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Eröffnung der 18. Medientage in München
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Eröffnung der Medientage München mit dem Mediengipfel |
Aber trotzdem schweifte man zunächst zu Thema und Streit der fast
identischen Diskussionsrunde am gleichen Ort im letzten Jahr ab:
Gebührenerhöhung. Der gerade gefundene Kompromiss über eine
Gebührenerhöhung von 88 Cent ab April 2005 wurde fast nur vom bayerischen
Ministerpräsidenten als positiv bewertet, denn Gruber vom BR und Schächter
vom ZDF als Vertreter des öffentlichen Rundfunks zeigten sich sehr
enttäuscht, schließlich würden sie weit mehr benötigen. Die Privaten
"TV-Macher" kritisierten, wie erwartet, die Erhöhung an sich und
forderten weitere Sparpläne. Der Premiere Chef und erfolgreiche Sanierer des
Pay-TV-Giganten, Kofler, zeigte sich hier mehrfach als witziger wie auch in
den Aussagen deutlicher Sprecher der Privaten. So unterstellte er den
öffentlich-rechtlichen: "Sparen ist für Euch die Minderung einer
Erhöhung". So hätten die Privaten ihre Kosten in den vergangenen
Jahren um 25 Prozent reduziert, während man auf ernsthafte Einspaarungen von
ARD und ZDF noch warten würde. Zudem verglich er sein Unternehmen mit den
öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten. Gemeinsamkeiten sind tatsächlich,
dass Premiere über Abonnements finanziert wird, die öffentlich-rechtlichen
Sender über Gebühren - man verlangt direkt Geld für das Programmangebot.
Allerdings hat er deutlich weniger Abonnenten und keine Einnahmen durch
Werbung. Dennoch schaffe auch er es trotz ständigem Kampf um zahlende Kunden
und Risiko, auf mehreren Kanälen Fernsehen trotz weniger Geld zu senden. Die
öffentlich-rechtlichen haben den festen Stamm ihrer Gebührenzahler und
würden, selbst wenn sie nicht auf die zweite Einnahmequelle, die Werbung,
zurückgreifen könnten, nicht ernsthaft bedroht sein. Daraus ergäbe sich
aber dennoch eine besondere Pflicht zum Sparen, wie auch ein faireres
Verhalten gegenüber den privaten Anbietern, so nicht nur Koflers, sondern
auch die Meinung anderer Vertreter wie Zieler, de Posch und zu Salm.
Dabei tat sich aber stets Kofler besonders rhetorisch hervor, indem er sich
als wütender Senderchef zeigte, der eine schwierige Aufbau- und
Umstrukturierungsphase ohne staatliche Hilfe und Subventionierung hinter sich
hat. Rhetorisch meisterhaft war sicherlich sein Auftreten, dennoch sollte man
auch den Argumenten der öffentlich-rechtlichen Beachtung schenken. Neben den
bekannten Hinweisen auf die Qualität des Sendeprogramms von ARD und ZDF
brachte der BR-Intendant Gruber auch das wirtschaftliche Argument, dass die
öffentlich-rechtlichen in den nächsten Jahren nur ein Prozent mehr
Einnahmen zur Verfügung hätten, während die Preisentwicklung der Branche
im Jahr aber fünf Prozent betrage. Man hätte also trotz Gebührenerhöhung
mit mehr Kosten zu rechnen.
Das anwesende Publikum zeigte sich von diesen Argumenten weniger überzeugt,
wussten doch alle, dass eine Verteuerung von Produktionskosten auch die
Privaten betreffen. Die allgemeine Diskussion zu den Gebühren, von welcher
das Movie-College bereits verschiedenlicht berichtet hat auch weiterhin
berichten wird, ist längst nicht zu einem Ende gekommen.
Damit eng verbunden waren jedoch auch die Überlegungen in der Runde zu der Übernahme des BBC-Modells auf das duale System in Deutschland. Plötzlich ins Spiel gebracht, befürworteten die meisten Vertreter der Privaten Sender diese Idee, die Vertreter von ARD und ZDF gingen hingegen nicht weiter darauf ein. In England ist die Situation diese, dass die BBC zwar mehr Geld vom Gebührenzahler erhält, dafür aber gänzlich auf Werbung verzichtet. Das Programm ist, bei deutlich gutem Wirtschaften des Senders, gerade auch international anerkannt, qualitativ gut. Übernommen für Deutschland würde hierbei das öffentlich-rechtliche genauso wie das private Fernsehen gestärkt werden.
