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Film und Kunst

Irgendwie ist es mit dem Film wie mit einem unförmigen Klumpen Lehm, der von Menschenhand zu Form gelangt.

Ein bildender Künstler organisiert zunächst seine Werkzeuge und Materialien, um mit deren Hilfe Bildeindrücke in Umrisse und Farbe, Materialien in eine Form zu fassen. So gut die zur Verfügung stehenden Materialien und Werkzeuge auch sein mögen, erst aus dem formenden Umgang entspringt letztlich etwas Besonderes: Ein mehr oder weniger beachtliches Kunstwerk entsteht.

Ein Film umfasst zahllose Einzelschöpfungen einer Vielzahl Kreativer. Doch der Vorgang, aus Gegebenheiten mit filmischen Werkzeugen und visionären Vorstellungen dem Film eine Gestalt zu verleihen, ist ähnlich. Alle zur Filmsprache gehörenden Elemente sollten bewusst gestaltet sein. Es liegt in der Natur der Filmherstellung, dass auch die Entscheidung für oder gegen ein bestimmtes Element zum kreativen Prozess dazu gehört.

Szenenfoto mit Annika Kuhl  aus „Midsommar Stories“,
Kamera: Stefan Spreer

Gestaltungselemente

Gestaltung in ihrem eigentlichen Sinn ist die Ausformung, die Konstruktion selbst aus nicht rationalen, manchmal gar vordergründig sinnlosen Gründen. Sie prägt das Erscheinungsbild, das Aussehen, die Anmutung dessen, was mit ihr verwirklicht wird.

Scheinwerfer für sich genommen, geben einfach nur Licht, machen einen begrenzten Bereich hell. Erst ihre Auswahl (Lampentyp), die Positionierung und Formung des Lichts und sein Kontrast zu Schattenanteilen und anderen Lichtquellen, machen es zu einem Element der Gestaltung. Sie erschaffen Räume und Atmosphäre.

Ton ist für sich genommen beliebig. Hört man etwa inmitten einer belebten Fußgängerzone die Schritte, die Stimmen und die Umweltgeräusche alle zusammen, versteht man so gut wie nichts mehr. Es ist ein wenig wie beim Turmbau zu Babel, wo wegen der vielen gleichzeitigen Sprachen keiner mehr etwas verstand. Erst die gezielte Auswahl einzelner Stimmen oder Ereignisse (z. B. mit Richtmikrofon und Tonangel) lässt den Ton zu einem Gestaltungsmittel werden (siehe Ton).

Filmhandlung und Dialoge bekommen erst durch die Ausgestaltung der Schauspieler, geführt durch die Regie, einen Atem, ein eigenes Leben innerhalb der Szenen eines Films. Ihre Positionen zueinander, zum Raum sowie innerhalb des kadrierten Filmbildes erschließen dem Zuschauer weitere Aspekte. Kameraperspektive, Fahrten und Schwenks beispielsweise, dynamisieren das Filmgeschehen und verdichten auf wichtige Elemente. Auch das, was wir nicht gezeigt bekommen, ist Gestaltung.

Was sie hier finden...

Kurzum, wir sprechen vom kreativen Umgang mit allen zu einem Film gehörenden Elementen. Dabei wollen wir die technischen Aspekte in dem Bereich "Filmgestaltung" außen vor lassen, denn je schlafwandlerischer man diese beherrscht, desto freier ist man, sich ausschließlich der Gestaltung zu widmen. Hier soll es um Fantasie, Formbildung, Auswahl und Verknüpfungen bei der Verwirklichung von Filmen gehen.

Als Ergebnis der vielfältigen schöpferischen Prozesse wird der fertige Film im Idealfall eine eigene Form haben, die mehr ist als die Summe seiner Einzelelemente und nur im Ganzen seine Besonderheit offenbart: seine Gestalt.

Gelingt all dies, sind wir dem zu einer Skulptur geformten Lehmklumpen wieder recht nah gekommen.

 
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