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Einige
der wichtigsten Vertreter des Direct Cinema, einer durch die technischen
Neuerungen im synchronen 16 mm-Film Anfang der 60er Jahre möglichen
dokumentarischen Arbeitsweise, (siehe auch Richard
Leacock) sind Don A. Pennebaker und Chris Hegedus.
Wir trafen Sie am Rande des Münchener Filmfests und befragten sie zu
ihrer Grundhaltung gegenüber dem Dokumentarischen und zu Tipps für den
filmischen Nachwuchs.
Die wichtigsten Antworten finden Sie auch als Video- und/oder Audio-Datei
neben den Übersetzungen.
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Don A. Pennebaker |
MC: Sie haben bisher nur Dokumentationen gedreht. Würde es Sie
auch interessieren, einen Spielfilm zu realisieren?
Pennebaker:
Es hat uns noch niemand gebeten, einen Spielfilm zu machen – falls uns
jemand fragt und uns etwas Geld gibt, würden wir das vielleicht versuchen...
MC: Sie unterrichten auch?
Pennebaker: Ja, das tun wir, viele Filmemacher müssen das tun.
Hegedus: Wir machen das, weil wir Filme lieben und weil wir gerne
Filme machen.
Das US-Fernsehen ist ein eher kommerzielles Medium. Wir haben nur einen
staatlichen Kanal und der neigt dazu, Dokumentarserien zu machen. Also
braucht man ein Konzept für mehrere Filme; aber so arbeiten wir eigentlich
nicht. Wir haben eher eine Idee für einen Film, fast wie bei einem
Spielfilm. Das erschwert natürlich die Ausstrahlung, um so mehr als die
Themen der meisten Sendungen, die als einzelne Dokumentationen ausgestrahlt
werden, eher politisch und auf Sachverhalte bezogen sind. Vom Ansatz her
richten sich unsere Filme mehr an Menschen als an Sachverhalten aus.
MC: Würden Sie angehenden Filmemachern raten, reine
Dokumentationen zu machen, die angesichts der üblichen Berieselung mit
Action und Infotainment den Zuschauern vielleicht nicht unterhaltsam genug
sind?
Pennebaker: Jeder Film muss auf irgendeine Art den Zuschauer
unterhalten. Leute, die Comedy sehen wollen, werden nicht unbedingt von einem
Film über einen Mathematiker oder Physiker begeistert sein. Aber die Leute
werden auch dadurch unterhalten, dass sie etwas erfahren, was sie wissen
wollen.
Oder
dadurch, dass sie jemanden beobachten, der vielleicht etwas weiß, was sie
interessiert. Die Dokumentation nimmt die Bilder in dem Moment auf, in dem
die Dinge passieren.
Es
ist erstaunlich, unmittelbar Augenzeuge eines Geschehens zu sein, von dem man
sonst bestenfalls aus zweiter Hand erfahren würde. Und das ist eine
Errungenschaft des zwanzigsten Jahrhunderts.
Auch der Film war lange Zeit die Fortsetzung des Theaters mit anderen
Mitteln; es ging um Sachen, die vor langer Zeit passiert sind.
Erst
mit dem Dokumentarfilm wird Film benutzt, um Ereignisse in dem Moment zu
zeigen, in dem sie wirklich stattgefunden haben. Und wenn man sich das
überlegt und mit diesem Bewusstsein durch die Welt spaziert, wird man Dinge
sehen, die einen interessieren und aus denen man etwas einzigartiges machen
kann. Ob man dafür dann ein Publikum findet, hängt eher davon ab, ob es
einem gelingt, die Bilder richtig zusammenzusetzen, eine Art Komposition mit
Anfang und Schluss zu entwickeln.
Aber selbst wenn das nicht der Fall ist, funktioniert es: Jemand wirft
z. B. ein Klavier aus dem Fenster – das reicht, denn es werden nicht
sehr oft Klaviere aus Fenstern geworfen. Wenn man das sieht, wird man sich
fragen: Was ist hier passiert, warum liegen hier Trümmer auf der Straße?
MC: Ist es einfacher für eine Frau, an die Leute heranzukommen?
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Chris Hegedus
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Hegedus:
In einem Fall war es möglicherweise ein Vorteil. Die Finanzwelt ist doch
eher von Männern dominiert und wir konnten uns dort recht einfach bewegen,
weil sie uns kleine Frauen mit unserer kleinen Ausrüstung nicht als
Bedrohung empfunden haben.
Wir konnten im Hintergrund bleiben. Aber das ist unterschiedlich – es
kommt drauf an.
MC: Was würden Sie jungen Filmemachern raten?
Hegedus:
Sie sollten so viele Filme wie möglich anschauen, um herauszufinden was es
so gibt und was sie inspiriert – und wenn sie eine Idee haben, eine Kamera
nehmen und es einfach tun. Viele Filme entstehen erst gar nicht, weil die
Leute zu beschäftigt sind, sich um Förderungen zu kümmern und Anträge zu
stellen, was natürlich auch wichtig ist. Aber es führt dazu, dass die Leute
erst einmal darauf warten, dass man ihnen überhaupt ermöglicht, einen Film
zu machen. Anfangs hat uns das auch niemand ermöglicht, keiner hat uns Geld
gegeben und wir haben beschlossen, den Film trotzdem zu machen. Ich glaube,
diese Mentalität sollte man schon haben.
Pennebaker:
Ich denke, man sollte seine Vorbilder finden, schauen, was man an bestimmten
Filmen mag und überlegen, warum man diese Filme mag. Und dann alleine
losgehen! Es geht nicht darum, einen Job zu erledigen, sondern darum, etwas,
das man gesehen hat, besser oder anders zu machen und sich selbst zu
beweisen, dass man das kann. Sobald man glaubt, man taugt was, glauben das
andere vielleicht auch.
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