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Von Begeisterung bis zu TiefschlaffilmenEs scheint alles dabei zu sein was das Herz begehrt oder verabscheut. Vieles lässt einen Staunen, nicht nur weil es so gut ist, sondern manchmal auch, wie es den Weg in ein solches Festival gefunden hat. Wir schauen trotzdem, unermüdlich, fragen die Kollegen aus, von denen manche darauf schwören, dass eigentlich die Retrospektive am Spannendsten sei. Schwierig. Und dann gibt es auch immer wieder Filme, die überraschen, die einen bezaubern oder berühren. Die Filme eben, für die es sich gelohnt hat hierher zu kommen. Gleich am ersten Abend etwa hat der Eröffnungsfilm "La vie en rose" eine Hommage an die große Chansonsängerin Edith Piaf das Publikum begeistert. Wir haben für Sie angeschaut:
CITY OF MEN (CIDADE DOS HOMENSThe good German Stephen Soderbergh erzählt eine verworrene Geschichte , die im Berlin 1945 spielt. Der Krieg ist gerade zu Ende und die Verhandlungen zwischen Russland und Amerika im vollen Gange. Jake Geismeier (George Clooney) ist ein amerikanischer Kriegskorrespondent, der bis vor drei Jahren in Berlin lebte und zu dieser Zeit eine Affäre mit der verheirateten Lena Brandt (Cate Blenchette) hatte, die er bis heute nicht vergessen konnte. Wegen ihr kommt er zurück nach Berlin, einer Stadt, die er nach dem Krieg kaum wiedererkennt.
Jack begegnet Lena zufällig, da Jacks Fahrer Tulli (Tobi Macquire) ihr neuer Freund ist. die Begegnung ist jedoch kein freudiges Wiedersehen und Jack ahnt noch nicht worin Lena verwickelt ist. Er versucht mit ihr zu sprechen, wird jedoch zurückgewiesen und selbst als Tulli ermordet wird, lehnt sie seine Hilfe ab. Lena ist seit dem Krieg eine Prostituierte und verdient sich so das Nötigste zum Überleben. Als Jack jedoch nicht nachgibt und auf eigene Faust recherchiert, was es mit dem Mord an Tulli auf sich hat, erfährt er mehr und mehr, was in den letzten drei Jahren in Lenas Leben vorgefallen ist. Jack verstrickt sich durch seine Recherche jedoch immer mehr in politische Angelegenheiten und merkt schon sehr bald, dass er sich in einem Netz von Intrigen befindet. "The good German" ist ein Politthriller mit Liebesgeschichte, sehr amerikanisch erzählt. Jack ist der Held, der aus dem Nichts kommt und die Hilflosen gegen das Böse verteidigt. Doch das Böse scheint überall zu sein und man weiß schon bald nicht mehr, wem man trauen kann. Jack gegen den Rest der Welt. Ein typisch amerikanischer Held, doch vor dem Happy End verschont uns Soderbergh glücklicherweise. Dennoch, die Geschichte ist spannend erzählt und die hochkarätigen Schauspieler überzeugen in ihren Rollen. Und auch optisch hat Soderberghs neustes Werk seine Reize: Die Schwarz-Weißbilder, die er nach der Kameratechnik der damaligen Zeit gedreht hat sind zwar zu Beginn ein wenig gewöhnungsbedürftig, verleihen dem Film jedoch einen besonderen Charm. Soderbergh selbst äußerte sich über "The good German" bei der Pressekonferez, als einen Film der seiner Vision, dem Film in seinem Kopf, am nächsten kommt, verglichen mit allen Filmen, die er bisher gedreht hat. Enttäuschend, wenn man den inhaltlichen Wert der Geschichte betrachtet. Alles in Allem ist "The good German" zwar keine Bereicherung, aber doch sehenswert. Gesehen von Anna Maier.
