektive zu sorgen, das reduziert das Risiko.

 

Autofocusobjektiv

Bei Autofocusobjektiven sind zusätzlich Stellmotore und Datenleitungen im Objektiv verbaut

Fazit

Grundsätzlich sind Reparaturen an Objektiven vor allem feinmechanische Arbeit. Nein, wir wollen Sie nicht ausdrücklich ermuntern, Ihre wertvollen Objektive bei Defekt auseinander zu schrauben, zudem benötigt man dafür kleinste Kreuz,- und Schlitz Schraubenzieher, Pinzetten, kleine Zangen etc. Der Auseinander,- und Zusammenbau ist sehr komplex und sollte deshalb wohl überlegt sein. Bei teuren Objektiven sollte deshalb besser ein Servicebetrieb beauftragt werden.

 

Zu groß ist der Kummer, wenn man trotz vielleicht gelungener Instandsetzung oder Reinigung von Blende, Schneckengang etc. die Teile nicht mehr richtig zusammenbauen kann. Wer feinmechanische Kenntnisse und Geschick besitzt, der kann es zumindest bei preiswerten Objektiven und gebrauchten Schnäppchen aus dem Internet auch selbst versuchen. Den einen oder anderen Hinweis haben wir versucht, so dezent wie möglich in diesem Text unterzubringen, damit nicht alle User loslegen und zu Linsen-Schraubern werden.