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Filmprojektor

Die Atmosphäre in Raum 3 ist angenehm. Angeregt unterhält sich Christoph Gröner mit einer Besucherin.

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Rettet die Filmmusik!

A Kind of Magic - Wie kostbar ist Filmmusik?

Schon beim Betreten des Raums 3 im EG fällt etwas auf: In diesem Panel sind ausnahmsweise auch viele Frauen vertreten. In die sonst eher graue Masse kommen Farbtupfer. Ich würde sagen 60 Prozent Frauen werden es sein. Das Thema Filmmusik scheint zumindest von Seiten der Hauptbesucher dieser Messe nicht von sonderlich großem Interesse zu sein denn der Raum ist auch relativ leer. Die meisten Fachbesucher informieren sich wahrscheinlich weiter über die interaktiven Medien und das ist ja auf den Medientagen nicht erstaunlich. Aber ich freue mich über diesen kleinen Mikrokosmos und habe das Gefühl dass es vielen Filmfreunden ebenso geht, denn endlich dürfen wir wieder von Kunst reden und zugeben, dass wir unseren Job nicht des Geldes wegen machen. Eine Einzelerscheinung.

Ein Blick in Richtung der Referenten bestätigt schnell meine Vermutungen, dass dieses Panel anders werden wird, denn diese sitzen in einer Ecke des Raums und unterhalten sich schon angeregt miteinander. Die Einleitung übernimmt Jörg Gerle, ein Filmjournalist aus Köln der gerne auch Filmmusikkritik in seine Filmkritiken einfließen lässt und wie er später erzählt dafür von den Kollegen des Öfteren kritisiert wird. Er führt uns zugleich vor, was Filmmusik bewirken kann indem er einen Filmmausschnitt aus "Titus" von Julian Taymor zeigt. Und auch mir, die ich behaupten würde, dass ich Filmmusik durchaus wahrnehme wird noch einmal deutlich was Filmmusik sein kann und was Filmmusik für Emotionen auslösen kann. Denn die vorgeführte Filmmusik hält sich nicht im Hintergrund wie es vielleicht häufig gewünscht wird, sondern überwältigt.
Filmmusik kann aber auch die narrative Ebene bedienen. Dies wird uns an einem Ausschnitt aus "Zodiac" von "David Fincher" demonstriert der der Schere zum Opfer fiel. Es handelt sich um ein Schwarzbild das mit Radioauschnitten unterlegt ist. Die unterschiedlichen Musikstile und die Nachrichten können so einen Zeitraum von vier Jahren überstrecken. Quasi Filmmusik als Zeitraffer.

Dass Filmmusik wichtig ist, ist wohl jedem klar. Doch Matthias Hornschuh stimmt mit Jörg Gerle nicht überein als dieser sagt, Filmmusik sei die wichtigste Teildisziplin. Denn er ist der Meinung, dass jeder Film eine eigene Musik benötige und der Anteil an Musik auch vom Film abhänge. Als Beispiel führt er "Das Fest" von Thomas Vinterberg an. Hier gebe es keine eingespielte Musik. Doch in diesem Film sei das fehlende musikalische "Einlullen" stilistisch gewollt und erfordere Kompetenz auf allen anderen Ebenen. Grundsätzlich gelte für Filmmusik, dass Ihre Rolle maßgebend für die Nutzung ihres Potentials sei. Noch wichtiger sei aber das Bewusstsein, dass beim Film die Art wie die Dinge verschmelzen bedeutsamer sei als die Einzelteile.

Aber wie sieht die Arbeit eines Filmkomponisten aus? Hier gibt es große Unterschiede. Annette Focks (u.a. Filmmusik zu "Krabat") versucht immer so früh wie möglich in die Produktion eingebunden zu werden. Am besten sie bekommt das Drehbuch, sobald dies fertig ist. So kann sie früh an der Musik arbeiten und mit dem Regisseur über dessen Vorstellungen reden. Häufig arbeitet Annette parallel zum Schnitt. Der Cutter schicke ihr die neue Schnittversion und anders herum aber beim Feinschnitt gehe die Arbeit noch einmal richtig los. Hier könne sich dann noch einiges verändern. Annette Focks unterstreicht hierbei, dass Filmmusik dramaturgische Arbeit sei und vor allem Teamarbeit. Matthias Hornschuh kennt da eine ganz andere Seite. Häufig würden auf den Schnitt "Temporaries" gelegt. Hierfür werde häufig der Soundtrack von "American Beauty" benutzt. Diese Version habe den Regisseuren und Produzenten schon gut gefallen und oft wollten diese dann nur, dass diese Musik "nachkomponiert" wird. Dies ist natürlich nicht gerade erfreulich für die Komponisten. Annette Focks sagt dazu, dass sie sich den Schnitt in einem solchen Fall noch einmal aber dieses Mal ohne "Temporaries" schicken ließe denn sie wolle ja Musik für einen Film machen und Künstlerin sein. Man müsse dann über die jeweiligen Vorstellungen sprechen und wenn diese zu unterschiedlich seien, sei sie auch die Falsche für den Job. Leider haben aber viele Komponisten nicht die Stellung die Annette Focks hat und können daher solche Forderungen nicht stellen.

Ein weiteres Problem der Filmmusik sei laut Matthias Hornschuh, dass die Kosten für die Arbeit des Komponisten nicht bestimmt seien. Filmmusik werde häufig als letzter Aspekt, wenn noch Geld übrig ist, in Auftrag gegeben. Hierbei entstehe dann großer Druck und die wenigsten Komponisten dürften mit einem Chor oder Orchester zusammenarbeiten. Selbst für "Krabat" habe Annette Focks nur 12 Amateursänger zur Verfügung gehabt, die dann verdoppelt wurden um die Illusion eines großen Chors zu erzeugen, damit die Musik zu den "großen" Bilder passe. Bei der Filmförderung sei dann auch häufig das Problem, dass der Regisseur schon sein Team habe und nur der Ton und Musik übrig blieben für die jeweilige Förderung aus dem Ausland. Matthias Hornschuh fügt hinzu, dass es durchaus einige gute Komponisten in Deutschland gebe welche z.B. in den USA arbeiten könnten aber das Problem hierbei sei, dass man als Komponist vor Ort sein müsse.

Finanziell muss gesagt werden, dass die Komponisten nicht von ihrem Gehalt leben können. Sie sind auf die Verwertung der Musik angewiesen. Belastend kommt hinzu, dass ein Komponist ein Subunternehmer ist, der das Risiko und die Verantwortung z.B. für die Musiker übernehmen muss. Annette Focks sagt hierzu, dass die GEMA deshalb so wichtig sei. Die Verlagsrechte behält sie wenn möglich oder verkauft sie. Auch wenn viele Firmen ihr dann nicht den Job geben, bestehe sie darauf. Die Verleger stünden einem oft wegen des Verwaltungsaufwandes im Weg, deshalb versuche sie vertraglich festzuhalten, dass sie den Soundtrack selbst herausbringt wenn dieses binnen drei Monaten nicht passiert.

Und nun an alle Regisseure und Prozenten: Wünschenswert für die Filmmusik sei laut Matthias Hornschuh weniger Angst vor Musik - "mehr dürfen dürfen". Annette Focks gibt noch einmal zu bedenken, dass die Zeit für die Entwicklung ganz entscheidend für Qualität und Andersartigkeit der Filmmusik sei. Außerdem hofft sie, dass mehr Produktionen einsehen, dass Musik nur dann wirkt wenn sie eingespielt wird und dass gute Filmmusik auch Geld kostet.

 
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