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Berlinale 2003Über Filme zu sprechen ist während der Berlinale Pflichtübung. Vor und nach den Filmvorführungen, in den Cafés, auf den Empfängen werden Vermutungen, Gerüchte und Einordnungen in die Filmgeschichte vorgenommen, wird das, was sonst im Eiltempo zwischen Werbeblöcken an den Augen der Zuschauer vorbeisaust, mal richtig ernst genommen. An dieser Stelle wollen wir unsere frischen Eindrücke zu Berlinale-Filmen der wichtigsten Sektionen festhalten, Empfehlungen geben, über alle Maßen loben oder vor gesundheitsgefährdend schlechten Filmen warnen. Wir wünschen allen Freunden der Filmkunst ein schönes Filmfestival. WettbewerbDer alte Affe Angst( Oskar Roehler / Wettbewerb / 14.02.2003) "Der alte Affe Angst" ist ein zwiespältiger Film und extrem anstrengend für den Zuschauer. Eine weichgespülte Liebesgeschichte wie sie in Hollywood gang und gebe ist, wird man bei diesem Film nicht vorfinden. Die Ärztin Marie und der Regisseur Robert sind ein äußerst gegensätzliches Paar. Schon in der Eingangsszene wird der Zuschauer auf extreme Weise mit dieser Problematik konfrontiert. Sie streiten, scheinbar wie so oft. In einer Lautstärke und Emotion, die einen eigentlich aus dem Kinosaal treiben sollte. Abgestoßen und doch interessiert, entscheidet man sich jedoch zu bleiben und erlebt eine ähnliche Achterbahnfahrt der Gefühle wie die Akteure. Wenn die beiden nicht gerade heftig streiten, verbindet sie eine fast schon kindliche und naive Liebe. Robert ist allerdings nicht fähig emotional und gleichzeitig körperlich zu lieben. So bleibt ihr Liebesleben auf der Strecke, was die Beziehung extrem belastet. Als Roberts Vater, zu dem er bisher wenig Kontakt hat, unheilbar krank wird und schließlich stirbt, fällt Robert in ein tiefes Loch und sucht Ablenkung bei Prostituierten. Als Marie Roberts Doppelleben entdeckt, wird ihre Beziehung auf eine harte Probe gestellt. Ziemlich verstört, aber auch irgendwie mitgerissen habe ich den Kinosaal verlassen. Ich fühlte mich allerdings nicht wirklich im Kino, sondern eher in einem modernen Theaterstück. Roehler inszeniert diesen Film wie ein Kammerspiel. Auch dass Robert ein moderner Theaterregisseur ist verwundert kaum. Vielleicht gehört dieser Film besser auf eine Bühne. Doch der Wechsel ins Medium Film gelingt auf eine gewisse Art und Weise, wenn auch etwas befremdlich. Besonders erwähnenswert sind die herausragenden schauspielerischen Leistungen von Marie Bäumer und André Hennicke. Nur Schauspieler wie Ralf Bauer haben hier nichts verloren. Schade ist auch, dass die emotionale Gradwanderung von Marie schnell ins Hysterische abdriftet. Der Film ist anstrengend, vielleicht weil er erschreckend realistisch gezeichnet ist. Den Film wird man zumindest nicht so schnell vergessen. Für ein breites Publikum ist er allerdings weniger geeignet. Gesehen von Birgit Bagdahn Son frère(Patrice Chéreau / Wettbewerb / 11.02.2003 ) Zehn Jahre leben zwei Brüder ohne jeglichen Kontakt zueinander. Und wie es das Schicksal will, finden sie einander wieder, allerdings über ein tragisches Ereignis. Der ältere Bruder namens Thomas wird von einer schweren Krankheit in Besitz genommen und muss mit seinem baldigen Tod rechnen. Er sucht sofort den Kontakt zu Luc, der aber ebenso nur schwer mit der neuen Situation umgehen kann. Für Beide gilt es nun eine schwierige Hürde zu überwinden, die nicht nur ein Auskommen mit dieser unbarmherzige Krankheit, sondern auch das Lösen alter, tiefgreifender Konflikte umfasst. Dies soll ihnen gelingen. Einerseits durch Lucs regelmäßige Besuche im Krankenhaus, bei denen er sich dem fast schon unwürdigen Leben seines Bruders stellt, und anderseits durch ihren Rückzug in das Haus ihrer Kindheit. So tragisch es auch klingen mag, gerade durch Thomas todbringende Krankheit finden die beiden Brüder wieder zueinander. Dieser Film ist ergreifend und abstoßend zugleich. Als Zuschauer spürt man beide Charaktere äußerst intensiv in ihren Gedanken und Emotionen, was nicht nur auf die großartige schauspielerische Leistung von Bruno Todeschini und Eric Caravaca zurückzuführen ist, sondern auch auf die überzeugende und nahe Erzählung beider Lebensgeschichten. Regisseur Patrice Chéreau bringt seinem Publikum das Leiden des erkrankten Thomas, als auch das Mitleiden von Luc nahe, der den körperlichen Verfall seines Bruders nur schwer ertragen kann. Sehr stark im Zusammenhang mit diesem emotionalen Aspekt stehen die abstoßenden Szenen im Krankenhaus, die dem Zuschauer mit Blutergüssen, geröteten Narben, Eiterungen, bloßgestellten Körpern, sowie einer insgesamt kalten Atmosphäre Bilder aufzwingen, denen man sich nur ungern stellt. Sehr gut gelungen ist der feinfühlige Einsatz von Musik. Erst zum Schluss des Films arbeitet der Regisseur mit einer musikalischen Untermalung der Szenen, welche dadurch