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Mark Hintzen, Elisabeth Ulrich und Walter
Spieske in „Claudio“
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Die Kassenknüller
Werfen wir einen Blick auf die momentanen Vorführpläne der hiesigen
Lichtspielhäuser; ganz hoch oben auf der Liste: der Kassenknüller „American
Pie 2“, gefolgt von einem weiteren Nachfolger – „Scary Movie 2“ –
außerdem „Zickenterror – Der Teufel ist eine Frau“, die ambitionierte
Comicverfilmung „Ghost World“, der Kirsten Dunst-Hit „Verrückt/Schön“,
die deutschen Produktionen „Engel + Joe“ und „Nichts bereuen“ sowie
die Blondinen-Farce „Natürlich blond!“ mit Reese Witherspoon (allesamt
2001). All diese Filme haben etwas gemeinsam: Keiner ihrer Protagonisten hat
die magische 20 überschritten, somit fallen sie alle in eine folgenschwere
Kategorie: Teenager.
Teen-Terror
Viele Eltern fragen sich, was sie eigentlich falsch gemacht haben, wenn
ihre Tochter urplötzlich eine heiße Leidenschaft für Hard-Rock-Musik oder
ältere Männer entdeckt; ebenso machen sie sich Vorwürfe, wenn sie im
Zimmer ihrer Prinzessin eine Packung Zigaretten oder schlimmer noch einen
angerauchten Joint entdecken. Was tun, wenn der Sohn sich mit schmutzigen
Pornoheftchen unter der Matratze Befriedigung verschafft oder eines Nachts im
Vollrausch zur Tür hereintorkelt und sich später nicht wie üblich auf der
Toilette sondern im eigenen Bett des überschüssigen Alkohols entledigt? Wie
können Eltern mit Rat und Tat zur Seite stehen, wenn die Tochter sich
zwischen Basketballstar und Klassenlehrer entscheiden muss? Wie helfen sie
ihrem Sohn dabei, das gerade bei Beate Uhse frisch bestellte Zubehör zu
bedienen? Fragen über Fragen und die einzige Antwort muss lauten: „Eltern,
solange eure Kinder nicht zu euch kommen, haltet euch raus!“ Das gilt
selbstverständlich nicht für schwerwiegendere Angelegenheiten wie sexueller
Missbrauch, Drogenkonsum, kriminelle Anwandlungen etc.
„Als ich noch jung war..."
Obwohl jeder Erwachsene die Schreckensphasen der Pubertät mehr schlecht
als recht hinter sich gebracht zu haben meint, fällt es ihm häufig schwer,
sich in die Jugend hineinzuversetzen: Sprüche wie „Früher war alles ganz
anders.“ oder „Wir hatten damals gar nicht die Möglichkeiten...“ rufen
bei Jugendlichen Brechreiz hervor. Doch auch, wenn Eltern übertriebenes
Verständnis für ihre Zöglinge aufbringen, stößt das bei denen meist auf
Ablehnung; welcher Teenager möchte sich schon ernsthaft vorstellen, wie die
Nacht seiner Schöpfung zum Höhepunkt gefunden hat? Damit Eltern nicht
vollends an ihrer Hilflosigkeit verzweifeln, sei ihnen geraten,
Unterstützung von außen nicht bloß zu akzeptieren sondern auch willkommen
zu heißen. So ist die in Verruf geratene Zeitschrift „Bravo“ über
Generationen hinweg zum Ratgeber der Jugend avanciert und ist aus der
heutigen Pop-Kultur nicht mehr wegzudenken. Ebenso sind literarische Ergüsse
wie z. B. Benjamin von Stuckrad-Barres „Soloalbum“ ein absolutes
Pflichtprogramm für Heranwachsende. Da sich aber nicht jeder Sprössling
für Literatur begeistern lässt, hat es ein anderes Medium geschafft, wie
kein zweites der Generation X-Y-Z aus dem Herzen zu sprechen: der Film.
Pickel, Partys, Pornoheftchen – die Probleme Heranwachsender als
Publikumsmagnet
Nicht erst seit dem enormen Erfolg der College-Klamotte „American Pie“
(USA 1999) hat die Filmwelt entdeckt, dass der so genannte Reifungsprozess
nicht nur viel Stoff sondern auch viel Kasse verspricht. Die Hauptzielgruppe
von Kinofilmen sind junge Leute zwischen 14 und 24 Jahren; demnach ist es
nicht überraschend, dass der Teenager-Film längst kein Sub-Genre mehr ist.
Genres
Im Gegenteil, die Kategorisierung von Teen-Movies ist endlos; wir hätten
da die College-Comedy („American Pie“), den Teen-Horror
(„Scream“ USA 1996), den Teen-Thriller („Ich weiß, was Du letzten
Sommer getan hast“ USA 1997), das Generationsportrait („Nowhere“ USA
1997), das Heranwachsenden-Drama („Stand By Me“ USA 1986), die
romantische Teen-Comedy („Eine wie keine“ USA 1999), die tragische
Teen-Love-Story („Eiskalte Engel“ USA 1999), den Independent-Teen-Film („Welcome
to the Dollhouse“ USA 1995), den Teenager-machen-Musik-und-tanzen-Film („Dirty
Dancing“ USA 1987, „Fame“ USA 1980), nicht inbegriffen
generationsübergreifende Filme wie „American Beauty“ (USA 1999)
oder gar die Verpflanzung von historischen Stoffen ins Teenagermilieu („10
Dinge, die ich an dir hasse“ USA 1999), die auf Motiven von Shakespeares
„Der Widerspänstigen Zähmung“ beruht.