Sakuran
Sakuran ist die Verfilmung eines beliebten japanischen Mandalas von Tanada Yuki. Der Film spielt in Edo, dem heutigen Tokyo. Die Regisseurin Mika Ninagawa erzählt die Geschichte des kleinen Mädchens Kiyoha (Ayam Koike), die gegen ihren Willen von der Oiran, der begehrtesten Edelhurre gekauft wurde, um zu einer Lustdame höchsten Ranges erzogen zu werden. Ninagawa ist eine erfolgreiche, bekannte japanische Fotografin, die mit bunten Farben und traumhaften Bildern beschreibt, was uns eigentlich schon allein durch die Vorstellung abschreckt: Das kleine freche Mädchen, wird zur Edelhure herangezogen und ist schon bald die neue Oiran Higurashi (Anna Tsuchiya). Als kleines Mädchen rebelliert Kiyoha gegen diese künstliche Welt der Edelhurren in den Bordellen, in denen sie Leben, wie die Goldfische in ihrem Glas, die als Motiv die Geschichte begleiten. Für Kiyohas Ausbruchsversuche wird sie mit Prügel bestraft. Doch als begehrte junge Frau scheint sie schließlich ihr Ansehen zu genießen, und sie sieht alles noch ein wenig wie ein Spiel. Das Blatt wendet sich jedoch, als sie sich verliebt. Schmerzlich muss sie feststellen, dass Liebe in ihrem Leben keine Daseins Berechtigung hat. Die Geschichte ist ein hin und her von Gefühlen zwischen Liebe, Hass und Verzweiflung. Zuneigung und Ablehnung. Wer jedoch die "Geisha" kennt, wird viele Ähnlichkeiten bezüglich des Inhalts feststellen. Was dem Inhalt und auch der Sprache, (zumindest der Übersetzung) fehlt, gleicht Ninagawa durch ihre faszinierend schönen und atmosphärischen Bilder wieder aus. Sie spielt mit Farben und Symbolen. Und es ist ihr gelungen, die häufig wiederkehrenden Erotikszenen immer wieder neu und spannend darzustellen. Sie schafft eine künstlerische Erotik, wenn Kiyoha aus Liebe mit jemandem zusammen trifft und eine nüchterne Schönheit, wenn sie das aus dem Geschäft heraus tut. Trotz der fabelhaften Außenwelt gelingt es Ninagawa die Trümmer im inneren des Charakters Higurashi zu verdeutlichen. Dieser ständige Konflikt des Charakters trägt die Handlung, verliert jedoch mit der Zeit mehr und mehr seine Kraft. "Sakuran" ist ein Film fürs Auge und es ist schön sich diese Bilder anzusehen. Ich finde es jedoch fraglich, ob ein solches Thema auf diese Weise richtig behandelt ist. Gesehen von Anna Maier
"Aufrecht stehen" und "Blindflug"
Das Kurzfilm Doppel der Perspektive deutsche Kino mit "Aufrecht stehen" und "Blindflug" bietet zwei völlig unterschiedliche Geschichten, die sich beide mit existentiellen Dingen im Leben, von der Liebe bis zum eigentlichen Sinn, beschäftigen. "Aufrecht stehen" erzählt von einem jungen Mann Joe, gespielt von Johann Steiner, der sein Leben im wahrsten Sinne bekämpft. Er spielt lebendigen Boxsack bei Wettkämpfen und verdient so sein Geld. Er ist inzwischen regelrecht süchtig, Schläge einzustecken, um sein Blut zu schmecken und das Gefühl der völligen Gleichgültigkeit zu erlangen, wenn er zu Boden geht. Schließlich trifft er auf die junge Frau Rosa (Anna König). Auch sie gehört nicht zu den erfolgreichsten im Leben, und auch sie steht nach jedem Schlag wieder auf. Allerdings mit dem Willen zu stehen. Die Regiestudentin Hannah Schweier der Akademie Baden Würtemberg, hat weniger eine Geschichte, als die Psychologie des Menschen inszeniert. Sie bedient sich dabei jedoch weniger Dialoge und nützt vor allem die Aussage der Ereignisse und die Kraft. Und auch wenn sie zu sehr extremen Charakteren greift, ist es ihr gelungen die Geschichte glaubhaft zu erzählen.