emotional stark betont werden und die Aufmerksamkeit des Zuschauers auf sich richten. "Son Frère" vermittelt, wie viele andere Filme der Berlinale, eine sehr depressive Stimmung, findet aber wegen seiner wunderbaren Umsetzung großen Zuspruch, zumindest meinerseits. Gesehen von Christian Schall La Fleur du Mal(Claude Chabrol / Wettbewerb / 11.02.2003) Die Familie Charpin-Vasseur scheint verflucht: seit Generationen geschehen immer wieder unheimliche Dinge, wie tödliche Autounfälle, Morde und Inzest. Und jetzt verbreitet jemand auch noch unschöne Halbwahrheiten via Flugzettel quer durch die Stadt, obwohl, oder besser weil, gerade der Wahlkampf von Anne Vasseur um den Stadtratsposten läuft. Genau an diesem Tag kehrt François, nach 4 Jahren in Amerika, nach Hause zurück. Es scheint alles wie früher: Seine Stiefmutter kandidiert wieder, Tante Line sorgt für Heiterkeit im Haus, sein Vater ist ihm immer noch ein unangenehmer Zeitgenosse und die Liebe zu seiner Halbschwester Michèle ist genauso stark wie vor seiner Abreise. Er beginnt eine Liebschaft mit Michèle, nachdem sich herausstellt, dass sie nicht mit ihm verwandt ist. Sein Vater Gérard betrügt Anne mit mehreren Frauen, und wird außerdem von Michèle als Urheber des Flugblattes verdächtigt, die daraus schwerwiegende Konsequenzen zieht. Die Lage spitzt sich zu. Claude Chabrol nimmt sich auch in diesem Film sein Lieblingsthema vor: Das verkorkste französische Bürgertum. Im Vordergrund steht dabei die Heuchelei, mit der sich alle gegenseitig voreinander schützen, ohne sich zu vertrauen. Gewissen- und konsequenzlos wird in konventionellsten Kreisen gegen alle Konventionen verstoßen. Auf spannende Weise tragen die nüchtern gezeichneten Charaktere die Geschichte voran. Die Auswahl der Motive und der feinfühlige Umgang mit Musik geben dem Ganzen den passenden Rahmen, zeigen die enorme Routine mit der Chabrol seinen Film inszeniert. Vor allem die Auftritte der Tante Line, gespielt von Suzanne Flon, sind köstlich amüsant. Ein überaus sehenswerter Film! Gesehen von Jochen Miksch u. Daniel Vogelmann Goodbye, Lenin(Wolfgang Becker / Wettbewerb / 11.02.2003) Ostberlin, Ende der 80er Jahre - Alex lebt mit seiner Schwester und seiner Mutter zusammen in einer Plattenbausiedlung. Nach der Flucht des Vaters in den Westen wendet sich Alex Mutter einer neuen Liebe zu, der Liebe zum sozialistischen Vaterland. Obwohl Alex ein besonders enges Verhältnis zu seiner Mutter hat, kann er ihre Vorliebe für den Sozialismus nicht teilen. Bei einer Demonstration erleidet sie einen Herzinfarkt und fällt für 8 Monate ins Koma. Den Mauerfall 1989 und den Siegeszug des Kapitalismus erlebt sie nicht mit. Als sie schließlich aus dem Koma erwacht, existiert die Welt die sie bisher kannte nicht mehr. Da ihr Gesundheitszustand weiterhin bedenklich ist und Alex sie nicht mit der Realität konfrontieren möchte, fängt er an ihr in den eigenen vier Wänden das Fortbestehen des Sozialismus vorzutäuschen. Alles soll so sein, wie zu dem Zeitpunkt als sie die Wohnung verlassen hat. Doch dies gestaltet sich nicht so einfach wie Alex annimmt, denn die altbekannten Lebensmittel und vertrauten Fernsehsendungen gibt es nicht mehr. So sieht sich Alex gezwungen Lebensmittel umzufüllen, Nachbar zu mobilisieren, alte Klamotten aufzutreiben. Das Ganze entwickelt sich immer mehr zu einem Selbstläufer, der droht aus dem Ruder zu laufen und schließlich Alex Erfindertum deutlich herausfordert. "Goodbye, Lenin" ist ein äußerst gelungener Film mit viel Liebe zum Detail, bewegender Musik und ergreifenden Bildern. Immer wieder finden Dokumente der Zeitgeschichte Einzug in die fiktive Handlung, durch die man unweigerlich an einer kleinen Zeitreise teilnimmt. Sehr amüsant aber auch rührend sind Alex Versuche (überzeugend gespielt von Daniel Brühl) den Sozialismus für seine Mutter aufrecht zu erhalten. Nicht entgehen lassen! Gesehen von Birgit Bagdahn LICHTER(von Hans-Christian Schmid / Wettbewerb / 11.02.2003) Ich war deprimiert als ich aus "Lichter" heraus in die eisige Kälte Berlins trat. Deprimiert und glücklich darüber, endlich einen Film gesehen zu haben, der den Goldenen Bären in jeder Hinsicht verdient hätte. Die Erzählstruktur des Werkes erinnert eindeutig an "Magnolia" von Anderson, verzichtet jedoch auf dessen zermürbende Länge. In "Lichter" wandeln verschiedenste Menschen im Mikrokosmos der polnisch-deutschen Grenze, vereint durch die Suche nach Glück, jeder für sich an sich selbst scheiternd. Natürlich, dies ist kein neues Thema und auch die zu Gunsten der Authentizität teilweise heftigst wackelnde Kamera schaukelt sich uns seit der Dogmarevolte immer wider ins Sehbewusstsein, hier jedoch erreicht die wunderbare Welt der Identifikation eine Kraft, der sich kaum einer entziehen kann. Jeder der wundervoll gespielten Hauptcharaktere spiegelt unsere kleinen Fehler und unsere