Wie alles begann...
So besitzt die Jugend nicht nur ihr eigenes Kinopanoptikum sondern auch
seine eigenen Stars: Die Liste reicht von Neve Campbell über Ryan Phillipe
bis zu Julia Stiles. Denen blüht eine rosige Zukunft, wenn man bedenkt, dass
selbst Stars wie Jodie Foster („Jeanies Clique“ USA 1980), Michelle
Pfeiffer („Grease 2“ USA 1982), John Travolta („Saturday Night Fever“
USA 1977) und Tom Cruise („Lockere Geschäfte“ USA 1983) in Teen-Movies
ihrem frühzeitigen Ruhm entgegentraten. Der Siegeszug über die Leinwände
dieser Welt begann schon Anfang der 50er-Jahre mit Filmen wie „... denn sie
wissen nicht, was sie tun“ in dem Teenager-Idol James Dean als „Rebel
Without a Cause“ (Originaltitel) Weltruhm erlangte. Standen damals noch
Autorennen und Schmuseorgien in Autokinos als rebellischer Auswuchs gegen die
Moralität der Schranken auferlegenden Erwachsenenwelt, so haben die
Jungspunde der 80er und 90er Jahre sowie des neuen Jahrtausends mehr mit den
eigenen Schwächen und Konventionen ihrer Generation zu kämpfen. Die
strengen Lehrer und unterdrückenden Eltern sind der intriganten
Highschool-Zicke und dem prügelnden Football-Spieler gewichen. Die
Autorennen wurden zu hemmungslosen Saufpartys, und das heute als spießig
geltende Autokino-Knutschen findet eine neue Verkörperung in jeglichen (Ab-)
Arten des Sexualverkehrs (Motto: egal wo, egal wie, egal womit).
Alles Pie
Bei der Freizügigkeit, mit der heutzutage ehemalige Tabuthemen behandelt
werden, bleibt einem schon mal das Lachen im Halse stecken. Nicht selten
driftet die flotte Teen-Comedy in brachialen Klamauk ab; als Beispiel dient
hier die israelische „Eis am Stiel“-Reihe, die es schaffte, sich nach dem
großen Erfolg des noch recht unterhaltsamen ersten Teils von Fortsetzung zu
Fortsetzung an Kalauern, peinlichen Dialogen und erbärmlicher Handlung zu
übertreffen. So wurde aus der peppigen Jungs-suchen-Mädels-am-Strand-Comedy
ein öder Jungs-poppen-Mädels-am-Strand-Softporno.
Dennoch, ohne „Eis am Stiel“ hätte wohl die erfolgreichste
Teenager-Komödie der 90er Jahre nie das Licht der Leinwand erblickt: „American
Pie“ war im letzten Jahr ein weltweiter Überraschungshit. Allein in
Deutschland lockte der Film mehr als 6,5 Millionen begeisterte Zuschauer in
die Kinos; es darf allerdings bezweifelt werden, dass auch nur einer von
ihnen die 40 überschritten hat. Dabei bietet „American Pie“ nichts
wirklich Neues; keiner kann ernsthaft behaupten, dass die Handlung (eine
Gruppe pubertierender Highschool-Bubis will endlich ihre Jungfräulichkeit
verlieren) in irgendeiner Art und Weise innovativ und nicht (von besagtem „Eis
am Stiel“) abgekupfert sei. Zugegeben, der Film ist in einigen wenigen
Szenen zum Brüllen komisch – man denke da nicht nur an die
Apfelkuchen-Szene (Hauptdarsteller Jason Biggs taucht ein in die Welt des „American
Pie“), inzwischen wohl ein moderner Klassiker, sondern auch an „Damals im
Ferienlager...“, zum Schreien.
Derber Humor
Aber auch diese Art des derben Humors, der das Überraschungsmoment
perfekt nutzt, fand bereits in dem Farrely-Klamauk „Verrückt nach Mary“
seinen Höhepunkt. Was ist es also, das Teenager aus aller Welt an diesem
Film so begeistert? Vermutlich sind es genau jene Szenen, in denen die
Jugend mit entwaffnender Ehrlichkeit bloßgestellt wird. Der Film tut
das ohne erhobenen Zeigefinger, ohne falsche moralinsaure Botschaft; er macht
einfach nur Spaß und besitzt durchaus eine versöhnliche Wirkung. So werden
z. B. Horrorvorstellungen von Teenagern (Eltern überraschen ihren Sohn
dabei, wie er sich selbst befriedigt) in brillanten Slapstick-Einlagen zu dem
degradiert, was sie in Wirklichkeit sind: nichts als dermaßen peinliche und
dennoch ungemein komische Situationen. Kein Drama. Keine Tragödie. Keine
Katastrophe. „American Pie“ ist alles andere als ein „Problemfilm“
und hebt sich somit angenehm vom amerikanischen TV- und Kinoeinerlei, das „die
Jugend und ihre Gefühle und Probleme [vielleicht etwas zu] ernst nimmt“
ab.
Dennoch hätte man sich eine etwas konsequentere Umsetzung gewünscht,
denn die seichten Liebesgeschichtchen, von denen der Zuschauer leider auch in
„American Pie“ nicht verschont bleibt, versprühen wenig des makabren
Esprits, der einem in besagten Szenen vor Lachen die Tränen in die Augen
steigen lässt.
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