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Theoretisch ist die Variationsbreite der Möglichkeiten, eine Szene zu
erzählen, unendlich. Aufgabe der Regie und Kamera ist es, aus diesen
Möglichkeiten jene herauszufinden, die für den Film und die Geschichte
optimal sind.
Wie lernt man möglichst viel über Auflösung?
Die hohe Schule ist natürlich die Analyse von herausragenden Spielfilmen
der Filmgeschichte, vorzugsweise mit dem Videorekorder. Man kann sich
einzelne Einstellungen auf Papier skizzieren und so ganze Szenenabläufe
erfassen.
Eine simplere Methode die Grundprinzipien zu begreifen sind, so seltsam es
klingt, Comics und Fotoromane. Auch diese folgen meistens den Grundregeln der
Bildsprache. Ein Achsensprung etwa würde auch
im Fotoroman als Fehler auffallen!
Eine einfache, aber bewährte Art, eine Szene zu erzählen, ist es, die
eigene Wahrnehmung einer Situation als Mensch auf den Film zu übertragen.
Nehmen wir zum Beispiel folgende Szene: Sie gehen eine
Straße entlang, da bemerken Sie, in einem Straßencafe spielt sich eine
Eifersuchtsszene ab.
- Sie befinden sich zunächst einmal in einer gewissen Entfernung zu einer
Situation. Wir sehen die Straße, Häuser, gewinnen einen Überblick, wo
wir uns befinden. (Totale)
- Wenn sie etwas näher gekommen sind, können Sie die beteiligten
Personen genauer erkennen. (Halbtotale)
- Während Sie das Streitgespräch verfolgen, konzentrieren Sie sich
besonders auf den/die jenigen, die gerade sprechen, alles andere ist dann
für Sie weniger wichtig. (Nahe)
Ja und wie beim Schnitt eines fertigen Filmes werden Ihre Augen zwischen
den Streitenden mal hin, mal herschweifen (Schuss/Gegenschuss).
Vielleicht werden Sie auch eine Impression außerhalb der Streitenden
wahrnehmen, den staunenden Kellner oder die Eisschalen der Streitenden, die
unaufhaltsam zusammen schmelzen (Detail).
Ja und eigentlich haben Sie damit bereits eine mögliche
Auflösung für solch eine Szene verwirklicht. Vielleicht sollten wir an
dieser Stelle auch erläutern, was man unter Schuss/Gegenschuss versteht. Bei
einer Unterhaltung zweier Filmfiguren, die sich gegenübersitzen, zeigt man
abwechselnd, die beiden Partner sprechend oder zuhörend. Auf diese Weise
werden im Film die meisten Unterhaltungen aufgelöst.
Als Variante dieser Auflösung kann man aber auch im Bild des Sprechenden,
jeweils im Vordergrund den Anderen anschneiden. Man schaut ihm quasi über
die Schulter, weshalb die Einstellungsart auch „Over-Shoulder“
genannt wird. Dabei ändert sich der Winkel zum jeweiligen Darsteller, man
sieht ihn fast von vorne. Wie bei den meisten Gestaltungsmitteln im Film
sollte auch hier darauf geachtet werden, dass in beiden Richtungen von
Schuss/Gegenschuss dann eine „Over-Shoulder“ verwendet wird.
Manchmal werden solche Gespräche auch mit Zwischenschnitten ergänzt,
darin können weitere Personen, aber auch Gegenstände oder Räume abgebildet
sein. Wichtig ist, dass die Zwischenschnitte dramaturgisch sinnvoll sind
(Zeitung, Testament, Zifferblatt einer Uhr etc.) und nicht einfach nur
entstanden aus der Not, eine fehlerhafte Auflösung zu kaschieren. |