großen Sehnsüchte wieder und dies macht uns als Publikum verwundbar. Dem uralten Prinzip des aristotelischen Theaters folgend, erreicht Schmid, dass sein Publikum am Ende des Films geläutert in die Welt tritt um diese zu verbessern. Wir Cinephile, die den deutschen Film noch nicht ganz abgeschrieben haben, sehen bestätigt, dass sich Mut auszahlt. Gesehen von Daniel Vogelmann MADAME BROUETTE(von Moussa Sene Absa / Wettbewerb / 10.02.2003) Ein als Frau verkleideter Mann betritt eines Morgens sein Zuhause. Dort erwartet ihn eine unangenehme Überraschung, denn Madame Brouette bedroht ihn mit der Waffe. Es fallen mehrere Schüsse. Der Mann wankt aus der Tür und stirbt. So beginnt und endet dieser ungewöhnliche Film, wobei der Schluss natürlich die Aufklärung der Mordtat beinhaltet. Die Geschichte spielt in Afrika. Madame Brouette, auch Mati genannt, verdient ihren Lebensunterhalt über den Sandaga-Markt, auf dem sie aus ihrer Schubkarre Trödelkram verkauft, stets begleitet von ihrer kleinen Tochter. Ihr Leben erfährt eine plötzliche Veränderung, als sie ihrem künftigen, charmanten Mann Naago begegnet. Doch der Glaube, den Mann ihres Lebens gefunden zu haben stellt sich bald als Irrtum heraus, denn Naago treibt illegale Geschäfte und vergnügt sich mit anderen Frauen. Trotz dieser Enttäuschung gelingt es ihr schon bald, den Traum eines eigenen Lokals zu erfüllen. Auch ein zweites Kind erwartet sie, allerdings steht ihr Naago bei der Geburt nicht zur Seite und vergnügt sich anstatt dessen auf einer Feier. Madame Brouettes negative Einstellung gegenüber Männern bestätigt sich. Sie ist zu Tiefst enttäuscht und erwartet ihn Zuhause... Zwiespältig ist meine Meinung zu diesem Film. Einerseits ist es eine sehr innovative Geschichte, die einen Einblick in den uns völlig fremden, afrikanischen Alltag ermöglicht. Regisseur Moussa Sene Absa zeigt seinem Publikum hierbei nicht nur die afrikanische Kultur, sondern auch eine neue Generation afrikanischer Frauen, die sich gegen die bisherige Dominanz ihrer Männer wehrt. Leicht und spielerisch geht er mit seiner Geschichte um und hilft mit einem gewissen Humor über den eigentlich ernsten Inhalt hinweg. Allerdings bereitet mir die schauspielerische Umsetzung Schwierigkeiten. Die einzelnen Personen der Geschichte wirken in ihrem Charakter und ihrem Auftreten zum Teil nicht glaubhaft, was durch manch unpassende Szenen noch forciert wird. Zudem scheint mir die Ermordung von Naago durch seine Frau nicht begründet genug, auch wenn sich dieser alles andere, als aufrichtig und verantwortungsvoll verhält. Weiterhin fällt es schwer, die humorvolle Umsetzung der Mordaufklärung durch die Polizei anzunehmen. Die Idee, innerhalb dieses Handlungsstrangs ein humoristisches Element einzubauen ist angesichts des ernsten und in der Rahmengeschichte auch ernst dargestellten Mordfalls, einfach nicht passend. Meiner Meinung nach hätte die Geschichte besser und vor allem glaubwürdiger umgesetzt werden können. Trotz aller Kritik sollte dieser Film, oder besser diese Art Film, Unterstützung finden. Denn eine afrikanische Geschichte ist eine willkommene Abwechslung zu der Flut kommerzieller, "westlicher" Standardfilme. Mit der Förderung solcher Projekte, würde der notwendige Erfahrungswert gesteigert und mit Sicherheit eine qualitativ höherwertigere Umsetzung ermöglicht werden. Gesehen von Christian Schall Panorama / SonstigesWolfsburg(Christan Petzold / Panorama) Der Autohändler Philip ist mit dem Auto auf den Weg zur Arbeit. Er ist unkonzentriert, streitet über das Handy mit seiner Verlobten. Als ihm das Telefon runter fällt, ist er für einen kurzen Moment vom Verkehr abgelenkt. Er überfährt einen kleinen Jungen. Er hält zwar an, doch er ist nicht fähig auszusteigen und fährt schließlich weiter. Doch sein Leben lässt sich nicht so einfach fortführen. Niemandem erzählt er etwas über den Unfall, Versuche sich selbst zu stellen scheitern aus Feigheit. Er ist unkonzentriert bei der Arbeit, auch seine angeschlagene Beziehung zu seiner Verlobten vermag er nicht zu retten, zu sehr ist er gedanklich bei dem Unfall. Parallel wird die Geschichte des Jungen erzählt. Er hat den Unfall überlebt, liegt aber im Koma. Als Philip mit seiner Verlobten im Urlaub ist, stirbt er. Seine Mutter Laura macht sich auf die Suche nach dem Fahrer des Wagens. Philip versucht Kontakt mit Laura aufzunehmen, da ihn die Geschehnisse nicht mehr los lassen. Er lernt sie kennen, doch er findet nicht den Mut ihr die Wahrheit zu sagen. Die beiden verbringen immer mehr Zeit zusammen und kommen sich näher. Doch dann findet Laura die Wahrheit raus… Wolfsburg - ein Film so belanglos wie die Stadt, in der er spielt. Ich darf das behaupten, ich komme von dort. Unoriginell ist es, einen Film "Wolfsburg" (Die Stadt des Volkswagens!) zu nennen, die Handlung um einen Autohändler kreisen zu lassen, der ein