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Ein Praxisbericht von Andreas SchulzeBeruflich Tierfilme zu drehen, erscheint Außenstehenden oft als eine beneidenswerte Tätigkeit. Schon mehrfach wünschten mir Bekannte ernsthaft „einen schönen Urlaub“, wenn ich zu Dreharbeiten ins Ausland aufbrach. Das verklärte, romantisierte Bild allerdings, das sich mancher vom Beruf des Tierfilmers macht, hat mit der Wirklichkeit denkbar wenig zu tun. NischendaseinWer sich möglicherweise mit dem Gedanken trägt, ins Tierfilmgeschäft einzusteigen, sollte wissen, dass es sich hier um eine im Grunde winzige Nische handelt. Zwar werden im Fernsehen täglich Tierfilme gezeigt – die weitaus meisten aber sind angekaufte Produktionen aus dem Ausland, besonders aus Großbritannien, Neuseeland und den Vereinigten Staaten. In ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz dürfte es nur wenige Dutzend Berufstierfilmer geben, also Menschen, die ihr Einkommen überwiegend bis ganz aus Tierfilmen bestreiten. SpezialisierungPraktisch jeder der wenigen Berufstierfilmer ist auf einen bestimmten Bereich spezialisiert, also auf eine Nische innerhalb der Nische. Zum Beispiel gibt es reine Unterwasser- oder Makrofachleute oder Spezialisten für frei lebende Großsäugetiere. Niemand ist auf jedem dieser Felder gleich gut, und mancher ausgezeichnete Unterwasserfilmer macht eine geradezu klägliche Figur, wenn er Tiere des Festlands filmen soll. Zoologischen Rat einholen
Um Tiere erfolgreich zu filmen, benötigt man nicht nur solide Kenntnisse zum Thema Aufnahmetechnik, sondern darüber hinaus unbedingt zoologisches Fachwissen. Trotzdem wird es häufig erforderlich sein, zusätzlich den Rat von Fachleuten vor Ort einzuholen, zum Beispiel von Wildhütern, Jägern, Naturschützern oder Wissenschaftlern. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Honorare, die ich an entsprechende Informanten bezahlte, meistens gut angelegt waren und mir oft Filmmöglichkeiten eröffneten, von denen ich nicht zu träumen gewagt hatte. Soziale Kompetenz ist daher eine auch für Tierfilmer wichtige Eigenschaft. Geduld mitbringenDie vielleicht wichtigste Voraussetzung, die ein Tierfilmer mitbringen muss, ist eine schier endlose Geduld bei den Dreharbeiten, denn erzwingen lässt sich im Tierfilm auf Dauer nur wenig. Zumindest in meinem Fachgebiet – dem Filmen frei lebender Säugetiere und Vögel – dürfte langfristig gelten, dass ungefähr jeder zweite Tag völlig umsonst ist und zu keinerlei Ergebnissen führt. Ich habe schon lange aufgehört, mich darüber zu ärgern, und tröste mich mit der Einsicht, dass all die nutzlosen und verschwendeten Tage erst die Voraussetzung bildeten, um an den anderen Tagen eben doch ans Ziel zu gelangen. Viele Dinge lassen sich im Tierfilm selbst mit ausgezeichneter Fachkenntnis und hohem Einfühlungsvermögen nur schwer abschätzen. Auch das Wetter kann Tierfilmer oft zur Verzweiflung treiben. Auf Dauer allerdings gilt, dass Glück und Pech sich in etwa die Waage halten und einen umso geringeren Einfluss ausüben, je länger die Dreharbeiten zu einem Tierfilm angesetzt sind. Die Tiere überlisten
Viele Tierarten besitzen vor dem Menschen eine beträchtliche Fluchdistanz, die es mit allerlei Tricks zu überwinden gilt. Um frei lebende Säugetiere oder Vögel eindrucksvoll vor die Kamera zu bekommen, wird es oftmals erforderlich sein, mit dem Tarnzelt zu arbeiten. Besonders an Vogelnestern gibt es meist keine sinnvolle Alternative. Ein weit verbreiteter Irrtum ist es übrigens zu glauben, Filmen an Nestern vermindere den Bruterfolg der betreffenden Vögel. Richtig ist vielmehr, dass der Bruterfolg eindeutig höher liegt, vorausgesetzt, die Arbeiten werden fachgerecht durchgeführt.
Bei Kleinvögeln bedeutet dies im Allgemeinen, am ersten Tag nur das Tarnzelt aufzustellen und es mit grünen Ästen vollständig zu verblenden, am zweiten Tag die Attrappen für Objektiv oder Scheinwerfer zu befestigen und erst am dritten Tag zu filmen. Wie hinreichend bekannt ist, gibt es zahlreiche Vogelarten, deren Nester zum erheblichen Prozentsatz von Elster, Eichelhäher, Raben- oder Nebelkrähe geplündert werden. Nester jedoch, an denen ein Tarnzelt samt Objektiv- oder Scheinwerferattrappe steht, werden von Rabenvögeln für gewöhnlich gemieden. Auch die Verluste durch Säugetiere sind niedriger. Film oder Video?
Ursprünglich war im professionellen Tierfilm das 35 mm-Format vorherrschend. Aus Kostengründen wurde es schon in den 1970-er Jahren weitgehend durch den 16 mm-Film verdrängt. Super 8 spielte zumindest im Fernseh- oder Kinobereich noch nie eine Rolle. Fernsehtierfilme werden heute entweder auf Normal 16, auf Super 16 oder auf Video gedreht. Besonders die jüngeren Tierfilmer setzen fast ausschließlich Video ein, etwa Mini DV, Betacam SP oder Digital Betacam. Auf Video zu drehen, ist insgesamt deutlich preiswerter, hat jedoch den Nachteil geringerer Wertbeständigkeit in der Zukunft. Gerade wer sich ein eigenes, langfristig nutzbares Archiv aufbauen möchte, sollte sich fragen, ob seine Aufnahmen längerfristig überhaupt für eine Fernsehverwertung in Frage kommen. Selbst bei Digital Betacam dürfte dies definitiv nicht der Fall sein, da der Trend beim Fernsehen zu immer höherer Auflösung geht. Die BerufspraxisSiehe Teil 2: Tierfilmer
(Fotos mit freundlicher Genehmigung von Andreas Schulze) |
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