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Zeichentrick ist eine Kombination der Zeichentechnik und der
Möglichkeiten des Filmtricks.
Die ersten veritablen Beispiele von Zeichentrickfilmen waren
größtenteils geprägt durch Künstler wie Leopold Survage nach 1910 oder
Hans Richter, Walter Ruttmann und Viking Eggeling in den 20ern (siehe auch Filmgeschichte).
Während die Anfänge des Zeichentricks in Europa eher als Experiment und
Kunstform verstanden wurden, war seine Ausprägung in Amerika absolut
kommerziell. Die ersten vertonten Zeichentrickfilme entstanden dort bereits
1924. Max Fleischer verwendete hierfür ein von Lee DeForest entwickeltes
Tonverfahren. Seine Ton-Cartoons nannte er "Talkartoons", Star war
unter anderem die Cartoonfigur "Betty Boop". Später produzierte
Fleischer erfolgreich die "Popeye" -Zeichentrickfilme.
Walt Disney, Sohn eines kanadisch-irischen Zimmermanns und einer deutschen
Hausfrau wurde am 5. Dezember 1901 in Chicago geboren. Eigentlich war er
nicht nur Zeichner sondern vor allem technikbesessener Visionär. Neue
Verfahren der Filmtechnik griff er bereitwillig auf, um seine
Zeichentrick-Visionen zu optimieren. Auf diese Weise schuf er 1928, vier
Jahre nach Fleischer, seinen ersten
vertonten Zeichentrickfilm, „Steamboat Willy“, mit seinem
Markenzeichen Micky Mouse in der Hauptrolle. Bei dessen Vertonung wurden alle
Tonereignisse wie Sprache, Musik und Geräusche gleichzeitig zum laufenden
Film in einem Studio aufgenommen, die Stimme von Micky sprach Walt Disney
selbst. Der erste farbige Zeichentrickfilm stammte ebenfalls aus dem Hause Disney.
Für
den ersten abendfüllenden farbigen Zeichentrickfilm „Schneewittchen“
verschuldete er sich über die Maßen; wäre der Film 1937 kein so
überwältigender, oskargekrönter Erfolg geworden, wäre die Ära Disney
sicher zu Ende gewesen.
In den 30er und 40er Jahren entstanden mit den Disney Studios und denen
von Warner Brothers wahre Animationsfabriken. Sie erst machten es möglich,
Zeichentrick zur Massenkultur werden zu lassen.
Besonders bekannt wurden die Disney Studios, indem sie einen ganz eigenen
Stil kreierten, der sich ganz eng an der Natur orientierte. Die Zeichner
beobachteten die Natur sowie reale Schauspieler und zeichneten deren
Bewegungsabläufe. Dabei entstanden als Nebenprodukt auch Naturfilme wie „Die
Wüste lebt“.
Während andere Studios wie UCA oder Warner mit reinen Kunstfiguren (Woodbacker,
Mr. Magoo, Tom & Jerry etc.) wenig realistische Bewegungsabläufe
ablieferten, hielt sich Disney stark an die Realität. Doch es gab auch
Ausnahmen von dieser Regel, Versuche Zeichentrick als Kunstform zu
etablieren. Bekanntes Beispiel dafür war der Film Fantasia in den vierziger
Jahren. Obwohl eine geniale Vermischung von sinfonischer Musik und
Zeichentrick, war der Film bei seiner Premiere dennoch ein Misserfolg an den
Kinokassen.
Der Klassiker „Das
Dschungelbuch“ zählt bis heute zu den schönsten Zeichentrickfilmen
und war der letzte, dessen Aufführung Disney miterlebte. Damit der Aufwand
eines abendfüllenden Kino-Zeichentrickfilms sich rechnet, ist nicht nur viel
Know-how, sondern auch jede Menge Gespür erforderlich. Als Mitte der 90er
Jahre die 20th Century Fox und parallel Warner Brothers für dreistellige
Millionenbeträge Zeichentrick-Studios aus dem Booden stampften, um Disney
das Fürchten zu lehren, erlebten sie ein Debakel.
Selbst die halbwegs gelungenen Streifen wie „Alle Hunde kommen in den
Himmel“ oder „Anastasia“ erzielten nur einen Bruchteil der
Einspielergebnisse üblicher Disney-Streifen. Die Zeichentrickstudios der
Konkurrenten wurden inzwischen geschlossen, nur im Bereich 3D-Animation wird
weiter in Filme investiert. Lediglich die Zeichentrickschmiede Dreamworks des
früheren Disney-Managers Jeffrey Katzenberg konnte in den USA größere
Erfolge („Antz“, „Der Prinz von Ägypten“) verzeichnen. In Europa
bemüht man sich stark, den Zeichentrickfilm stärker auszubauen. Besonders
in Deutschland geht aber ohne großzügige Förderung wenig.
In
der Herstellung her läuft beim Zeichentrick alles etwas anders als beim
Realfilm. Bis zum Drehbuch ist der Ablauf noch vergleichbar, doch dann ist
alles ganz anders. Man entwickelt ein grobes Storyboard,
um einschätzen zu können, welchen Umfang das Vorhaben bekommt. Dann werden
die Dialoge zunächst als Layout von Leuten des Trickteams, später von
Schauspielern gesprochen, um das Timing und die Längen festlegen zu können.
Songs und Musiknummern werden ebenfalls vorher eingespielt. Dabei muss man
sehr gewissenhaft arbeiten, denn eine einzige Zeichentrickszene zu ändern,
kann problemlos einen Monat Arbeitszeit und Kosten bedeuten!
Dann werden die Figuren gezeichnet. In großen Produktionen ist jeder
Hauptfigur ein eigenes Zeichen-Team zugeteilt, um künstlerische Kontinuität
zu garantieren. Die so genannten Reinzeichnungen werden von den
Hauptzeichnern erstellt, andere Zeichner ergänzen die Bewegungsphasen,
wieder andere kolorieren die Folien.
So
ein Trickfilm kann ohne weiteres aus 400.000 bis 600.000 Zeichnungen
bestehen. Schließlich sind für jede Sekunde Film 24 Einzelbilder
erforderlich. Hinzu kommen diverse Vorder- und Hintergrundzeichnungen, die
von wieder anderen Zeichnern, den Hintergrundmalern gestaltet werden. Die
präzise Lage der einzelnen Folienphasen zueinander garantieren spezielle
Lochungen und Passerstifte auf den Ebenen der Tricktische.
In der von den Disney- Studios erstmals einsetzten Multiplan-Kamera,
eine Konstruktion bei der die Trickkamera sich in sechs bis zehn Metern Höhe
befindet und darunter mehrere Glasplatten als Ebenen in Abständen für die
Zeichnungen, konnten Vorder-, Mittel- und Hintergründe mit realitätsnahen
Schärfe- und Unschärfeebenen gefilmt werden.
Auch wenn beim Zeichentrick inzwischen in einigen Arbeitsschritten
Computer zum Einsatz kommen, so bleibt die künstlerische Qualität der
handgezeichneten Phasen die hohe Schule des Genres. |