Kind überfährt. Der später scheinbar nichts Besseres zu tun hat als weiterhin unkonzentriert mit dem Auto durch die Gegend zu fahren. Und als ob das nicht schon genügt, auch noch zu versuchen, so viele Automarken wie möglich in einem Film unterzubringen. Dabei klingt die Geschichte inhaltlich noch halbwegs interessant. Vor allem von Darstellern wie Benno Führmann und Nina Hoss habe ich mir deutlich mehr versprochen. Doch diese agieren den ganzen Film über nur mit emotionslosen Gesichtern. Als Zuschauer kauft man ihnen leider überhaupt nichts ab. Die Verwendung von Musik hätte vielleicht Abhilfe schaffen können, doch auf die wurde so gut wie verzichtet. Der nüchterne Inszenierungsstil, den Petzold hier versucht, mag bei anderen Regisseuren geglückt sein, ihm gelingt er nicht. Das monotone Spiel der Darsteller und das austauschbare Geplauder der Figuren führen eher zur gähnenden Langeweile auf Seiten der Zuschauern. Schade. Gesehen von Birgit Bagdahn Grüsse aus Dachau(Bernd Fischer / Perspektive Deutsches Kino / 11.02.2003)
Die Dokumentation beginnt mit einer Postkartenlandschaft und trägt dazu den passenden Titel "Grüsse aus Dachau". Alles erscheint völlig normal, wäre da nicht der Name der Stadt und die Gedenkstelle des Konzentrationslagers Dachau. Doch wie gehen die Bewohner heute mit der Geschichte ihrer Stadt um? Dieser Frage ist der Dachauer Regisseur Bernd Richter nachgegangen. Für die meisten der Bewohner ist die KZ-Gedenkstelle Alltag geworden. Den Rummel um ihre Stadt kennen sie bereits. Doch für einige existiert das Wort Alltag und Normalität in nur abgeschwächter Form. Max Mannheimer ist einer von ihnen, er hat das KZ überlebt und beschäftigt sich noch heute jeden Tag bei seinen Führungen durch das Konzentrationslager mit dem Thema. Bernd Fischer zeichnet von seiner Heimatstadt ein liebevolles Porträt, dass sowohl die lustigen, aber auch die traurigen Seiten vereint. Aufgrund der Ehrlichkeit seiner Bilder gelingt ihm die Gradwanderung zwischen beidem sehr gut. Dachau ist keine Stadt wie jede andere, auch die Bewohner sind es nicht. Oder etwa doch? Gesehen Birgit Bagdahn DEVOT(Igor Zaritzki / Panorama / 13.02.2003) 1.RezensionEin grandioses Meisterwerk der Filmkunst - doch leider nur in meiner Phantasie. Ich wünschte ich hätte auch so viel Vorstellungsvermögen gehabt, wie die beiden Hauptakteure Anja und Henry. Dann hätte ich zumindest in meiner Phantasie einen gelungenen Film gesehen. Doch die Realität war härter und konfrontierte mich mit zwei laienhaften und ausdruckslosen Schauspielern, die in einem abgelegenem Fabrikloft ein sexuelles und psychologisches Katz-und Mausspiel versuchen. Anja und Henry sind beide auf der Suche nach dem ultimativen Nervenkitzel. Henry nimmt die angebliche Prostituierte Anja mit zu sich nach Hause. Doch dort stellt sich heraus, dass sie gar keine ist, sondern sie lediglich Sex mit einem Fremden reizen würde. So richtig scheint der Funke bei den Beiden allerdings nicht überzuspringen. Anja zieht es vor zu gehen, doch vorher lässt sie noch Henrys Geldbörse mitgehen. Er bekommt den Diebstahl mit, fesselt sie und ruft die Polizei. Wenn sie ihm aber eine Geschichte erzählt, würde er sie frei lassen. Also beginnt Anja von Lilly zu erzählen, die auf einer Party vergewaltigt worden ist. Während des Gesprächs kommen sich die beiden näher und schlafen miteinander. Danach verhält sich Anja abweisend und fordert ihr vereinbartes Geld. Sie sei schließlich eine Prostituierte und habe ihm lediglich das vorgespielt, was er sehen wollte. Sie geht, doch kurze Zeit später kommt sie zurück. Alles war nur ein Fake. Im Laufe des Abends verstricken sich die beiden immer mehr in ein vertracktes Psychospiel, das zu eskalieren droht. Die Grenzen zwischen Realität und Fiktion verwischen zunehmend. Was ist wahr und was existiert nur in der Phantasie der Protagonisten? Wahr ist, dass die Idee des Films sicher nicht schlecht ist, im Gegensatz zur Umsetzung. Aber warum besetzt man einen Film, wie diesen der nur mit ausdrucksstarken Schauspielern funktionieren kann mit laienhaft wirkenden Schauspielern, die keine Stimmungen transportieren können? Die hölzernen und klischeebelasteten Dialoge will ich erst gar nicht erwähnen. Der Film nahm ab Anjas Rückkehr laufend neue Wendungen ein, doch die erhoffte Überraschung blieb leider aus, da das meiste schon vorauszusehen war. Wie viele Möglichkeiten einen Film gut zu machen, kann man eigentlich vertun? Gesehen Birgit Bagdahn 2. RezensionAn welchen Kategorien kann ein Film scheitern? Da hätten wir das Herz eines jeden Films, das Drehbuch. Nichts ist furchtbarer als eine hanebüchne, sich unbeholfen voranschleppende Handlung gespickt mit lustlosen Dialogen. An diesen können dann langweilige Schauspieler scheitern, die unmotiviert und gleichzeitig von einfachsten Emotionen komplett überfordert von einer Szene