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Interview
mit Gabriel Le Bomin
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Antonin im Hospital mit Madeleine |
In Ihrer Arbeit als Regisseur haben sie ein festes visuelles und ästhetisches Konzept im Kopf oder entwickelt es sich beim Dreh?
Im Fall von Antonin's Stories habe ich sehr viel am Archivmaterial gearbeitet. Als Regisseur von Dokumentarfilmen hatte ich den Film visuell schon sehr klar im Kopf. Dann habe ich an einem anderen Film gearbeitet. Die Sachen sind nach und nach gekommen und haben sich entwickelt. Es gab eine sehr intensive Vorbereitungsarbeit. Ich hatte die Sequenzen klar im Kopf.
Wie haben sie die Schauspieler gefunden?
Es ging nicht über eine Agentur. Ich kannte die Schauspieler nicht, habe ihnen das Drehbuch und meinen letzten Kurzfilm zugeschickt. Ich habe ihnen erklärt, um welches Projekt es sich handelt und unter welchen Bedingungen es gedreht wird. Und sie haben positiv geantwortet.
Gab es produktionstechnisch Herausforderungen oder Probleme während des Drehs?
Es gab Probleme finanzieller Natur. Es ist ein Film, der mit geringen Mitteln hergestellt wurde. Für einen historischen Film dieser Epoche mit diesen Kostümen kann man ganz leicht darin verfallen einen Film zu machen, der diesen Erwartungen und Anforderungen nicht entspricht. Es gab Probleme mit der Dekoration und Komparserie. Wir haben nachgedacht darüber, wie man die Probleme löst und wie man die Mise en Scène dementsprechend gestaltet. Damit sie interessant für den Film ist und sich an die Möglichkeiten der Produktion anpassen sollte. Wir haben versucht in Absprache mit dem Kameramann durch Tricks diese Probleme zu umgehen.
Wie haben Sie es geschafft, den Film mit den wenigen Mitteln, die Ihnen zur Verfügung standen, so authentisch aussehen zu lassen?
Der Film hat in der Fabrikation etwa anderthalb Millionen Euro gekostet, was in sich selbst viel Geld ist. Für einen historischen Film ist es nicht viel Geld. Normalerweise ist so ein Budget in doppelter Höhe anzusetzen. Es ist wenig Geld, aber genug für das Filmmaterial, die Kostüme etc. Wir haben mit dem Kameramann und dem Kostümbildner viel in der Vorbereitung vor den Dreharbeiten zusammengearbeitet. Die meisten Kosten entstehen während der Dreharbeiten und nicht in der Vorbereitungsphase, in der wir uns die Szenen angeschaut haben und viel abgewägt haben. Dann sind wir auf den Set gegangen und haben die Kameraeinstellungen und Kamerawinkel vorbereitet. Die ganze Vorbereitung vereinfachte uns die Arbeit und hat uns Zeit und Geld bei den letztendlichen Dreharbeiten erspart. Daher gab es wenig Improvisation.
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Gabriel Le Bomin im Gespräch |
Welche Partner haben sich an der Finanzierung beteiligt?
Der Film ist durch das französische System "Avance sur Recette" finanziert worden, d. h. ein System mit öffentlichen Geldern finanziert und koordiniert durch das CNC. Sie haben uns auch für die Drehbuchentwicklung unterstützt. Rückzahlbar im Falle der Rückflüsse. Dann hatten wir eine Hilfe durch die Fondation GAN pour le Cinéma also für Erstlingsfilme, um die Kreation des französischen Kinos zu unterstützen, einen nationalen Förderer mit Regionaleffekt, wo wir gedreht haben, und die Eigenmittel des Produzenten und Verleihers.
Sie hatten keine Unterstützung vom Fernsehen. In Deutschland geht nichts ohne das Fernsehgeld. Wie war es möglich dieses Projekt zu stemmen?
