Samstag, 19 März 2016 20:00

Unterhändler

Diffuses Schaufenster

Einkaufen ist nicht immer nur schön, besonders wenn einen Gewissensbisse plagen. Irgendwie ist es beruhigend, was Verkäufer-innen einem sagen, wenn man dem Wahn verfällt, sich neben der schon vorhandenen Kamera noch eine weitere zulegen zu wollen. Schließlich ist das ein Investment und vor allem treibt einen die Angst um, bereits in wenigen Monaten könnte das gute Stück veraltet, ein Nachfolger deutlich besser sein.

 

Umso wohltuender, wenn einem im Laden all diese hässlichen Bedenken vom Verkaufspersonal genommen werden, inklusive dem Eigenverdacht, vielleicht etwas sorglos, um nicht zu sagen unnötig, hohe Beträge ausgeben zu wollen:

 

Nein, da käme sicher nichts Neues von dem Hersteller zur nächsten Photokina. Höchstens bei den kleineren Modellen. Es käme letztlich auch nicht nur auf die Auflösung an, die Abstimmung mache auch sehr viel. Ja, das möge so sein, dass die andere Kamera zwei Blenden mehr Belichtungsumfang anbiete, aber wer brauche das schon. Dafür sei die Kamera zu einem wirklich fairen Preis zu haben. Ja, zugegeben, der verbaute Sensor ist schon vier Jahre alt, aber früher habe man noch solider gebaut, das müsse kein Nachteil sein.

 

Nach etwa 15 Minuten am Verkaufstresen kennt er mich so gut, dass er persönlicher wird und mir anvertraut, er stamme eigentlich berufsmäßig aus der Autobranche. Da sei früher auch solider produziert worden. Ja und die Kamera wäre kombiniert mit dieser Optik eben eine gute Ergänzung zu der Kamera die ich schon hätte. Eine Ergänzung quasi. Für andere Aufgabengebiete, wenn man mal so richtig rasante, sportliche Einsätze plane.

 

Plötzlich ging mir ein Licht auf. Unmerklich ersetzte ich in Gedanken, während ich zuhörte, seine Kamerabezeichnungen durch Automodelle, die Sensorangaben durch PS-Angaben und das Kamerahandling durch Cockpitdesign. Und siehe, alle Verkäufersätze funktionierten ohne jede Einschränkung weiter:

 

Das sei ja eine längerfristige Anschaffung. Er selbst habe bei sich Daheim auch beide Modelle, je nach Einsatzzweck. Mal bevorzuge er das eine, mal das andere. Viele Kunden würden dieses Modell bevorzugen und so lange er hier arbeite hätte es noch nie Ausfälle oder Reparaturen gegeben. Außerdem gäbe es ja 12 Monate Garantie. Wenn man es ernst meine und damit professionell arbeite, habe man ohnehin das Geld schnell wieder reingeholt. Allerdings wisse er nicht, wie lange dieses Modell noch vorrätig sei, das Angebot gelte ohnehin nur diese Woche und falls Nachlieferungen kämen, könne der Preis auch ganz schnell in die Höhe schnellen.

 

Probieren Sie es doch selber mal aus, wenn Sie das nächste Mal im Foto,- Eisenwaren,- Espressomaschinen,- Hifi,- Fitnessgeräte,- Uhren,- Waffen oder Fahrradgeschäft landen.

 

Funktioniert garantiert.

 

Last modified on Samstag, 20 Mai 2017 17:27
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