in die nächste trotten. Dann hätten wir noch die Kamera, welche, falls Sie halbwegs professionell geführt wurde, durch einen lieb- und einfallslosen Schnitt durchaus zu Marienhofqualität degradiert werden kann. "Devot" gelingt es tatsächlich an allen Kategorien zu scheitern. Somit zeichnet sich dieses Werk eindeutig als schlechter Film aus; mehr noch: "Devot" erfüllt sämtliche Kriterien für Trash vom feinsten! Zwei Darsteller, die niemand kennt, jedoch bekannten Gesichtern irgendwie ähnlich sehen (und sich irgendwann ausziehen müssen), eine Handlung, die lustig vor sich hin plätschernd jeder Logik entsagt, unzählige Anschlußfehler und am aller wichtigsten: unfreiwilliger Humor! Während des ganzen Films wartete ich auf eine Wendung, die zeigt, dass der Film weiß, was er ist. Ich wurde jedoch enttäuscht. Zaritzki, der Autor/Produzent/Regisseur meinte all dies tatsächlich ernst. Gesehen Daniel Vogelmann Bokunchi(Mein Haus / von Junji Sakamoto / Panorama / 10.02.2003) Die jungen Brüder Itta und Nita leben schon in einem arg skurrilen japanischen Dorf: da gibt es die alte Dame mit ihren vielen Katzen, den Ziehharmonikaspieler, der aus einem Fellini-Film sein könnte, das chinesische Restaurant mit dem lausigen Essen, aber stets vollem Haus und meckernden Gästen, den prügelnden Rabauken, seine Opfer, die drei Gelegenheitsgangster, den witzigen und weisen alten Mann und viele mehr. Itta und Nita müssen sich in dieser Welt alleine durchschlagen, bis eines Tages ihre Mutter zurückkehrt mit ihrer älteren Schwester Kanoko, allerdings nur um das Haus zu verkaufen und die drei dann alleine zurückzulassen. Kanoko verdient sich im "Pink Salon" ihr Geld, wo sie Männern orale Freuden beschert. Sie versucht damit sich und ihre Geschwister durchzubringen. Itta will aber auf eigenen Beinen stehen und lässt sich deshalb mit dem Rabauken Koichi ein, der ihn allerdings ausnutzt und ständig verprügelt. Einzig Nita scheint niemals seinen Optimismus zu verlieren, bis er am Schluss miterleben muss, wie sein Bruder Itta aus dem Dorf abhaut und seine Schwester ihn, gegen seinen Willen, zu seinem Großvater, und damit weg aus dem Dorf, schickt. Der japanische Regisseur versteht es auf bemerkenswerte Weise die skurrile Welt dieses Dorfes auf die Leinwand zu bringen. Die Charaktere sind sehr glaubhaft dargestellt, obwohl der Film auf einem Zeichentrick-Manga basiert und sich auch stark in diesem Genre orientiert. Man drückt dem kleinen Nita buchstäblich die Daumen, dass er zusammen mit seinem Bruder und seiner Schwester die schwierigen Situationen meistert, zum Beispiel wenn Gangster hinter ihm und dem alten Mann her sind, und die zwei sich einfach totstellen und den Fluss hinuntertreiben lassen. Hervorzuheben ist außerdem die schauspielerische Leistung der beiden kleinen Jungen Yuma Yamoto (Itta) und Yuki Tanaka (Nita), die durch ihre direkte und freche Art für einige Lacher sorgen. Lediglich die letzten 15 Minuten erlauben den Anlass echter Kritik. Hier wurde zu sehr versucht die Atmosphäre noch durch Traumsequenzen und überladen wirkende Musik aufzublähen. Dies wurde von einigen Zuschauern dann auch mit Blicken zur Uhr quittiert (mich eingeschlossen), und der Film hatte eindeutig an Spannung und Schwung verloren. Wachgerüttelt wurde man dann aber heftigst vom Soundtrack des Abspanns: ein klasse japanischer Punkrocksong !! Dieser steht allerdings im absoluten Kontrast zur Schlussstimmung des Films und wirkte daher eher kontraproduktiv. Letztendlich kann man sagen, der Film hätte auch 15 Minuten vorher (vor der Traumsequenz) enden können, und hätte dann nichts von seiner tollen Atmosphäre eingebüßt. Trotzdem absolut sehenswert! Gesehen von Jochen Miksch Gesehen von Daniel Vogelmann Sungnyangpari Sonyue Jaerim(Die Rückkehr des Mädchens mit den Schwefelhölzern) (Jang Sun-Woo / Panorama / 13.02.2003 ) Grundlage dieses Films ist Hans Christian Andersens Märchen vom "Mädchen mit den Schwefelhölzern", allerdings auf die moderne Welt transformiert. Die Titelheldin lebt in der Cyberwelt eines Computerspiels und wird zur militanten, schwerstbewaffneten Feuerzeugverkäuferin, die unwillige Kunden kompromisslos erschießt. Ihr zur Seite steht Joo. Er soll das Leben des Mädchens vor dem Tode bewahren und erhält bei Erfüllung dieser Aufgabe nicht nur eine große Geldsumme, sondern auch die zarte Liebe des Mädchens. Rahmen der ganzen Geschichte ist die reale Welt, denn Joo ist eigentlich ein gewöhnlicher Junge, der sich leidenschaftlich gerne mit Computerspielen beschäftigt. Dabei taucht er vollständig in diese irreale Phantasiewelt ein. Nicht zu verkennen ist die Intention dieses Films. Regisseur Jang Sun-Woo schafft eine futuristische Parallelwelt, die für den spielsüchtigen Jungen von der Realität nicht mehr zu unterscheiden ist. Dabei überträgt sich die Brutalität des "Ballerspiels" auf den Jungen, der all