"Blindflug" ist der erste lange Film von Ben von Gafenstein, der im letzten Jahr in Baden Württemberg seinen Abschluss gemacht hat. Er erzählt mit einfachen und wunderschönen Bildern die Begegnung von Menschen, die aus verschiedenen Gründen an einem Punkt in ihrem Leben angekommen sind, wo sie etwas ändern wollen, ja sogar müssen. Henrik (Christoph Bach) hat einen schweren Schicksalsschlag hinter sich und beschließt, absolut alles hinter sich zu lassen und irgendwo im Nirgendwo weiterzumachen. Lotte (Barbara Philip) ist die Frau von Rainer (Michael Roischopf) und ist von Zukunftsängsten geplagt. Ihr Mann ist sehr erfolgreich und ehrgeizig und nachdem er nun seine Karriere gesichert hat und ein Heim geschaffen, ist für ihn völlig klar sich jetzt um Nachwuchs zu bemühen. In seiner Planung jedoch übergeht er , dass sich Barbara noch
nicht so weit fühlt, wo sie doch gerade erst in ihren Beruf einsteigen
will. Als sie sich entschließt einfach mal für ein paar Tage
wegzufliegen, um nachzudenken, gerät Rainer in Panik und fürchtet sie zu
verlieren. Er sperrt ihre Geldkarten, so dass sie sich kein Ticket kaufen
kann. Dieser Schuss geht nach hinten los, denn dadurch trifft sie
in einem Kaffee auf Henrik, der sie spontan auffordert mit ihm zufliegen.
Barbara ist hin und her gerissen. denn jetzt geht es ni9cht mehr nur um
ein paar Tage ausreißen, sondern sie muss sich zwischen ihrem Mann und
Henrik entscheiden. Denn Rainer ist am Flughafen aufgetaucht und sie in
einer angeregten Unterhaltung mit Henrik beobachtet. Gesehen von Anna Maier
Nachmittag
Nur Leute die bei Hitchcock Sex suchen, erwarten Action bei Schanelec. Ein Schwung der anwesenden Journalisten haben bei der Premiere zu Angela Schanelecs „Nachmittag“ aus Langeweile den Saal verlassen. Als Koriphaee dessen was die deutsche Presse als „Berliner Schule“, die cahiers du cinema gar als „nouvelle vague allemande“ bezeichnen, steigert sich Schanelec gegenüber ihres letzten Films „Marseille“: langsame Dramaturgie, profane Themenbehandlung sowie reduzierte Musikuntermalung mit Hervorhebung von O-Tönen. Der Schriftsteller Konstantin lebt in dem Haus am See seiner Familie. Seine Mutter Irene, eine Theaterschauspielerin (gespielt von Schanelec selbst), kommt nach langer Zeit wieder einmal zu Besuch. Konstantins Freundin Agnes, früher seine Nachbarin, ist ebenfalls zu Besuch. Doch das Mutter-Sohn-Verhältnis ist zerstört, der Verlust ist unwiederbringlich und die Atmosphäre gespannt. Als Irene ihren Liebhaber zum Trost einlädt, dreht Konstantin durch. Agnes indes findet Gefallen an diesem Geliebten... Die Hauptfiguren der "Möwe" von Tschechow werden hier und heute an zwei Nachmittagen gezeigt. Fuer Schanelec gibt es im Leben nicht die klassische Dramaturgie. Folglich ist diese im Film (der für sie das Leben wiederspiegeln muss) auch nicht zu finden. Es geht um echte Gefühle und um reale Gefühlsausbrüche. Klassische Konventionen werden hier komplett über den Haufen geworfen und Film wird in ein komplett neues Licht gestellt. Wie schon bei früheren Filmen, arbeitet Schanelec mit Kameramann Reinhold Vorschneider und der Cutterin Bettina Boehler, die dem Film eine ganz besondere Ästhetik geben. So ist dieser Film ein weiterer Teil des im Revolver Magazin beschriebenen Neuen Realismus in Deutschland und ein etwas eigenwilliger aber sehenswerter Film auf der Berlinale 2007. Credits: Deutschland, 2007, 97 min Regie: Angela Schanelec Darsteller: Jirka Zett, Miriam Horwitz, Angela Schanelec, Fritz Schediwy, Mark Waschke, Agnes Schanelec Sektion: Forum Gesehen von Maxi Haslberger
Here’s looking at you, boy(Schau mir in die Augen, kleiner) von Andre Schaefer
