![]() |
![]() |
![]() |
|||||||
| Filmschule | Aktuell | Community | Seminare | ||||||
|
|
Wir können auch anders!
|
|
|
|
Szene aus „Mit 18 träumt man nicht mehr“ |
Die Todessehnsucht ist ein häufiges Thema, wenn es um Jugendliche geht. Das Entfliehen aus einer rohen Welt, die so ganz anders als man selbst zu sein scheint, die kein Verständnis, die keine Toleranz und keine Wärme für die geschundenen Individuen zulässt. Man denke an Peter Jacksons verstörendes Psychogramm zweier Teenager: In „Heavenly Creatures“ (NZ 1994) räumen Kate Winslet und Melanie Lynskey nicht sich selbst, sondern diejenigen aus dem Weg, die ihnen ihr Glück verwehren.
Ein weiteres Beispiel wäre Peter Weirs Mystery-Drama „Picknick am Valentinstag“ (Australien 1975), das auf einer wahren Begebenheit beruht. Am Valentinstag 1900 macht ein australisches Mädchen-College einen Ausflug zum Hanging Rock; vier der Mädchen und eine Lehrerin verschwinden spurlos. Erst Wochen später kehrt eines der Mädchen völlig verstört zurück, kann sich allerdings an nichts mehr erinnern. Das bis heute nicht aufgeklärte Verschwinden der jungen Frauen verarbeitete Peter Weir zu einem poetischen Bilderreigen, in dem eines der verschwundenen, elfengleichen Mädchen den verhängnisvollen Tag mit einem inbrünstigen Verlangen herbeisehnt. Sie verabschiedet sich von einer ihrer Mitschülerinnen, als sei es für die Ewigkeit...
Erst kürzlich lief Sophia Coppolas „The Virgin Suicides“ in den deutschen Kinos, in dem sich gleich mehrere junge Mädchen, allesamt Schwestern, das Leben nehmen.
1989 schuf Michael Lehmann einen rabenschwarzen Abgesang auf die Welt der Teenager, in dem er die Todessehnsucht dieser Generation karikiert. In „Heathers“ (alternativ Titel „Lethal Attraction“) treiben Winona Ryder alias Veronica Sawyer und Christian Slater alias Jason Dean (!) ein tödliches Spiel. Da wären Heather McNamara, Heather Chandler und Heather Duke. Drei High-School-Zicken, die ihren trotteligen, kuhärschigen, brillentragenden Mitschülern das Leben zur Hölle machen. Terror ist Programm. Da wird blamiert, intrigiert und verarscht, was das Zeug hält.
Veronica versucht anfangs noch, in die Riege der drei Sahneschnittchen integriert zu werden, doch schließlich wird auch sie Opfer einer ihrer Attacken. In Begleitung ihres Freundes James will sie sich bei der Anführerin Heather McNamara rächen, doch was als Spaß beginnt, endet tödlich. Dank Veronicas besonderer Gabe – sie kann Handschriften ihrer Mitmenschen perfekt kopieren – dauert es nicht lange und der Selbstmordbrief ist verfasst. Was Veronica nicht ahnt: Der Fall wird von den Medien ausgeschlachtet, Heather wird als Märtyrerin gefeiert und ist beliebter denn je. Plötzlich ist es cool, Selbstmord zu begehen... bitterböse, rattenscharf und Humor der galligsten Sorte, der wohl fieseste Seitenhieb, den Hollywood sich je erlaubt hat. Übrigens: „Beverly Hills 90210“-Starlet Shannen Doherty darf als berechnende Heather Duke glänzen.
|
|
| Szene aus „Mit 18 träumt man nicht mehr“ |
Die Verlockungen, die das Leben eines Teenagers bestimmen, haben es in sich. Da rutscht ein jener schnell mal auf die schiefe Bahn und sieht sich mit den Abgründen der menschlichen Psyche konfrontiert.
Ein für den Teenager-Film sehr untypisches Beispiel ist David Lynchs „Twin Peaks – Der Film“ (USA 1992) oder „Die letzten sieben Tage im Leben der Laura Palmer“. Basierend auf seiner Kultserie „Das Geheimnis von Twin Peaks“, welche mit dem Fund der Leiche der jungen Laura Palmer beginnt, erzählt Lynch mit kryptischer Hoffnungslosigkeit, wie seine Antiheldin in einen Strudel von Sex, Drogen und Gewalt, nicht zu vergessen in die Fänge des Bösen gerät. In so einen düsteren Abgrund wurde vor Laura Palmer-Darstellerin Sheryl Lee wohl noch keine andere Jungmimin hinabgestoßen. Schonungslos „verbrennen die zarten Zweige der Unschuld. Doch, wenn ein solches Feuer erst einmal entfacht, ist alles Gute in Gefahr, zu Asche zu werden.“
Man denke auch an Uli Edels „Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ (D 1981), der die Drogenszene im Berlin der 70er Jahre portraitiert. Werbezeile: „Sie erleben den Himmel. Sie erleben die Hölle. Sie sind noch Kinder und haben ihre Zukunft schon verspielt.“
Ein Generationsportrait der hoffnungslosen Art lieferte auch Schock-Filmer Gregg Araki 1997 mit „Nowhere“, in dem er hippe Youngsters in einem Meer aus Sex, Gewalt und Drogen umherplantschen und hier und da von einem Hai in Stücke reißen lässt. Wie Zombies irren seine Protagonisten umher, sind oberflächlich, emotionslos und ohne Anteilnahme. Er geht sogar soweit, sämtliche Teenie-Idole gegen den Strich zu besetzen; so spielt Ex-“Baywatch“-Star Jaason Simmons zwar sich selbst, vergewaltigt aber munter einen seiner minderjährigen Groupies in ihrem Kinderzimmer. Soap-Stars Christina Applegate und Shannen Doherty spielen Außerirdische, die sich an einer Bushaltestelle das Maul übereinander zerreißen. Und Mädchenschwarm Ryan Phillipe spielt einen sado-masochistischen Homosexuellen. Süßer Vogel Jugend entpuppt sich als grässlich entstellte Fratze.