die kriegerischen Mittel der Cyberwelt liebend gerne auch in seinem wirklichen Leben anwenden würde. Der Film behandelt die schon so oft diskutierte Frage, wie gefährlich gewaltverherrlichende Medien für die Psyche des Menschen tatsächlich sind - insbesondere bei Jugendlichen. Der gesellschaftskritische Hintergedanke ist ja schön und gut, doch er wurde meiner Meinung nach viel zu schwach betont. Der Film ist für mich viel mehr ein stupider Action-Baller-Streifen, dessen brutaler, blutiger Charakter die eigentliche Idee vollkommen überdeckt. Der Zuschauer sieht nahezu durchgehend Nahaufnahmen ballender Maschinengewehre mit der Antwort blutspritzender Schusswunden. Solcherlei Szenen wurden zwar oftmals mit einer fröhlichen, ruhigen und damit auch ironisch wirkenden Musik unterlegt, doch langte dies nach meinem Gefühl nicht aus, um dem Film seinen ursprünglich beabsichtigten Charakter zu verleihen. Insgesamt kann ich nur sagen: gute Idee, furchtbare Umsetzung. Gesehen von Christian Schall Teknolust(Lynn Hershman / Internationales Forum / 09.02.2003 ) Der Titel des Films ließ mich vorschnell schlussfolgern, dass ich es hier sicher mit einem videoclipartig geschnittenen Film mit entsprechend technolastiger Musik zu tun haben würde. Doch weder das eine noch das andere trat ein. Viel mehr fand ich mich in einem Film über Gentechnologie, oder besser gesagt, dem menschlichen Klonen wieder. Die Wissenschaftlerin Rosetta hat heimlich aus ihrem Genmaterial drei Klone - Ruby, Marinne und Olive - geschaffen (alle vier gespielt von einer wunderbar wandlungsfähigen Tinda Swinton). Die drei grenzen sich nicht nur optisch und charakterlich von der schüchternen Rosetta ab, sondern sie leben auch in ihrer eigenen virtuellen Welt. Diese besteht aus einem roten, blauen und grünen Raum. Um den Zuschauer nicht zu verwirren finden sich diese drei Farben nicht nur in den Namen der Schwestern wieder, sondern auch im farblich angepassten Nagellack und den Satinkleidern. Nur über einen Monitor können sie mit Rosetta kommunizieren. Ruby nimmt über das Internet Kontakt zu Männern auf, die sie später treffen und verführen wird. Safer Sex wird hier praktiziert damit Ruby das Sperma, dass das Lebenselixier der Klone darstellt, problemlos transportieren kann. Immer mehr Männer erkranken allerdings nach dem sexuellen Kontakt mit Ruby an einer seltsamen Krankheit, die großes Interesse bei Ärzten und Wissenschaftlern weckt und die die unauffällige Rosetta immer mehr in dem Mittelpunkt der Ereignisse rückt. Während sie damit beschäftigt ist, dafür zu sorgen, dass ihre illegal geklonten Schwestern nicht entdeckt werden, rebellieren diese gegen ihre virtuelle Welt. Sie wollen Teil der Realität werden, die sie bisher nur aus dem Fernsehen kennen. Rosetta gelingt es nicht, ihre unternehmenslustigen Schwestern zurückzuhalten. Ruby kommt bei ihren Erkundungen der Welt schließlich einem schüchternen Copy-Shop-Mitarbeiter näher. Aber auch die jungfräuliche Rosetta entdeckt die Liebe... "Teknolust" ist ein durchaus sehenswerter Film, in dem die US-Regisseurin Lynn Hershman auf amüsante Art und Weise ein hochaktuelles Thema aufgegriffen hat. Nicht nur die Möglichkeiten und unabsehbaren Folgen der Gentechnologie haben einen großen aktuellen Bezug, sondern auch die immer schwerer werdende Identitätssuche in unserer immer moderner werdenden Welt. Eine Möglichkeit sich mit diesem Problem auseinander zu setzen, bietet die mediale Welt, die es uns erlaubt Identitäten zu konstruieren und diese beliebig oft zu wechseln. Doch damit ist das Problem nicht gelöst, sondern es stellt lediglich eine Flucht aus der Realität dar. Die Menschen entfremden sich auf diese Weise immer mehr voneinander, obwohl sie eigentlich Nähe suchen. Die Charaktere, die Hershman geschaffen hat, sind alle auf der Suche nach sich selbst, nach ihrer eigenen Identität. Durch Liebe, Zuneigung und Nähe, die sie in ihrer virtuellen Welkt vermissen, wollen sie diese finden. Rubys Wunsch ist eine Einheit zwischen Fleisch, Seele und Icon, wie sie die Männer über das Internet wissen lässt. Doch Vorsicht, "Unsere wildesten Träume könnten wahr werden". In jeder Hinsicht. Gesehen Birgit Bagdahn MOONLIGHT MILE(von Brat Silberling / Panorama-Special / Deutschlandpremiere 09.02.2003) Der Film "Moonlight Mile" - so in großen Lettern nach dem Abspann zu lesen - ist der großen Liebe gewidmet. Und zwar der, die von uns gegangen ist und der, die noch kommt. Es geht also um Verlieren und Finden, um Trauer und Glück. Die Handlung ist schnell erzählt: Junge verliert Mädchen, trauert mit ihren Eltern und wird deren Ziehsohn. Eltern sind dann recht enttäuscht, als sie erfahren, dass 1. der Junge mit ihrer Tochter zum Zeitpunkt ihrer Ermordung schon Schluss gemacht hatte und 2. der Junge eine Neue hat. Schlimm, schlimm, aber am Schluss kann dann Wahrheit und Offenheit