Das ist das Coming out. In dieser Dokumentation geht es um das sich gewandelte Bewusstsein gegenüber dem Schwulen-Lesben-Kino. Es geht um die Entwicklung, die diese Art von Filmen unternommen haben, und darum, inwiefern schwule Regisseure beigetragen haben, das Kino von heute zu beeinflussen. Der Film handelt chronologisch das homosexuelle Kino seit den Siebzigern, dem „Coming Out des Kinos“, ab, und zeigt Exzerpte aus Filmen wie „Pink Flamingo“ (John Waters) oder „Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation in der er lebt“ (Rosa von Praunheim). Neben Namenhaften Regisseuren wie Gus van Sant und Stephen Frears kommen auch Schauspielerinnen wie Tilda Swinton zu Wort. Es werden Meisterwerke aus der Filmgeschichte ausgewählt und besprochen. Leider werden in den Pressetexten Interviews mit Leuten angekündigt, die nicht im Film vorkommen und insgesamt werden auch nur schwule, keine lesbischen Filme besprochen. André Schaefer schafft es den Regisseuren sehr nahe zu kommen und zeigt an einem indischen Beispiel auch die Schwierigkeiten für homosexuelle Filmemacher in anderen Teilen der Erde. Darin weiter einzusteigen wäre interessant gewesen, doch der Film kommt wieder zurück auf die „Goldinsel Europa mit Nordamerika“. Der Film ist nett, die musikalische Untermalung meist pattethisch. Alles in Allem ist der Film zwar kein Highlight auf dem Filmfestival dieses Jahr, aber eine Alternative an regnerischen Nachmittagen. Gesehen von Maxi Haslberger
Scott Walker - 30 Century Man
In den sechziger Jahren wurd eine Band namens „The Walker Brothers“ weltbekannt. Mit the „The sun ain’t gonna shine anymore“ landeten sie einen Hit. Der Sänger und Bassist Scott Walker verschwand aber auf dem Zenith seines Ruhms und veröffentlichte nach Jahren der Abstinenz Soloalben. Seine Musik war anders. Er sang stets noch mit der tiefen Stimme, ähnlich der des Presly, die Lieder waren jedoch düster, die Texte poetisch. Seitdem gilt Walker als Avantgardist und Zukunftsmusiker. Er gehört trotz Flops und stets polarisiertem Publikum zu den Groessen im Pop. 2006 veröffentlichte Walker sein bisher letztes Album „The drift“. Regisseur Stephen Kijak war bei den Aufnahmen im Studio anwesend und zum ersten mal war es möglich Einblicke in das geheimnisumwobene Leben des Scott Walker zu bekommen. Die Film spiegelt zum einen kurz das Leben des Künstlers wieder, und gibt zum Teil Inhalte über das Leben Walkers abseits vom Ruhm der Walker Brothers preis. Während Groessen der Pop Industrie wie David Bowie, Jarvis Cocker and Damon Albarn interviewt werden und ihre Begeisterung für Walker teilen, bekommt man Eindrücke über die Studioarbeit Walkers, die nicht sehr konventionell verläuft. Neben dem geheim halten der Melodien gegenüber den Studiomusikern, lässt Walker für ein Lied seinen Percussionist auf eine Speckschwarte schlagen... Scott Walker, wohl eher Hausfrauen aus den Sechzigern als der heutigen Jugend bekannt, komponiert bizarre Musik und ähnlich ist auch die Stimmung in dem Film. Das Problem: wenn man keinen Bezug zu Walker hat und auch kein Fan von ihm ist, ist es schwer sich für diesen Film begeistern zu können. Nervig sind leider auch schlechte Animationen, die in dem Film integriert wurden und einerseits zwar eine ähnliche Atmosphäre wie die Lieder vermitteln, aber visuell einfach grauenhaft sind. Es ist interessant sein Wissen ein wenig mit diesem Film erweitern zu können, aber 95 Minuten wie diese sind einfach zu lang. Gesehen von Maxi Haslberger
Itty Bitty Titty Committeevon Jamie Babbit
