Filtern vor
der Linse...
Zu den Werkzeugen der kreativen Bildgestaltung in Video und Film gehören
die Filter. Sie sind transparente oder lichtdurchlässige optische Elemente
und beeinflussen das auf die Optik eintreffende Licht in vielfältiger Weise.
Je nach Art können sie auf Kontrast, Schärfe, Farbe und Intensität
Einfluss nehmen und in professionellen Kamerakompendien auch miteinander
kombiniert werden.
Daneben gibt es zahllose Filter, die künstliche, verfremdende Effekte
erzeugen, weshalb man auch von „Effektfiltern“ spricht.
Wie bei allen gestalterischen Elementen eines Filmes sollte man sie nie
beliebig, wahllos verwenden. Eine klare Vorstellung davon, welche optische
Wirkung, welchen „Look“ ein Film haben soll, ist die erste Voraussetzung
herauszufinden, welche Filter diesen Look möglicherweise erzielen oder
unterstützen.
Einbahnstraße?
Um die Aufnahmen nicht unnötig in eine optische Einbahnstraße zu lenken,
sollte man nur die Veränderungen durch Filter vornehmen, die sich nicht
nachträglich im Kopierwerk oder bei der Video-Farbkorrektur eleganter
erzielen lassen. Denn ist die Aufnahme durch zu extreme oder fehlerhafte
Filterwahl erst einmal verdorben, kann man sie meist nur schwer nachträglich
wieder neutralisieren.
Inzwischen bieten auch diverse Filterhersteller Software-Filter an, mit
denen auf hochwertigen digitalen Bildbearbeitungssystemen (Cineon etc.) die
optischen Filter exakt digital nachgebildet werden können. Diese Lösung ist
aber nur für den größeren Geldbeutel empfehlenswert.
Filterfaktor
Abgesehen davon zieht die Benutzung fast jedes Filters einen Verlust an
Licht nach sich. Bei hellen Außenaufnahmen kann man diesen leicht
verkraften, manchmal ist er sogar erwünscht (um eine größere Blende zu
haben, s. Schärfentiefe). Wenn man aber zu wenig Licht zur Verfügung hat,
dann kann es sehr schmerzlich sein, sich durch unnötige Filter
Belichtungsprobleme einzuhandeln. Denn das geschluckte Licht muss durch
Öffnen der Blende oder längere Belichtungszeit ausgeglichen werden. Wie
viel Licht ein Filter „verbraucht“, gibt der Filterfaktor an. Dieser
stellt einen Multiplikationsfaktor des Wertes dar, der ohne Filter gemessen
wurde.
Hat ein Filter den Faktor 2, so bedeutet dies, dass mit Filter doppelt so
viel Licht auf den Film gelangen muss wie ohne Filter, um eine korrekte
Belichtung zu bekommen. Da bei jedem Objektiv von Blendenstufe zu
Blendenstufe die Lichtmenge verdoppelt wird, bedeutet dies, dass die Blende
um einen Wert geöffnet werden muss. Mit Einschränkungen kann man diesen
Faktor auch mit einem Belichtungsmesser (Achtung: ohne Kalotte verwenden!)
oder einem Spotmeter (Filter direkt vor Spotmeter halten) festgestellt
werden. Man misst dann einfach den Wert mit und ohne Filter und erkennt an
der Differenz, wie viel Licht er schluckt.
Filterarten
Beginnen wir mit den harmloseren Filtern, jenen, die nur leicht in die
Bildwirkung eingreifen.
UV-Filter
Filmmaterial und Videosensoren weisen meistens eine höhere
Empfindlichkeit für UV-Licht auf, als es das menschliche Auge tut. Das kann
unter bestimmten Umständen zu einer veränderten Farbwiedergabe führen.
Speziell in Schneegebieten, Höhenlagen, aber auch am Meer kann es zu
einer verstärkten Blauwiedergabe und Dunst bei entfernteren Objekten
führen.
UV-Filter nehmen die UV-Anteile heraus und führen damit zu einer
natürlicheren Farbwiedergabe.
Graufilter
(auch: ND-Filter)
Bei zu viel Licht (hochempfindliches Material bei strahlend hellem
Sonnenlicht) oder um eine geringere Schärfentiefe zu erzielen, sind
Graufilter das Mittel der Wahl.
Sie steuern lediglich die Helligkeit, berühren aber das Farbspektrum
überhaupt nicht. Indirekt nehmen sie durch die veränderte Schärfentiefe
bei veränderter Objektivblende sehr wohl ästhetisch Einfluss auf das Bild.
Es gibt sie in unterschiedlichen Dichten. Ein ND 0,6-Filter reduziert
die Helligkeit um zwei Blenden, ein ND 0,3 um eine Blende. Um die Anzahl
der verwendeten Filter zu reduzieren, gibt es ihn auch kombiniert mit anderen
Filterarten, insbesondere in Kombination mit Konversionsfiltern
(z. B. 85N3).
Polfilter
Polfilter sind geeignet, den Farbkontrast zu verbessern und, was sie noch
viel interessanter macht, Reflektionen auf Glas oder anderen glatten
Oberflächen verschwinden zu lassen. Der Farbkontrast wird verbessert, indem
der Polfilter so genanntes Streulicht, welches überall von Objekten
reflektiert wird, herausfiltert. Das bewirkt reinere, gesättigtere Farben.
Polfilter müssen individuell für jedes Motiv neu eingestellt werden. Dies
geschieht, indem man sie dreht, bis die Position mit dem gewünschten Effekt
gefunden ist. Auch Polfilter schlucken Licht, ein bis zwei Blenden etwa, die
ausgeglichen werden müssen.
Unerwünschte Reflektionen lassen sich ebenfalls mit Polfiltern entfernen.
Haben Sie schon mal versucht, bei hell leuchtendem Himmel Ihre Schauspieler
im Auto durch die Frontscheibe zu filmen? Hinter hellem Himmel und Wolken
sieht man schemenhaft seine Darsteller. Ein Polfilter kann die Situation auf
einfache Weise retten. Dazu ist ein bestimmter Winkel – ca. 33 Grad zur
reflektierenden Oberfläche – sinnvoll. Dreht mal den (Circular)
Polfilter, so lässt sich leicht eine Position finden, bei der die
Reflektionen ganz oder zumindest teilweise verschwinden.
Der Umgang mit Filtern eröffnet erstaunliche Gestaltungsmöglichkeiten
und löst viele Lichtprobleme auf ganz unspektakuläre Weise. Da die Filter
in unmittelbarer Nähe des Objektivs angebracht werden, sollte man
hochwertige Glasfilter verwenden und diese genau so sorgsam (Fingerabdrücke
und Staub vermeiden!) behandeln wie die Objektive selbst. |