Wind
aus der Tube
Nicht nur für dramatische Wettereffekte wie Sturm, oder Schneetreiben
benötigt man Windmaschinen. Auch für ganz „normale“ Szenen sind sie
durchaus hilfreich.
Herbstlaub oder auf dem Gehweg herumfliegende Zeitungsfetzen geben einem
Straßenzug eine ganz eigene Stimmung. Auch Vorhänge, die sich vor dem
offenen Fenster leicht im Wind bewegen, können eine Situation bedrohlich
oder auch unheimlich werden lassen. Kaum ein Thriller kommt ohne diese
Effekte aus.
Wind kann ein starres Bild beleben, kann Sehnsucht nach Ferne oder auch
Einsamkeit, Unbehaustheit in die Gesichter der Darsteller hineinwehen. Auch
tote Gegenstände auf einem Tisch wirken realistischer, wenn das Tischtuch
sich ein wenig bewegt.
Der Natur
nachhelfen
In den seltensten Fällen hilft die Natur selbst mit, die nötige Bewegung
ins Bild zu bringen. Außer am Meer, muss man so gut wie immer selbst dafür
sorgen, dass die gewünschte steile Brise ans Set geweht kommt.
Zu diesem Zweck gibt es ganz unterschiedliche Größen von Windmaschinen.
Die Palette reicht von kompakten kleinen, die einem kräftigen
Tischventilator entsprechen, bis hin zu großen Flugzeugpropellern, die auf
eigenen fahrbaren Anhängern aufgebaut sind.
Ob es Marilyns Kleid im verflixten siebten Jahr ist oder die Panik im
Katastrophenfilm, Wind gehört einfach mit dazu. Mit großen Ventilatoren
können sogar die Zweige in Bäumen bewegt werden. Auch im Umgang mit Wind
ist Know-how eine wichtige Voraussetzung. Man kann durch gezielte Ablenkung
des Winds, ähnlich einem Windkanal die Wirkung deutlich erhöhen.
Man muss es sehen
Die Departments Ausstattung, Maske und Kostüm können übrigens erheblich
dazu beitragen, dass man den wehenden Wind auch sehen kann. Nicht jedes
Halstuch flattert im Wind! Organsa ist ein Material, welches dafür besonders
geeignet ist. Auch die Haare dürfen nicht zu sehr fixiert werden, sonst
flattert kein Strähnchen, das wäre doch schade. Je mehr leichtes Material
durch die Gegend gewirbelt werden kann, je mehr im Bild hin und herwackelt
(Fensterläden, Türen an Drähten gezogen etc.) desto echter wirkt der
Sturm.
Für kurze, starke Windstöße eignet sich besser Pressluft. Entsprechende
Kompressoren erlauben dann eine kurze, stärkere Wirkung. Sie finden
übrigens auch bei der Simulation von Explosionen Verwendung, wenn es darum
geht eine Riesenwolke Filmstaub schlagartig aufzuwirbeln.
Probleme
Keine Illusionen sollte man sich über die Geräuschentwicklung der
hilfreichen Maschinen machen: Originalton ist bei solchen Aufnahmen so gut
wie nie möglich. Schließlich sind die großen Geräte direkte Geschwister
der Propellerflugzeuge und was das akustisch bedeutet, weiß jeder, der mal
neben so einem Flugzeug stand. Ganz nebenbei lieben Mikrofone derart heftige
Windentwicklung trotz Korbwindschutz nicht allzu sehr.
Aufnahmen mit Windmaschinen sind daher stets potenzielle
Nachsynchronisations-Szenen. Manchmal kann man sich behelfen, indem man die
betreffende Szene am Set auch ein paar mal nur für den Ton (ohne
Bildaufnahme und ohne Windmaschine) spricht und spielt. Das nennt man
Nurton-Aufnahmen. Man kann dann den Ton nachträglich im Schneideraum
anlegen. Nurton hilft, hohe Kosten für Nachsynchron einzusparen.
Kosten
Für Nahaufnahmen eignet sich, wie oben erwähnt, ein kräftiger
Tischventilator durchaus. Wenn es etwas mehr Wind sein soll, so gibt es
Geräte mit ca. 700-800 Watt Leistung für etwa 30,- Euro am Tag zu
mieten. Die richtig großen Geräte auf Anhängern kosten dann ab
250,- Euro pro Tag. |