Eine anarcho- feministische Teenie- Komödie über Selbstfindung, Freundschaft und Frauenpower. Willkommen in der Welt der Latzhosenträgerinnen, Schwanz- ab- Verfechterinnen und Emanzen des 21. Jahrhunderts. In Annas Leben läuft so ziemlich alles den Bach herunter: Von ihrer Freundin verlassen, von ihrer Wunschuni nicht angenommen, jobbt sie in einer Praxis für Brustoperationen und wird von niemandem so richtig ernst genommen. Veränderung muss her und die tritt auch wie durch ein Wunder in Gestalt der sexy Sadie ein. Anna beobachtet eines Abends wie Sadie Sprüche gegen die Schönheitsindustrie auf den Eingang der Praxis, in der sie arbeitet, sprüht. Völlig eingeschüchtert von der selbstbewussten Sadie, traut sie sich nicht die Polizei zu rufen, wird aber von ihr zu einem Treffen der CIA eingeladen. CIA, so stellt sich heraus, ist die Abkürzung für "Clits in Action" und dem Kampf gegen das Patriarchat verschrieben. Neben Sadie der Anführerin gehören der Gruppe noch Shulie, Brillenträgerin und ein echter Haudegen, Meat, Künstlerin und Gipsfigurenlieferantin für diverse Aktionen und Aggi, der einzige "Junge", an. Anna ist fasziniert, nicht zuletzt wegen Sadie, die sie heftig anmacht. Sie integriert sich in die CIA und gemeinsam führen sie Proteste und Aktionen gegen die Unterdrückungen der Frau durch. Im weiteren Verlauf bleibt natürlich nicht alles so rosig, es kommt zu Eifersucht, Tränen und Auseinanderbrechen der Gruppe, letztendlich aber auch wieder zum Happy- End, was einem explodierender Phallussymbol zu verdanken ist. Die Regisseurin Jamie Babbit wollte mit dem Film den jungen Mädchen und Frauen von heute zeigen, dass der Feminismus kein Schnee von gestern ist, sondern durchaus cool und sich niemand dafür schämen muss Feministin zu sein. Itty Bitty Titty Committee ist weniger politisch, dafür aber 100% Komödie, die in jedem Fall eines Kinobesuches wert ist. Gesehen von Agata Wozniak
Luo Ye Gui Genvon Zhang Yang
Es geht wahrlich um ein zurückkehren zu den Wurzeln. Zhao hat mit seinem Freund eine Vereinbarung getroffen. Sollte einer der beiden Frühzeitig sterben, wird der Überlebende den Toten zurück in seine Heimatstadt bringen, um ihm in einem Begräbnis mit der Familie ein würdiges Ende zu verleihen. Als nun sein Freund bei einem Unfall in der Arbeit stirbt, macht sich Zheo mit dem Leichnam im Bus auf den Weg. Den anderen Mitfahrern erzählt er, sein Freund sei betrunken. Bei einem Überfall entpuppt er seinen Freund als Leiche und schildert das Drama seiner bisherigen Geschichte. Von so viel Loyalität gerührt, lassen die Banditen ab von ihm. Die Insassen hingegen fühlen sich betrogen, und werfen die beiden schliesslich aus dem Bus. So sucht ein Unglück das nächste Heim. Doch Zheo lässt seiner Kreativität freien Lauf: einmal transportiert er den Leichnam in einem Traktorreifen... Aus Hongkong kommt dieses Jahr die Produktion „Luo Ye Gui Gen“ und heißt übersetzt soviel wie: „Blätter fallen zurück zu ihren Wurzeln“. Und genau um dieses zurückkehren geht es auch. Das Leben ist ein immer wieder kehrender Kreislauf und der Tod folglich nicht nur mit Tragödie verwandt. Nach einer wahren Begebenheit hat der Regisseur Zhang Yang in der Sparte Panaroma einen Roadmovie der besonderen Art gedreht. Wunderbar schafft er es, Komik mit der nötigen Dramatik zu kombinieren und hat trotz leiser Kritik am „3 Schluchten Damm“ den Film durch die chinesische Zensur gebracht. Neben einer tollen Besetzung für die Haupotrolle mit Zhao Benshan (ein sehr berühmter Darsteller in China) hat Yang zusätzlich einige Cameos (berühmte Darsteller, die Statistenrollen übernehmen) aus der chinesischen Filmbranche ins Boot geholt. Zwei Minuten „Standing Ovations“ haben die Begeisterung des Publikums für den Film demonstriert. Mehr als nur sehenswert, ist dieser Film definitiv eines der Highlights auf der Berlinale 2007 und auch ein heißer Kandidat im Rennen um den Publikumspreis. Gesehen von Maxi Haslberger
