![]() |
![]() |
![]() |
|||||||
| Filmschule | Aktuell | Community | Seminare | ||||||
|
|
ErgonEine experimentelle Dokumentation
Es geht los mit Schnee, der nach einer Weile den Blick auf triste, verlassene Industriegebäude und schwere Maschinerie in wechselnden Bildfolgen freigibt. Dazu ertönt eine schwerfällige Musik, gemischt mit verfremdeten Soundeffekten, wie Herzklopfen und Maschinengeräuschen. Die Bilder wechseln von Schärfe zu Unschärfe, von Detailaufnahmen zu Totalen. Bewegung folgt Bewegungslosigkeit. Die gezeigten Arbeitsabläufe laufen vorwärts ab und werden wieder "zurück gespult". Den hellen Bildern folgen dunklen. Erst in der Mitte erscheinen Menschen, vermummt in Arbeitskleidung, später sieht man ihre Gesichter. Irgendwann ertönen Nachrichtenansagen, übereinandergelegt. Man sieht Feuerexplosionen und heißes geschmolzenes Metall, und zwischendrin wird immer wieder ein Bild eingeblendet, das aussieht, wie eine Röntgenaufnahme des menschlichen Brustkorbs. Nach einer Weile hab ich gedacht: Was soll das eigentlich? Will Joel Godfroid, der Regisseur, zeigen, wie klein und hilflos der Mensch gegenüber Maschinen ist, dass er nicht ohne sie auskommt? Geht es um die Krise in der Industrie? Ich weiß nur eins: Ich weiß es nicht. Mehrmals hab ich mir gewünscht, dass es bald vorbei ist. Einzig der Schnitt, abgestimmt auf die rhythmischen Klänge und die Geräusche war sehr eindrucksvoll, hat aber über die Länge nicht hinweghelfen können. Expelled to EdenGewagt mutig!
Die Geschichte dreht sich um Gerry, einen männlichen Prostituierten, der zusammen mit seinem Freund Mickey auf der Straße anschafft. Mickey träumt davon dem Leben als Strichjunge zu entkommen und nach Amerika auszuwandern. Gerry reagiert zynisch auf den Wunsch, bis er zusammen mit einer Prostituierten für ein Spiel von Unterwerfung und Gewalt von einem Freier von der Straße aufgelesen wird. Kaum ein Schnitt oder eine Kamerafahrt unterbricht dann die Bilder, die dem Publikum gezeigt werden. Man hat freie Sicht auf die aufwühlenden Einstellungen. Die gesamte Bewegung ist den Schauspielern überlassen, die durch ihre überzeugenden Darstellungen das Publikum wie Voyeure an den Bildschirm fesseln. Ein mutiges Projekt, das ein Thema behandelt, welches man normalerweise nur in harten Pornos antrifft, dennoch gar nicht pornographisch, sondern erschreckend realistisch wirkt. Ein kleines Meisterwerk von dem israelischen Regisseur Eran Kedar! Che SaraJesus Reloaded
In Slowenien wird dieses Jahr wohl ein ganz besonderes Weihnachten stattfinden. Die Familie der 15jährigen Sara erwartet ein neues Familienmitglied. Nicht irgendein Kind, sondern Jesus II wird Sara zu Welt bringen. Als Medium ist sie schon lang tätig und hilft vielen Leuten bei Problemen und Entscheidungsfindungen. Bei einer Frage wird sie immer ruhig und nach dem Kommentar "Ich frag mal!", gibt sie Antworten, wie: 'Euren Verwandten werdet ihr nicht wiedersehen, den hat die italienische Mafia umgebracht.' Auch ihre Ratschläge scheinen sehr beliebt: Um mit dem Rauchen aufzuhören, sollte man vor jeder Zigarette beten, dass das ganze Nikotin daraus verschwindet und sich dann bekreuzigen. Doch jetzt wurde sie von Maria Gott vorgestellt. Übrigens: Gott hat das Gesicht eins vierjährigen, trägt eine Pyramide auf dem Kopf, hat lange weiße Haare, einen Bart, trägt weiße Gewänder und natürlich Jesuslatschen. Er mag Kekse mit Marmelade und ordnet Saras Vater jeden Morgen Liegestütze fürs körperliche Wohlbefinden an. Gerade ist die Familie dabei einen Stall zu bauen, mit allem drum und dran, d.h. Ochs und Esel, versteht sich. Und: Sie meinen das vollkommen ernst! Saras Geschichte hat Matjaz Ivanisin als Thema seines Abschlussfilms gewählt und dabei eine wunderschöne Dokumentation geschaffen. Leider kann ich nicht viel mehr berichten, da ich ganz von der Geschichte gefesselt war und mich köstlich amüsiert habe. Urteil: Unbedingt Sehenswert! Der Regisseur weiß übrigens selbst nicht, ob sie wirklich schwanger ist, aber das letzte Mal, als er sie gesehen hat, kam es ihm vor, als ob sie Zwillinge bekommen würde. "We are going to have Jesus in Slovenia and maybe he will play in our football team one day", fügte er mit einem Lächeln hinzu. Fuzine RulesDie Geschichte zweier Brüder
Zwei Brüder, aufgewachsen in einer tristen Wohnblocksiedlung, ein Problem: Drogen. An seinem 18. Geburtstag wird Miso von der Polizei verprügelt, aber er verkauft weiter Drogen, auch an Kinder. Sein kleiner Bruder schwänzt sein Fußballtraining, versucht es zu verheimlichen, indem er seine Trainingssachen am Fluss benässt und verschwindet anstatt heimlich auf eine Feuertreppe und setzt sich seinen ersten Schuss, von Drogen seines Bruders. Die gehörlose Mutter muss hilflos zusehen. Sie ist angewiesen auf das Geld, dass ihr ältester Sohn durch den Drogenhandel verdient. Endlich findet Miso, der mittlerweile gemerkt hat, dass Drogen fehlen, seinen jüngeren Bruder. Erst wütend, "löst" sich der Konflikt, indem er mit seinem halb weggetretenen Bruder über die Fußballnationalmannschaft ihres Landes philosophiert und der ihm endlich zum Geburtstag gratuliert. Auch wenn der slowenische Regisseur Goran Vojnovic beteuert, dass dies so oder so ähnlich in seiner Nachbarschaft tatsächlich geschieht, nimmt man es dem Film nicht ab. Zu wenig Zeit ist, um die Figuren richtig zu zeichnen und dem Zuschauer so zugänglicher zu machen. Eine schöne Idee, unrealistisch umgesetzt. Es scheitert daran, dass man weder mitfühlen, noch mitleiden darf. Der Film lässt einen kalt. Sabbath EntertainmentKein Feiertag!