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Einigkeit herrschte in der Runde klar über den Umstand, dass die
Digitalisierung des Broadcast selber, also der Programmüberbragung zu den
Haushalten, bereits stattfindet, einen unbremsbaren Prozess darstellt und mit
vielen Möglichkeiten die Zukunft des Rundfunks mit bestimmen wird. Dr. Burda
lehnte sich hier in Ruhe zurück und wies darauf hin, dass die
Digitalisierung im Bereich Print eigentlich schon abgeschlossen sei; sein
Verlagshaus habe bereits in den 90er Jahren erfolgreich umgestellt.
Digitalisierung heißt hierbei auch ganz klar nicht nur die Produktion auf
digitale Techniken umzustellen oder nur das Internet miteinzubeziehen,
sondern die ineinander wachsenden Medien gleichermaßen und vernetzt nach dem
Wunsch des Konsumenten zu benutzen.
Die Digitalisierung des Rundfunks ist keine Neuigkeit für die Nutzer von
Satellitenempfang. Der Umstand, dass gerade jetzt aber so stark über das
Thema gesprochen wird, liegt mehr daran, dass zum einen die Kabelbetreiber
gerade erst damit anfangen, digitale Sender über Kabel zu senden, zum
anderen DVB-T im Kommen ist. DVB-T (Digital Video Broadcast - Terrestric) ist
die Digitalisierung des Fernsehempfangs über eine einfache Antenne. Nachdem
DVB-T in Berlin und Hamburg umgesetzt wurde, soll es in den kommenden Jahren
flächendeckend in Deutschland eingeführt werden, um es schließlich 2010 zu
ermöglichen, dass der analoge Sendebetrieb eingestellt werden kann.
Gemeinsam ist den Empfangsmöglichkeiten über Antenne, Kabel oder Satellit,
dass der Endnutzer neben dem Empfangsmedium (Antenne, Kabelanschluss oder
Satellitenschüssel) einen digitalen Receiver hat. Empfangbar sind dann alle
herkömmlichen Sender plus zahlreiche weitere neue. Möglich sind technisch
mehr Kanäle, deren Sendeabwicklung dank Digitaltechnik für den Anbieter
günstiger wird.
Neben dem einfachen Empfang des Fernsehens bietet die Digitalisierung jedoch
noch mehr. So war es Steindorf von Kabel Deutschland wichtig zu erwähnen,
dass etwa seine Firma neben dem Empfang auch Internet via Breitband, neue
Technologien wie HD und Dolby Digital Audio-Empfang, elektronische
Programmzeitschrift und interaktives Fernsehen ermöglicht.
Geringere Sendekosten und mehr Kanalplätze in der digitalen Übertragung
stellt die Grundlage dafür dar, was die Diskussionsrunde als Elektronischen
Kiosk bezeichnete. Ähnlich wie am Kiosk um die Ecke, der neben
Tageszeitungen auch fachspezifische Magazine anbietet, wird der Zuschauer
bald neben allgemeinen Sendern zahlreiche Spartenkanäle finden. Dabei warnte
Burda seine Kollegen, dass mehr Spartensender die Anzahl der Konsumenten des
Fernsehens nicht erhöht und so auch Werbeschaltungen nicht zunehmen würden.
Ähnlich wie im Print würden sich die vorhandenen Werbeaufträge nur mehr
auf die Sender verteilen, aber zahlenmäßig nicht mehr werden. So erwartete
die Runde vielmehr, dass Spartensender im Pay-TV-Bereich zunehmen würden und
sich die Werbung stärker auf die Premiumprodukte konzentrieren würde. Neben
elektronischem Kiosk, DVB-T und Gebührenthematik, war "Premiumprodukte"
ein beherrschender Begriff der Diskussion. Damit sind Sendungen etwa wie
Wetten dass, Formel 1 und die Bundesliga gemeint, bei denen es hohe
Zuschauerzahlen gibt und die neben ihrem Umsatz an Werbeeinnahmen oft mehr
noch aus Imagegründen produziert werden.
Da ist es extrem schwer im Kampf zwischen den Sendern und der Jagd nach
Zuschauern, die sich auf immer mehr Programme verteilen, neue Formate auf den
Markt zu bringen und diese zu wahren Erfolgen, wenn nicht sogar zu
Premium-Produkten aufzubauen. Die Vertreter der Privaten blickten hier auf
einen harten Herbst mit mehreren Flops zurück. Aber zum genüsslich
lächelnden Print-Vertreter Burda gesellte sich hier eine zufriedene zu Salm.
