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Seitenzahlen
Einer der inflexibelsten Vertreter dieser mechanistischen Theorie der zeitbezogenen Drei-Akt-Struktur ist Syd Field. Es entbehrt nicht einer gewissen vordergründigen Logik, ein über Jahrtausende im Theater entwickeltes Prinzip auch auf den Film zu übertragen. Es ist ein wenig wie Kästchenpapier, jenes trügerische Sicherheit suggerierende Raster, nach dem der erste Akt nach 30 Seiten endet, der zweite 60 Seiten später und in jedem Akt soll sich ein eigener Spannungsboden entwickeln und zum nächsten hin steigern. Diese Theorie wird jedoch stark überschätzt. Schaut man etwas genauer hin, fragt man sich, ob dieses Theater-Raster wirklich in einem völlig anderen Zeitgesetzen unterworfenen Medium ohne jeden Pausenvorhang seine Gültigkeit hat. Das was man als erstes vergessen sollte, sind irgendwelche Seitenzahlen, an denen wie an Grenzübergängen bestimmte Übertrittsbedingungen erfüllt sein sollen. Und auch die eingeforderten Wendepunkte sind nur ganz bestimmten Geschichten hilfreich. Das ist Mechanik und kann im ungünstigsten Fall eine gute Geschichte sogar ruinieren. Wenn es sein muss, drei Ebenen
Ein Punkt, in dem viele Filme aber allen übrigen literarischen oder darstellenden Formen ähneln, ist der klassische Aufbau von Einleitung, Hauptteil und Schluss. Aber ist das wirklich eine Drei-Akt-Struktur? Jeder Film beginnt irgendwie, hat eine Mitte und hört irgendwie auf. Soweit d'accord, aber alles weitere sollte aus der Seele Ihrer Geschichte entspringen und nicht in ein Korsett gezwängt werden. Oder wenn Sie es in räumlichen Dimensionen ausdrücken wollen: Wo befindet sich der Filmheld, wo will er hin und wo kommt er an? Wenn Sie es in dramatischen Dimensionen formulieren, wären die Fragen: Wie ist der Zustand unserer Hauptfiguren zu Beginn der Geschichte, wodurch wird dieser Zustand durcheinandergebracht, und wie ordnet sich die Lage wieder? Befreit von Seitenzahlen-Zwängen können Sie diesen Aufbau in vielen Varianten gestalten. Sie können, müssen aber nicht. Das Schema gilt für viele Filme, für viele aber auch nicht. Bei so manchem Film tut man sich schwer festzulegen, wo denn nun der Hauptteil beginnt, wo der Wendepunkt liegt, wo der Höhepunkt. Das starre Festhalten an solchen Strukturen verhindert viele Innovationen in Kino und Fernsehspiel. Filme wie „Forrest Gump“ (USA 1994), „Hinter dem Rampenlicht“ („All That Jazz“, USA 1979), „Stalker“ (1979) oder „Der Stadtneurotiker“ („Annie Hall“, USA 1977) und viele andere stehen für einen anderen Aufbau. Ein Film kann gegen die reale Zeitachse rückwärts beginnen, wie etwa in „Memento“ (USA 2000) oder „Irréversible“ (F 2002), kann mit dem Ende eines Geschehens beginnen und dann als Rückblick chronologisch fortfahren wie in „Boulevard der Dämmerung“ („Sunset Blvd.“, USA 1950), oder gar verschiedene Variationen einer Grundkonstellation addieren, wie in „Lola rennt“ (D 1998).
Jenseits der Seitenzwänge kann eine Einleitung innerhalb von einer Minute erledigt sein, besonders wenn es sich um ungewöhnliche Erzählweisen handelt:
Während des ganzen Filmes erzählt der Protagonist, was ihm alles widerfahren ist, und wir sehen gleichzeitig, wie es geschieht. Auch wenn es nur sehr kurz ist, auch hier sehen wir die Hauptfigur zunächst in einer Art Grundzustand (Einleitung), dann machen wir uns mit ihr auf einen Weg, der Weg bringt so manches durcheinander (Hauptteil) und wir bewegen uns mit ihr zu einem Höhepunkt (Ende) der Geschichte. NotwendigkeitenVerlassen Sie sich beim Aufbau Ihrer Geschichte auf Ihren Instinkt und auf uralte Formeln. Eine gut gebaute Geschichte ist wie ein gut erzählter Witz. Nur wenn man die richtigen Informationen zum richtigen Zeitpunkt gibt, sind die Zuhörer aufmerksam und lachen am Schluss. Jede Geschichte erfordert zu ihrem Verständnis bestimmte Informationen. Wenn Sie sich beim Aufbau einige Grundfragen stellen, sind Sie auf dem richtigen Weg.
Wenn Ihre Zuhörer Freunde sind, denen Sie vertrauen, so haben diese vielleicht auch Hinweise gegeben, was ihnen besser gefallen würde und was sie gar nicht mögen. Ganz nebenbei haben Sie an den Reaktionen der Zuhörer auch ablesen können, ob Ihre Geschichte fesselnd genug ist, dass es sich lohnt, ein Drehbuch daraus zu erstellen. Wie Sie merken, bewahrt Sie diese Vorgehensweise möglicherweise sogar vor viel unnötiger Arbeit. Abgesehen davon bekommen Sie Übung für das spätere Vorstellen des fertigen Drehbuchs (neudeutsch: Pitchen) vor Förderungen, Produzenten und Redakteuren. Ist Ihre Komödie so lustig, dass die Zuhörer von Anfang bis Ende lachen, ist die Struktur okay, ganz gleich, welche es ist. Wenn Ihr Thriller durchgehend packend ist, wer zählt die Seiten, versucht mit einem Schwert die Akte herauszutrennen, zählt die Wendepunkte nach? Nur die ewig Eingeschworenen, die mal irgendwann etwas über die Drei-Akt-Struktur gelernt haben und sich schutzsuchend daran festklammern. Übrigens gibt es jenseits der Struktur noch eine weitere wichtige Frage, die Sie nach diversen Erzählungen ebenfalls abklären können: Was ist das Besondere, das Ungewöhnliche, das Erzählenswerte an Ihrer Geschichte? Stellen Sie sich vor, die Geschichte sei bereits verfilmt und liefe am Abend im Kino. Mit welchen fünf Sätzen würden Sie einem guten Freund den Film so beschreiben, dass er mit Ihnen in den Film gehen würde? |
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