Weniger radikal, aber nicht minder beeindruckend ist Todd Solondz’ „Welcome to the Dollhouse“ (USA 1995), in dem die junge Dawn (so sieht eine Oscar-reife Leistung aus: Heather Matarazzo) sich unsterblich in den Schönling ihrer Schule verknallt; da der sich aber wenig für die Heranwachsende interessiert, trifft sie sich schließlich freiwillig mit einem jungen Gewalttäter, der ihr versprochen hat, sie zu vergewaltigen. Ehrlich auch der Schluss: Dawn fragt ihren älteren Bruder, ob das Leben auf dem College besser sei als auf der Highschool. Dieser antwortet müde, dass es besser sei. Die Mitschüler würden zwar immer noch über einen lästern, es einem allerdings nicht mehr ins Gesicht sagen... Sind doch rosige Aussichten, oder?
Wenn man Dawn vielleicht als hässliches Entlein des Teenager-Films bezeichnen will, so könnte man die nächsten beiden Charaktere, auf die hier näher eingegangen werden soll, vielleicht als Aschenputtel und ihre böse Stiefschwester betrachten. In „Gnadenlos schön“ (USA 1999) wetteifern die sympathische Leichen-Kosmetikerin und Wohnwagenbewohnerin Amber Atkins (Kirsten Dunst) und das verwöhnte Biest Becky Ann Leeman (Denise Richards) um den Titel der Teenage-Beauty-Queen. Angestiftet von ihrer Mutter (herrlich hysterisch: Kirstie Alley) greift Becky, die nebenbei Präsidentin im „Mädchen und Waffen-Club“ ist zu äußerst fragwürdigen Mitteln, um ihr Ziel zu erreichen. Da explodiert ein Traktor, da stürzt ein Scheinwerfer – in der Teenie-Version von „Der Tod steht ihr gut“ ist alles erlaubt.
Hier wird ein eigentlich bitteres Thema (viele der amerikanischen Teenager hungern sich halb tot, um bei derartigen Wettbewerben teilnehmen zu können) zur respektlosen Satire. Das Publikum reagierte verhalten; durchschlagenden Erfolg hingegen erzielten in jenem Jahr die Schmonzette „Eine wie keine“, in der das Hässliche-Entlein-Motiv (Mädchen mit fettigen Haaren und Brille kommt mit Highschool-Schönling zusammen, dann schminkt sie sich, wäscht sich die Haare, trägt Kontaktlinsen und wird Ballkönigin, urrrgh...) wie so häufig fehlinterpretiert wird und der Cheerleader-Brummer „Girls United“, ebenfalls mit Kirsten Dunst.
Bleibt am
Ende die Frage: Dürfen Eltern die Erziehung ihrer Teenager den Medien oder
speziell dem Kino überlassen?
Um politisch korrekt zu sein, beantwortet man diese Frage mit „Nein“; aber damit ist es noch nicht getan, denn die Teens sollten selbst entscheiden dürfen, von wem und welche Ratschläge sie annehmen oder ablehnen. Und da bietet das Sammelsurium des Teenager-Films eine breite Palette von Angeboten.
Es müssen ja nicht immer die Schreckensszenarien von „Kids“ (USA 1995) sein, in denen Teenager – vollgepumpt mit Drogen – sich gegenseitig vergewaltigen, zusammenschlagen und mit dämlichem Gewäsch zutexten. Den Ansporn, ähnlich abgefuckt daher zukommen, wird dieser Film selbst bei seinem jungen Publikum wohl kaum erwecken.
Und auch snobistische Extravaganzen wie „Beverly Hills 90210“ oder „Melrose Place“ sind immer noch besser als gewisse deutschsprachige Experimente, in denen scheintote Darsteller sich mit mörderisch schlechten und vor allem extrem lebensfremden Dialogen herumquälen. Schon möglich, dass sich auch mit diesem Auswuchs der Fernsehindustrie viele Pubertierende identifizieren können; und wenn dem so ist, dann mag dieses Format seinen Zweck erfüllen:
Teenies brauchen Identifikationsfiguren, die auf der großen Leinwand und auf dem Fernsehbildschirm mit schön viel Weichzeichner, fetziger Musik und hippem Outfit faszinieren, fesseln und vor allem cool sein dürfen. So was hebt das Selbstwert- und das Zusammengehörigkeitsgefühl einer ganzen Generation. Und davon können selbst Erwachsene noch etwas lernen.
![]() |
||||
|
|||||||||||||||