alle Gemüter wieder erhellen. Brat Silberling wollte den Gegensatz von Trauer und Glück auf die Leinwand transportieren indem er -ganz in der Tradition der französischen Tragikomödie - Komik und Tragik miteinander zu verbinden suchte. Ich weiß nicht warum, aber daran scheitern US-amerikanische Hollywoodregisseure in erschreckender Regelmäßigkeit. Silberling gelingt es anfangs jedoch recht gut: Der Film eröffnet mit einer Beerdigungsfeier. Eine dickliche Trauertante beugt sich zu einem Hund und meint betroffen, dass selbst der Hund krank aussehe an diesem traurigen Tage, woraufhin der Hund Sie melancholisch anblickt und anfängt, in hohem Bogen zu kotzen. Hervorragend! Doch nun nimmt die erfrischende Situationskomik nach und räumt das Feld für Großaufnahmen der schluchzenden Hauptdarsteller. Und schon wird der Film so berechenbar wie die Außenpolitik der US-Regierung: Am Schluss wird ein jeder wissen, was er falsch gemacht hat und schon ist das Leben wieder lebenswert. Dies wäre ein guter Schlusssatz, ich möchte jedoch noch anmerken, dass ich es am Ende des Films, dem Hund der Anfangsszene gerne gleich getan hätte, konnte mich jedoch angesichts der Tatsache, dass der Hauptdarsteller des Films, Dustin Hoffmann, anwesend war, zurückhalten. Gesehen von Daniel Vogelmann Party Monster(von Fenton Bailey u. Randy Barbato / Panorama Special / 09.02.2003) Michael Alig (Macaulay Culkin) hat es geschafft. Er ist der König der Club-Kids, einer Gruppe junger Erwachsener, die Ende der Achtziger das New Yorker Partyleben beherrschen. Dabei geht es nicht darum was man tut, sondern wer man ist (It´s not what you do, it´s what you are!). Ganz nach diesem Motto gestaltet sich dann auch der Prozess der Selbstverwirklichung/-findung: schräge Kostüme, auffälliges Make-Up, alle Sorten Drogen, homo- und heterosexuelle Affären. Es scheint fast keine Grenzen zu geben. Unterstützt wird Michael dabei von James St. James (Seth Green), der ihm zwar anfangs erst zeigen muss, wie man sich in Szene setzt, bald aber von Michaels Auftritten und Partys übertroffen wird. Michaels Drogenkonsum steigt dabei ständig weiter an, bis er eines Tages ausrastet, und seinen Drogendealer ermordet, als dieser von ihm zum wiederholten Male die Zahlung seiner Schulden fordert. An diesem Punkt beginnt auch der Film, der dann in einem Rückblick die Geschehnisse aufrollt. Da die Geschichte auf wahren Begebenheiten beruht, und sich auch möglichst an diese hält, verliert die Erzählung mit der Zeit an Spannung bzw. bekommt dokumentarischen Charakter, und es fällt auch teilweise schwer, sich in die Figuren und deren Denkweisen hineinzuversetzen, zumindest wenn man nicht Teil dieser Szene war. Seth Green wirkt dabei noch etwas überzeugender als Macaulay Culkin, dem doch noch etwas zu sehr das unschuldige Image des Kevin allein zu Haus anhaftet. Ansonsten ist der Film noch von Musikstücken aus dieser Zeit untermalt, die manchmal sehr gut passen, andere Male aber auch einfach nur als Lückenfüller benutzt werden, um die Geschichte voran zu bringen. Mein Fazit: Der Film dokumentiert sehr gut die Szene der Club-Kids, hat es aber schwer dem Anspruch eines Spielfilms mit Unterhaltungswert nahe zu kommen. Gesehen von Jochen Miksch Fureur - Wut(von Karim Dridi / Panorama-Special / 09.02.2003) Eine Geschichte, die in Paris spielt. Allerdings dominiert hier nicht das französische Flair, sondern vielmehr die asiatische Kultur. Mittelpunkt allen Geschehens ist die Liebe - zwischen Raphael, ehemaliger Boxer, sowie Besitzer einer Autowerkstatt, und der jungen Chinesin Chinh, die vor einigen Jahren nach Frankreich immigrierte. Natürlich ist dies neue Glück nicht unbelastet, denn Chinhs eigentlicher Verlobter Tony übt in seiner Eifersucht Rache aus und brennt Raphaels Werkstatt nieder. Hass und Wut sind entfacht und es beginnt eine tragische Geschichte, in die noch eine weitere, wesentliche Figur eingebunden ist. Raphaels Bruder Manu ist ein junger, viel versprechender Thai-Boxer, der sich auf dem Weg einer erfolgreichen Karriere befindet. Als er eines Tages bei einem illegalen, regellosen Boxkampf Chinhs Bruder Noi gegenübersteht, kommt Manu ums Leben. Raphael ist außer sich vor Zorn, er will Rache. Die Liebe zwischen ihm und der Chinesin Chin ist unmöglich geworden. Regisseur Karim Dridi hat es verstanden, die verschiedenen Kulturen in ihrer Verflechtung glaubwürdig zu präsentieren. Es ist weniger eine neue geschichtliche Idee, die begeistert, sondern vielmehr die eindrucksvolle Umsetzung alter Elemente, wie dieser aus Shakespeares "Romeo und Julia". Der Film beinhaltet über die teilweise nur schwer erträglichen Kampfszenen zwar eine gewisse Brutalität, allerdings wird diese nicht in einem Selbstzweck verwendet, sondern schafft einen Zugang zur emotionalen Seite der Charaktere, die voll Hass und Wut erfüllt sind. Dieses zentrale Element