'Am siebtem Tage sollst du ruhen...!' So hält es Rachels streng gläubige Familie, die sogar zusammenschreckt, wenn das Telefon am Sabbath klingelt und sich Gedanken macht, was wohl die Nachbarn denken. Rachel muss sich deswegen ein Doppelleben führen. Wie an jedem Sabbath Abend schleicht sie sich aus dem Haus, um mit ihren nicht in der Religion verhafteten Freunden zu feiern. Erst zusammengekauert auf der Rückbank, wird sie umso kühner, umso weiter sie aus ihrem Viertel herausfahren. Sie lenkt die Fahrerin ab, wodurch diese ein Stachelschwein übersieht, versucht auszuweichen und sie schließlich im Straßengraben enden. Rachel ruft den Notruf, und macht sich dann aus Angst vor der Reaktion der Eltern zu Fuß auf den Heimweg. Am nächsten Tag, beim Familienessen klingelt die Polizei an der Tür und berichtet vom Tod des einen Mädchens, während die Familie nebenan im Esszimmer ihre Gebete singt. Mihal Brezis und Oded Binnun schufen einen Film über Jugendliche in Israel, zerrissen zwischen modernem Leben und Tradition. Eine nette Idee, manchmal etwas abstoßend. So sagt die Hauptperson, dass sie noch so lange ein Doppelleben führen wird, bis ihre Familie bei einem Selbstmordattentat ums Leben kommt und benutz ihre Regelblutung, um sich die Lippen rot zu färben. The End of the GameDie Hölle Ehe
Inspiriert durch Samuel Becketts Stück "Endspiel", zeigt der Kroate Petar Oreskovic in seinem Film Ausschnitte aus dem Leben eines verheirateten Paares. Der Film spielt, angelehnt an das Theater, nur an einem Ort, dem Wohnzimmer des Ehepaares, mit Sessel, Pflanze, Fernseher, zwei Türen, einer kleinen flinken Maus und einem mit der Vorderseite zur Wand hängenden Bild. Der Mann sitzt den ganzen Tag im Sessel, isst Spagetti, wischt sich seine Hände an der Wand ab, rauch Zigarre, pisst in die Gieskanne, die seine Frau für ihn halten muss und kommandiert sie per Knopfdruck, der einen elektrischen Schlag auslöst, herum. Sie rennt zitternd durch die Gegend, gießt die Pflanze, holt Essen, deckt ihren Mann zu, stellt den Wecker.... Alles ist immer gleich, bis es Nacht wird, ihr Mann schläft und die Frau wie erlöst mit dem Bild an die Brust gedrückt zu Spieluhrmelodien tanzt. Ihr Paradies wehrt bis zum Weckerklingeln. Dann beginnt der Alltag von neuem. So geht es Tag für Tag und Nacht für Nacht, bis der Mann die Maus eines Tages mit einem Hammer erschlägt. Endlich ist es der Frau zuviel. Sie schlägt die Pflanze über den Kopf ihres Mannes, packt die Koffer und will gehen. Doch beide Türen enden immer wieder im selben Raum. Ein herrlicher Film, wobei sich der Regisseur auf die Unmöglichkeit wahrer Kommunikation und die Absurdität des Lebens konzentriert. Originelle, überspitzte Soundeffekte begleiten die Schauspieler bei jeder Bewegung. Der Ehemann ist wunderbar grässlich, die Frau gegensätzlich, von verdammt bis erlöst. "The film ist the film, not Beckett anymore!", betonte Petar Oreskovic. Nur eins ist Schade, aber gleichzeitig spannend: Was denn nun auf dem Bild ist, das uns als Motiv durch den ganzen Film begleitet, konnte nicht einmal der Regisseur sagen. Tolle Idee! Toller Film!
Kathrin Metzner, 29.11.2003 |
![]() |
||||
|
|||||||||||||||