Sprach er mit Erfahrung vom Zeitungskiosk in Richtung "e"-Kiosk
davon, sich eben anpassen zu müssen, auf den Recipienten zugehen zu müssen
und direkte Services aufzubauen, konnte sie als Chefin von Neun Live in Ruhe
sagen: "Haben wir alles gemacht." Während man sie im letzten Jahr
noch belächelt hatte und Neun Live als reine "Abzocke"
verurteilte, zeigt nun der Blick ins Nachtprogramm aller großen
Privatsender, dass man hier das Modell von Neun Live kopiert hat. De Posch
von ProSiebenSat1. Media gibt zu, dass nun dank dem Telefongeschäft auch DSF
schwarze Zahlen schreibt. Dabei gibt es nicht nur die nächtlichen Spiele,
sondern auch jede Show hat mittlerweile mit Votings oder Gewinnspielen eine
zusätzliche, lukrative Einnahmequelle gefunden. Frau zu Salm hat hierbei
zunächst Genugtun empfunden, muss aber nun wieder hart mit ihrem Sender um
das Telefongeschäft kämpfen. Wie ihre privaten Kollegen kritisierte auch
sie die öffentlich-rechtlichen. Mit neuen Innovationen erkämpfen sich die
Privaten neue Einnahmequellen in einer wirtschaftlich schwierigen Zeit und
dann wird es einfach von den öffentlich-rechtlichen Sendern kopiert und so
den Privaten wieder der Boden unter den Füßen entzogen. Dennoch blickt sie
zuversichtlich auf die digitale Zukunft in der Sender wie Neun Live gerade im
möglich werdenden interaktiven Fernsehen neue Möglichkeiten sehen.
Freundschaftlich geeint standen die "Macher" der Privaten auf
den Medientagen sehr häufig nebeneinander, insbesondere wenn es um die
Kritik an den öffentlich-rechtlichen Giganten ging. Und fast jedes Thema des
Mediengipfels schien sie einzuladen, ihren Unmut über ARD und ZDF kundzutun.
Kaum dass man mit Frau zu Salm über das Telefongeschäft gesprochen hatte
widmete man sich dem Premiumprodukt "Olympiade", und RTL und
Premiere vergessen den privaten Wettstreit. Zeiler und Kofler verstanden sich
bestens und verstanden es dem anwesenden Publikum etwas mehr von der European
Broadcasting Union (EBU) zu erzählen, von der bislang sicherlich auch die
wenigsten Zuschauer je etwas gehört haben. Diese Union ist ein
Zusammenschluss von 58 meist öffentlich-rechtlichen Anbietern oder
Sendeanstalten in Europa, die mit gemeinsamer Kraft das Geld für den Kauft
von Rechten an Großereignissen wie der Olympia-Berichterstattung einkaufen.
Kofler, der mit Premiere beim Rechte-Poker für die Olympischen Spiele bis
2012 unterlegen hatte, nannte diesen Zusammenschluss ein
"öffentlich-rechtliches Einkaufskartell". Zeiler meinte zudem,
dass man eine entsprechende Zusammenarbeit privater Anbieter als Kartell
verbieten würde, hier man also mit zweierlei Maß urteilen würde, stets zu
Ungunsten der Privaten. Diese haben auch bereits gegen die EBU in Brüssel
Klage eingereicht. Intendant Schächter will gelassen auf die Entscheidung
aus Brüssel warten und sieht die öffentlich-rechtlichen im Recht. Für ihn
ist die EBU ein Garant für Qualität und bietet Möglichkeiten und Chancen
für osteuropäische Sender, die in der Union beteiligt sind und sich so dem
Druck großer Unternehmen aus dem Westen erwehren können.
Ein weiterer Punkt in der Fairness-Debatte des dualen Systems, war kurz auch
die Subventionierung von DVB-T. Hier wurde kritisiert, dass der Staat in die
Entwicklung und Arbeit der verschiedenen Anbieter in Deutschland eingreift,
indem er durch die Subventionierung der Digitalisierung des Antennenempfangs
der Antenne einen Vorteil verschaffe. Kabel- und Satellitenbetreiber mussten
sich hingegen selber den Umstieg in die digitale Welt erarbeiten. Im
Vergleich zu Kabel versteht man die staatliche Subventionierung, denn damit
soll allen Bürgern, auch denen, die nicht das Geld für Kabelempfang haben,
die Gelegenheit zum Konsum des digitalen Angebots geschaffen werden.