der Wut und der damit verbundenen Gewalt ist zu Beginn der Geschichte noch kaum zu erspüren, wohingegen es am Ende des Films den Zuschauer in seiner Wucht und seiner starken emotionalen Gebundenheit schon fast erdrückt. Fureur ist eine visuell, sowie schauspielerisch sehr gut umgesetzte Geschichte, dessen Thematik hingegen nur schwer verdaulich ist. Gesehen von Christian Schall Local Angel - Theological political Fragments(von Udi Aloni / Panorama / 08.02.2003) Dieser Film ist nicht auf die herkömmliche Art und Weise zu rezensieren, da man ihm so nicht gerecht werden könnte. Vielmehr war die Vorführung, die ich besuchte, ein Erlebnis, dessen Tragweite weit über die Bilder auf der Leinwand hinausging. Ich komme natürlich dennoch nicht um eine Beschreibung des Films herum: Der Film ist eine Dokumentation über einen in New York lebenden Israeli, der versuchen möchte seinen theologisch-politischen Hintergrund mit Hilfe seiner in Israel für Menschenrechte kämpfender Mutter zu verstehen. Er beschließt in sein Herkunftsland zu reisen und begleitet dort seine Mutter bei öffentlichen Reden, führt lange Gespräche und sinkt immer tiefer in den Konflikt zwischen Israel und Palästina. Unmissverständlich stellt sich der Film auf die Seite der missverstandenen Palästinenser, gegen die israelische Besatzungspolitik. In regelmäßig wiederkehrenden Interludien wird der auf Video gedrehte Film von clipartiggeschnittenen Musiksequenzen unterbrochen (wobei sich israelische Traditionsklänge und palästinensischer Sprechgesang abwechseln). Ich fand den Film furchtbar. Da sich die Aussagen der Interviewten inhaltlich andauernd im Kreis drehen und sich darüber hinaus ohnehin alle einig sind, ist der Film passagenweise gähnend langweilig. Die überaus stümperhaft in Szene gesetzten Musikclips versuchen hier entgegenzuwirken, scheitern jedoch an ihrer unprofessionellen Umsetzung. Für mich war spätestens nach einer halben Stunde klar, dass ich den Film zerreißen werde. Doch dann war der Film zu Ende, das Licht im Kinosaal ging an und der Regisseur trat vor das Publikum um Fragen zu beantworten. Zwei Dinge wurden mir auf einmal schlagartig klar: 1. Der Regisseur ist der Protagonist des Films und 2. Um mich herum sitzen nicht wenige Israeli. Eine überaus bewegende Diskussion folgte, in der das Publikum teilweise auf Englisch, teilweise auf Hebräisch Fragen stellte und viele sichtlich berührt waren von den Inhalten des gerade gesehenen Films. Eine Reihe vor mir saß eine junge Frau, die während der gesamten Debatte die Hände vor ihr Gesicht faltete und jedes Wort Udi Alonis aufzusaugen schien; der Kinosaal verwandelte sich in ein Forum der Diskussion und der Emotion. Da erst erkannte ich die Tragweite des Films: Aloni gelang es, die Menschen zu bewegen und zum Nachdenken anzuregen und dies sollte meines Erachtens Ziel eines jeden Films sein, ob fiktiv oder dokumentarisch. Also ist der Film, obwohl er furchtbar ist, gelungen. Gesehen von Daniel Vogelmann Fight Back, Fight AIDS(von James Wentzy / Panorama / 08.02.2003) Regisseur James Wentzy behandelt in seiner 75-Minuten langen Doku ein gesellschaftlich, sowie sozial interessantes, als auch bedeutendes Thema, doch leider konnte dessen Umsetzung, zumindest meiner Meinung nach, nicht überzeugen. Das Bildmaterial ist auf Video gedreht und trägt ausschließlich amateurhaften Charakter. Natürlich, es werden vorhandene Aufnahmen aus unterschiedlichsten Quellen zusammengetragen, um den Charakter dieser Bewegung vorzustellen und trotzdem bleiben mir nur die Worte: zu Zoom, zu Schwenk, zu Unruhig. Man hätte nichts dagegen einzuwenden, solcherlei Material zeitweise einzubauen, allerdings eine derartige Präsentation sich über die gesamte Filmlänge erstrecken zu lassen, ist für den Zuschauer nur noch anstrengend. Weiterhin wurde keineswegs auf einzelne Personen und deren Schicksale, sondern ausschließlich auf Demonstrationen und anklagende Reden führender Persönlichkeiten dieser Bewegung eingegangen. Für mich persönlich wurde zu sehr die Gruppe in ihrem Protest betont, anstatt den Zugang zu einzelnen Betroffenen zu finden. Trotz teilweise sehr ergreifender Bilder, hätte der Einbau einiger Interviews oder zumindest einer kommentierenden Stimme, die Doku mit Sicherheit um ein Vielfaches aufgewertet. Entsprechend meiner Rezension war auch die Reaktion des Publikums. Viele Zuschauer verließen bereits nach 30 bis 45 Minuten die Kinovorstellung, was die langfristig ermüdende und anstrengende Präsentation verdeutlichte. Auch wenn der Film meinerseits zu einem Großteil kritisiert wurde, sollte dies auf keinen Fall das Ansehen des Regisseurs in seinem Engagement schmälern. Auf jeden Fall trägt der Film dazu bei, das Bewusstsein der Menschen für die AIDS-Problematik zu sensibilisieren. Gesehen von Christian Schall
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