Das ist richtig. Genauso ist es auch in Frankreich. Wenn ihr Projekt nicht teilweise von einem Fernsehsender finanziert wird, es ist unheimlich schwer ein Projekt zu finanzieren. Die Fernsehleute wollten nicht, weil sie das Thema zu schwer empfanden und mich auch nicht gut genug kannten. Ich hatte Kurzfilme gedreht, was aber nicht ausgereicht hat, sie zu überzeugen. Es gab kein Casting mit namhaften, renommierten Schauspielern. Und es war für die Produzentin ihr erster Film. Also hatten wir Elemente, wo sie nur nein zu sagen konnten. Einmal dann, wo sie den Film gesehen hatten, haben sie ihn gekauft. Allen voran Canal Plus, die den Film nach Sichtung kauften, weil er ihnen gefiel. Aber diese Hilfe vom Fernsehen zu Beginn hat dem Film natürlich gefehlt, und wir haben uns gesagt: "Was machen wir? Die Entscheidungsträger wollen nicht mitmachen, wir haben nur diese Mittel, aber wir glauben an den Film. Wir können es schaffen mit der Energie und Kreativität des Teams und ihn doch irgendwie außerhalb des Systems machen. Also haben wir es gemacht." Es ist nicht sehr komfortabel auf diesem alternativen Weg. Aber es war machbar in diesem Rahmen, das Projekt durchzuführen. Auf Produktions- wie auch auf filmischer Ebene. In der Erzählweise mit Flashbacks und der fragmentierten Zusammensetzung der Geschichte wie im Casting. Keine Schauspieler sind uns aufgesetzt worden, es war eine große kreative Freiheit. Am Ende waren wir sehr frei in unserem Schaffen.
Der Film ist eine absolute Low-Budget Produktion. Haben Sie angefangen zu drehen ohne die Finanzierung geschlossen zu haben?
Nein, wir wussten, wir haben dieses Geld und nicht mehr. Also haben wir zielgerichtet an alle Elemente gedacht, die nötig waren, um den Film zu machen. Der Produktionsleiter hat mir gesagt: "Wenn Du deinen Film machen willst, kannst du nicht mehr als vier Wiederholungen pro Einstellung machen. Nicht mehr!" Das kann man natürlich nicht so einhalten. Also muss man einen Kompromiss finden und bei der nächsten Einstellung weniger machen, wenn man vorher zuviel verbraucht hat. Ich fand diese Art zu arbeiten stimulierend, und die Schauspieler zu motivieren ihre Bestleistung nach wenigen Takes abzuliefern. Ich habe diese Arbeit sehr genossen. Einerseits begrenzt zu sein und zur selben Zeit aber kreative Lösungen finden zu müssen, um dasselbe Ergebnis zu bekommen. Die Leute wurden bezahlt, aber weniger als 50% des tariflich geregelten Verdienstes, mit ihrer Einstimmung natürlich. Man kann auch Filme machen aus Leidenschaft und nicht des Geldes wegen. Für das Interesse am Thema. Man spürt das in den Leuten, die da sind und miteifern. Auch die Schauspieler, sie sind mit ihren Gagen rückgestellt worden, d.h. im Falles eines Gewinns bekommen sie eine Beteiligung. Man fühlt, sie sind da, weil sie Lust dazuhaben. Das war eine Gesinnung, die unheimlich viel Energie erzeugt hat.
Wann kommt der Film in Frankreich in den Verleih? Wie sieht der Verkauf im Ausland aus?
Er ist bereits im November 2006 in Frankreich angelaufen und hat seine Karriere im Kino hinter sich. Er ist nominiert worden bei den Cesars als bester Erstlingsfilm. Er ist gut aufgenommen worden von der Presse. Nun bereiten wir den DVD-Verkauf vor. Es gibt einen Verkauf in Belgien. Wir möchten natürlich gerne, dass er in Deutschland verliehen wird.
Herr Le Bomin, wir danken Ihnen für das Gespräch!
Interview geführt von Roderik Helms
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