Argumente, warum man aber nicht gleichermaßen den Satellitenempfang
unterstützt, wurden nicht gegeben. Hier sind der Aufwand und die Kosten,
eine Antenne oder eine Schüssel zu installieren und sich für digitalen
Empfang einen Receiver zu leisten gleich hoch. Satellitenempfang hätte sogar
den Vorteil für den Staat, nicht teure Sendemasten mit Reichweiten in jeden
Winkel der Republik zu bauen.
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Der Gipfel war ein gelungener Höhepunkt, dank Teilnahme guter Referenten
und interessanten Streitgesprächen. Dies galt auch dann, als man im Podium
immer wieder auf die Streitigkeiten zwischen den beiden Seiten des dualen
Systems kam und sich vom eigentlichen Thema zu entfernen schien oder schon
wieder auf die Gebührenerhöhung zu sprechen kam. Schwer fällt es dieser
Tage eine Neutralität und Objektivität in der Berichterstattung zu diesem
Streit zu wahren - diesem Bericht mag es sicherlich an einigen Punkten daran
mangeln. Aber es ist tatsächlich so, dass man auf der Seite der Bevölkerung
stehen möchte, die im Rausch von "Geiz ist geil",
Wirtschaftsmisere, Chancenlosigkeit, Arbeitsplatzsorge und Geldknappheit so
einfach eine Gebührenerhöhung nicht mitmachen möchte. Dann klingen die
Argumente der Privaten, durch Kofler mit einer Stimme vorgetragen, wie man
sie zuletzt aus dem Hals eines wütenden Harts IV Demonstranten oder eines
tapferen Opel-Mitarbeiters gegen die gewaltige Firmenmacht gehört hat,
wirklich überzeugend. Tatsächlich wirkt die Position der
öffentlich-rechtlichen Sender häufig blass. Hier will man die Qualität
sichern, Niveau halten und den Grundversorgungsauftrag erfüllen, Ziele, wie
sie seit Jahrzehnten aufgestellt werden und auch immer erreicht werden: wir
haben diese Qualität. Würde diese tatsächlich ins Bodenlose abstürzen,
würden wir ARD und ZDF zu mehr Sparen zwingen? Mehr Geld auch für die
Privaten durch Fairness, wie sie durch Zeiler, Kofler, de Posch und zu Salm
vermisst wird. Würde durch die Stärkung der Privaten diesen nicht auch eine
Chance gegeben werden, mehr Niveau und Qualität zu entwickeln, während sie
jetzt weiter zu Billig-Reality-TV und Telefon-Abzocke getrieben werden.
Problem der öffentlich-rechtlichen scheint doch der teure
Verwaltungsapparat. Würden hier nicht hohe Summen gefressen werden, könnten
Sender wieder Geld in Produktionen fließen lassen, was den eigentlich im
Sterben liegenden Gruppen der großen Medienbrache - Produktionsfirmen,
Independendfilmer, Filmschaffende,… - wirklich helfen könnte.
Aber der Streit ums Geld war nur häufiges Thema, nicht Stimmung und auch
nicht Ergebnis des Mediengipfels. Entscheidend ist der Blick in die Zukunft
und auf die Entwicklung. Wie von vielen auf dem Podium angesprochen und
bestätigt wird, ist die Fernsehbranche Deutschlands auf einem sehr hohen
Niveau. Nicht nur, dass Deutschland weltweit die meisten Free-TV-Kanäle hat,
das Nachrichten und Informationsangebot sehr gut ist, auch das Duale System
funktioniert - trotz Streitigkeiten - sehr gut. Während die Qualität der
öffentlich-rechtlichen erst gar nicht angezweifelt wird, bestätigen die
Intendanten von ARD und ZDF dem privaten Fernsehen ein insgesamt gutes
Programm, insbesondere im weltweiten Vergleich. Ereignisse wie die rechten
Äußerungen in einer Live-Big-Brother-Sendung auf Premiere sind zwar
bedenklich, aber doch Einzelvorfälle.
Die Digitalisierung bringt für das Fernsehen, egal ob über Antenne,
Satellit oder Kabel in Zukunft mehr Programm und höhere Qualität. Die
Zukunft wird es bringen, ob wir mit Spartensendern unseren individuellen
Geschmack befriedigen werden können, die Unterhaltung dank neuer Qualitäten
in Bild und Ton noch berauschender erfahren und alle Beteiligten -
Werbeindustrie, Sender und Zuschauer - in eine WinWin-Situation kommen: jeder
hat etwas davon und keiner ist ein Verlierer… oder ob die Welle
Telefonabzocke noch höher schlagen wird und gemeinsam mit der
Interaktivität die Jugend von morgen gänzlich in den Schuldenturm jagen
wird.
[Bericht von Tankred L. Tumpach]
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