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Mur (Mauer)
Weiße Raben
A Decent Factory
Before the Flood
Königsberg is Dead
Magia Russica
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Berlinale 2004 - Rezensionen

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Mur (Mauer)

Wettbewerb

Gesehen von Johannes Prokop

 

Weiße Raben - Alptraum Tschetschenien

Wettbewerb

Weisse Raben

Deutschland 2005
DigiBeta, 90 Min. 
Buch und Regie: Tamara Trampe, Johann Feindt, Kamera: Johann Feindt, Ton: Paul Oberle, Schnitt: Stephan Krumbiegel

Russische Soldaten, kaum den Kinderschuhen entwachsen, nach dem Krieg. Was haben die unaussprechlichen Erfahrungen aus den Menschen gemacht, wie beeinflussen sie ihr weiteres Leben. Viele gestellten Fragen bleiben unbeantwortet, die Befragten sprechen mit ihrem Schweigen Bände. Dieser Film will nicht Licht in den Tschetschenien-Russland-Konflikt bringen, es ist ein Film über die Auswirkungen eines Krieges, gemessen an der kleinsten Zelle, am Einzelmenschen, an der Familie. Gemessen an den Schicksalen, die den an entfernter Stelle schaltenden Kriegsherren nicht vorenthalten werden dürfen. Denn es sind genau diese kleinsten Zellen, die in namenlosen Massen schuldlos an dem Versuch zur gewalttätigen Konfliktlösung leiden.

Die unsubtilen, emotionsgarantierenden Stilmittel – Zeitlupe, Videobänder aus fröhlichen Zeiten der Betroffenen, bohrende, suggestive Fragen, als Epilog original Kriegs-Footage – vermögen natürlich aufzurütteln, lassen den westeuropäischen Zuseher aber genau dort zurück, wo er ohnehin ist. In der Machtlosigkeit, im Unverständnis. Das ist kein realitätsferner Zustand, gewiss, macht aber gleichzeitig zum Voyeur, zum reinen Beobachter des Leides dieser (und so vieler anderer) Menschen. Würde dieser Film als Anti-Kriegs-Propaganda möglichst vielen jungen, kriegsbereiten Männern vorgeführt, wären all diese Stilmittel mit einem Schlag gerechtfertigt. Denn die Botschaft ist ehrlich, das Thema wichtig und manche Menschen sind nur mit der Vorschlaghammer-Methode erreichbar…

Gesehen von Sophie Gudenus

A Decent Factory - Säädyllinen Tehdas

Wettbewerb

A Decent Factory

Finnland 2004
DigiBeta, 79 Min. 
Kamera und Regie: Thomas Balmès,  Co-Regie: Mervi Junkkonen, Ton: Mervi Junkkonen, Pirkko Tiitinen, Tuomas Klaavo, Schnitt: Catherine Gouze

Der finnische Elektronik-Hersteller Nokia schickt seine "Ethischen Unternehmensberater" zu einer Zuliefer-Firma in China, um deren Arbeitsstandards zu prüfen. Fragwürdige Zustände bei Partnern in Billiglohnländern sind nicht nur ethisch problematisch, sondern können dem Firmen-Image erheblichen Schaden zufügen - falls die Medien sich dazu entschließen sollten, einen derartigen Fall breitzutreten. Die Finnin Hanna Kaskinen und ihre britische Kollegin Louise Jamison führen das Berater-Team an und treffen auf die männliche Führung des chinesischen Unternehmens. Es scheint, als würden die Frauen zu Beginn nicht sonderlich ernst genommen, sich aber im Verlauf der Dokumentation langsam als tatsächliche Bedrohung für den Vorstand erweisen. Daß das Team die gefundenen Mängel auch tatsächlich behoben sehen will, ist eine unwillkommene Abwechslung im Tagesablauf. In manchmal grotesken Situationen wird in diesem Film die gewissenhafte, freundlich-bestimmte Arbeit des Teams dokumentiert. Ob selbst bei genauester Einhaltung sämtlicher arbeitsrechtlicher Vorschriften die Tätigkeit und Behandlung der Arbeiterinnen (zu 90% sind es Frauen) als ethisch vertretbar bezeichnet werden kann, sei dahingestellt.

Gesehen von Sophie Gudenus

Before the Flood - Yan Mo

Wettbewerb

Before the Flood

China 2004
DigiBeta, 147 Min. 
Regie und Schnitt: Yan Yu, Li Yifan,  Kamera: Yan Yu, Ton: Li Zi

Wie hunderte andere Städte auch, fällt die 2300 Jahre alte Stadt Fen-jie am Fluß Jangtse dem Bau des Drei-Schluchten-Stausees zum Opfer, der bis 2009 fertiggestellt werden soll. Im Zuge dieses Projektes müssen Millionen von Stadtbewohnern der betroffenen Orte umgesiedelt werden. Fen-jie, "Die Stadt der Poesie", eine historische Stätte und Heimat des berühmten chinesichen Dichters Li Bai (701-762) wird abgerissen und von der Flut begraben werden. Der Film dokumentiert den Kampf der Bevölkerung um eine zumindest möglichst gerechte Abwicklung dieses brutalen Einschnitts in ihr persönlichen Leben. Bürokratie, Nepotimus und Überforderung herrschen soweit das Auge blickt. Es ist beklemmend, die Machtlosigkeit dieser Menschen am Existenzminimum, bar jeden Selbstbestimmungsrechts, mitzuverfolgen. Gerne hätte ich noch gewusst, was aus dem alten Mann, dem Inhaber der Pension, und seiner Frau geworden ist.

Gesehen von Sophie Gudenus

Königsberg is Dead

Internationales Programm

Frankreich, Deutschland 2004
Dokumentation, 73 Min. 
Regie: Max Zeitler, Gilbert Barillé, Kamera: Max Zeitler, Gilbert Barillé, Ton: Michael Müller,  Schnitt: Max Zeitler, Gilbert Barillé

Ein Film von Max Zeitler und Gilbert Barillé und das Produkt ihres beklommenen Gefühls! Aus dem ursprünglichen Konzept einen ganz anderen Film über Königsberg zu drehen, trat diese so called "Punk Lounge Documentary" ins Leben. Ein 73minüter bestehend aus alten alliierten Propagandastreifen, klassischen Ausschnitten aus Eisensteins "Alexander Newskij", verwackelten Fahrtaufnahmen und Interviewsituationen. Dazu mischt sich in abstrusester Weise der Klang schwerer Klassik und die beseelte "Hey Joe" Interpretation von den "Music Machines" mit den rauschenden Frontberichten eines alles überschattenden Krieges. Manchmal wirkt es als hätte das 3-Tage-Visum für die Enklave "Kaliningradskaja oblast" nicht ausgereicht, um diese komplexe Geschichte vor Ort zu erzählen und der Verdacht auf schlichte Willkür bei den Unmengen Archivmaterials, weicht nur langsam den Argumentationen der Regisseure. Aber trotz aller Kritik ist "Königsberg is Dead" eine ungewohnt ‚frische' Produktion, die es so, über diese Region mit all ihrer historischen Bedeutung und Mythologie noch nicht gegeben hat.

Gesehen von Stefan Banas

 

 

Magia Russica

 

Magia Russica ist ein einfühlsamer Dokumentarfilm über die wunderbare Welt der russischen Animation während und nach dem sowjetischen Regime. Masha und Jonathan Zur sind ein junges Filmemacherpaar aus Israel, die sich auf die Suche nach Antworten begeben, wie man solche unglaublichen Trickfilme ohne jeglicher Hilfe von Hightech Schnick Schnack produzieren konnte. Die russischen Animationsfilmer waren in jeder Hinsicht Magier. Sie haben die Lieblingshelden aller Märchen auf die Leinwand gezaubert und dazu noch die schönsten Geschichten wahr werden lassen. Einen Trickfilm zu machen bedeutete für diese Künstler nicht nur monatelange Arbeit, sondern auch der Kampf mit den strengen Vorschriften, die manchmal diese Kunst zu zerstören drohten. Doch es fanden sich immer wieder Menschen zusammen, die gleiche Ansichten teilten und sich zu widersetzen wussten. So haben sie den sowjetischen Kindern die schönsten Momente ihrer manchmal farblosen Kindheit geschenkt.

Der Film erzählt ausführlich über die Höhen und Tiefen des sowjetischen Trickfilmes, der in dem damals zweitgrößten Studio für Zeichentrickfilmproduktion "Soyuzmultfilm" in Moskau unter dem wachsamen Auge der Regierung von Stalin entstand. Der damalige Regierungschef mischte sich in alle künstlerischen Tätigkeiten im Lande. Seine Diktatur spürte man überall, auch beim "Soyuzmultfilm". 1936 wurde dieses Studio von Fyodor Chytruk nach dem Vorbild der bisher größten Zeichentrickfilmproduktion die Walt-Disney-Studios gegründet. Es waren in erster Linie Märchen und Volkserzählungen, die man damals für die Trickfilme gezeichnet hat. Doch der Stil von russischen Animationsfilmern war anders als der von Amerikanern. Man probierte viele verschiedene Richtungen aus und jeder Künstler hatte seine eigene Handschrift. Die Inhalte wurden aber ständig kontrolliert, um ja nicht den Kindern etwas Falsches beizubringen. Man musste oft vieles ändern. Zum Beispiel bei einem jungen Pionier musste man sein kariertes Hemd ändern, nur weil ein sowjetisches Kind solche "westliche" Kleidung nie anhaben würde. Und der Zeichner hat fast den ganzen Trickfilm neu zeichnen müssen. Das war nur eins von den tausend anderen absurden Beispielen der totalen Kontrolle von der Seite des Staates. Die Künstler konnten oft aber doch die Vorschriften umgehen und fanden die Wege ihre Ideen durchzusetzen. Trotz dieser Schwierigkeiten hat diese Zeit dem Land ihre tollsten Animationsmacher und die Lieblingsfilme des Publikums geschenkt.

Nach dem die Kommunisten ihre Macht nach 70 Jahren verloren haben und aus Sowjet Union Russland wurde hat sich auch die Situation im Bereich Zeichentrickfilm rasant geändert. Es wurden überall im Land neue kleine unabhängige Studios gegründet. Die Themen haben sich auch zu hundert Prozent gewendet. Statt ausschließlich nur Märchen zu produzieren, kann man jetzt endlich die aktuellen Themen, die die Situation im Land aufs Korn nehmen, einbauen. Und das ist doch die Aufgabe der Künstler, dass in ihrer Kunst die Wirklichkeit sich widerspiegeln soll.

Die Dokumentation ist voll mit interessanten Interviews mit berühmten russischen Trickfilmzeichnern. Man sieht sie nicht nur wie sie in ihren Studios arbeiten oder Studenten unterrichten, sondern auch privat zuhause. Der Film ist sehr liebevoll gemacht worden. Man zeigt in schönen Bildern die reiche russische Natur und die Menschen, die sich auf einmal wieder in den Trickfilmen wiederfinden…

 

Gesehen von Xenia Sigalowa

 

 
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Titel:   Gesehen 2005
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