Fay Grimvon Hal Hartley
Der Film „Fay Grimm“ überrascht schon am Anfang mit seiner sehr eigenen Kameraästhetik. Sehr schnell begreift der Zuschauer, dass es sich bei diesem Film um eine Farce handelt, die klassische Klischees von Spionage Filmen parodiert. Mit raffiniertem Humor wird der Zuschauer in eine Komödie eingeführt, die aber leider in einem pattethischem Drama endet. Normalerweise ist das ein guter Mix und Filme wie „Das Leben ist schön“ oder „Luo Ye Gui Gen“ (auch auf der Berlinale 2007) haben das schon mehrfach bewiesen, doch leider funktioniert das aufgrund der ersten Hälfte nicht wirklich. Die Witze sind raffiniert und gut getimt. Doch aufgrund eines Anfangs der einer Parodie gleicht, bleibt dem Zuschauer die Dramatik am Ende leider fern. Fay Grims Ehemann Henry wird seit Jahren von der CIA gesucht. Ihr Bruder, der berühmte Schriftsteller Simon Grimm, sitzt im Gefängnis weil er gerade diesem zur Flucht verholfen hat. Als Fays Sohn ein anonymes Paket bekommt und die CIA wieder bei Fay auftaucht, fängt die dramatische Parodie an, die sich glücklicherweise stets in eine neue Richtung bewegt und den Zuschauern mit immer tiefer gehenden Intrigen überrascht. Fast schon kafkaeske Situationen resultieren daraus und werfen unzählige Fragen auf. Das Problem, neben der dann doch sehr gefüllten Handlung irgendwie noch zu folgen, ist gleichzeitig auch das Fehlen jeglicher Antworten und verwirren am Ende doch mehr, als dass sie Aufschluss über die Charakterentwicklungen geben. Der Film bleibt trotz des schwachen Endes sehenswert und ist ein schönes Beispiel fuer internationaler Zusammenarbeit mit deutschen Talenten: die deutschsprachigen Schauspielerinnen Jasmin Tabatabei und Sibel Kekilli sind in Nebenrollen zu sehen. Gesehen von Maxi Haslberger
Die Fälschervon Stefan Ruzowitzky
Die Geschichte spielt gegen Ende des 2.Weltkriegs, als die Nazis im KZ Sachsenhausen eine eigene Fälscherwerkstatt einrichten, um die gegnerische Wirtschaft mit Blüten zu überfluten. Die Hauptfigur, Sali Sorowitsch (Karl Markovics) gilt als Königsfälscher und gehört zu den gesuchtesten Kriminellen, bis man ihn aus einer Unachtsamkeit heraus verhaften kann. Von da an beginnt sein Leben im KZ, wo es ihm gelingt, sich als Künstler einige Bevorzugungen zu erarbeiten. Als er schließlich nach Sachsenhausen gebracht wird und dort als ehemaliger Fälscher König die Aufsicht über die Falschgeld-Produktion übertragen bekommt, scheint sein Leben plötzlich trotz Gefangenenlagers einen luxuriösen Wandel zu nehmen. Sie haben zu essen und eine weit komfortablere Unterbringung, als zuvor in den übrigen Konzentrationslagern. Sali macht dort nun im großen Stil, das was ihn erst in diese Lage gebracht hat. Doch die Dinge ändern sich, denn er trägt nicht nur die Verantwortung für die Produktion, sondern auch für die, die mit ihm Arbeiten. Dabei steht er im Konflikt mit dem Idealist Burger (August Diehl), der im Gegensatz zu Sali nicht nur den eigenen Vorteil und der Eigenverantwortung sein Leben zu schützen, sondern die Verantwortung gegenüber allen Opfern dieses Kriegs sieht. Schließlich konnten die Blüten wesentlich sein, um den wirtschaftlichen Untergang des 3.Reichs hinauszuzögern und damit den Krieg fortzusetzen.
Sali versucht schließlich nicht nur sein Leben, sondern auch das seiner Nächsten zu schützen, befolgt dafür jedoch die Anweisungen der Nazis. