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27.DOK.fest02. - 09. Mai 2012
Freunde
des Dokumentarfilms dürften sich den 2. Mai 2012 schon seit Längerem im
Kalender angestrichen haben. Dann nämlich eröffnet in München das 27.
Internationale Dokumentarfilmfest. Bis 9. Mai werden in verschiedenen Münchner
Vorführstätten dokumentarische Werke aus aller Welt gezeigt, welche in
11 Kategorien aufgeteilt sind: International,
Deutsch, Horizonte, Panorama, Fiction, Guest, Retrospektive, Münchner
Premieren, Special, Education, Tour
Diesjähriger
Gast, passend zur aktuellen rekordverdächtigen Wetterlage hierzulande,
ist die arabische Welt und füllt damit die Kategorie "Guest"
mit Filmen aus dieser Region. Im Mittelpunkt stehen dabei die
nordafrikanischen Revolutionen vergangenen Jahres, bekannt als arabischer
Frühling.
Das movie-college wird sich auch dieses Jahr wieder um umfassende Berichterstattung bemühen und exklusiven Inhalt liefern, etwa Film-Kritiken oder Interviews mit den Filmschaffenden. Hier ein Bericht zur Eröffnungsveranstaltung
Die Gewinner des Dok.Fest 2012
Wettbewerb Dok.international: Six Million And One (David Fisher)
Special Mention der Jury: This Is Not A Film (Jafar Panahi, Mojtaba Mirtahmasb)
Wettbewerb DOK.deutsch: Das schlechte Feld (Bernhard Sallmann)
FFF-Förderpreis Dokumentarfilm: Schnee (August Pflugfelder)
Wettbewerb DOK.horizonte: Bachelor Mountain (Yu Guangyi)
Special Mention der Jury: El Lugar Mas Pequeno (Tatiana Huezo Sánchez)
megaherz filmschool award: Himmel voller Geigen (Uisenma Borchu)
ARRI pitch award, 1.Platz: In Ketten tanzen (Maurizius Staerkle-Drux)
ARRI pitch award, 2.Platz: La Gente Dei Bagni (Stefania Bona)
Kritik zum Special Mention der Jury: This Is Not A Film
This is not a film Erstausstrahlung: Sa, 21. Mai 16:00 Arte Regie: Mojtaba Mirtahmasb Ein Mann, der an einem Frühstückstisch sitzt. Er isst. Dann ein Anruf... Langsam erfahren wir, dass es sich hier um jemanden handelt, der zu sechs Jahren Gefängnis und 20 Jahren Berufsverbot verurteilt wurde. Jafar Panahi, ein iranischer Regisseur, der 2010 angeklagt wurde wegen mutmaßlicher Verbrechen gegen die nationale Sicherheit und Propaganda gegen die islamische Republik. Bislang ist das Urteil noch nicht rechtskräftig, ein Berufungsverfahren läuft. Seit Monaten zum Warten verdammt, lädt er den befreundeten Dokumentarfilmer Mojtaba Mirtahmasb zu sich in die Wohnung ein. Panahi beginnt ein Experiment: Er möchte sein letztes Drehbuch - von der Zensur bereits verboten - zeigen, indem er es erzählt. Sein Filmset ist ein Teppich, Darsteller er selbst. Vor den Augen der Zuschauer entfaltet sich eine Improvisation über die Geschichte einer jungen Frau, die ebenso Gefangene ist wie Panahi selbst. Über die alltäglichen Dinge eines von der Welt isolierten Menschen, ebenso wie über die Kunst des Filmemachens und das iranische Kino. Aufgenommen teilweise mit einem iPhone, im Wechsel zwischen Mirtahmasb und Panahi selbst, zersetzen die Aufnahmen das klassische Format einer Dokumentation. Direkt vor der Kamera schreibt Panahi seinen vorherigen Aufnahmen Oberflächlichkeit und Aussagenichtigkeit zu; wir erleben Mirtahmasb und Panahis Diskussion über den richtigen Zeitpunkt eines Cuts. Spätestens jetzt wird klar, dass das, was wir sehen, direkt vor unseren Augen entsteht. „This is not a Film“ ist kein Film. Es ist ein Kunstwerk, eine zwischenmenschliche Aussage, die sich keineswegs leicht in Worte fassen lässt. Hinter den einfachen Bildern verbirgt sich ein Trotz der Niederlage, eine politische Aussage und gleichzeitig Poesie. Ein Film, der gesehen werden sollte. Hannah Schramm
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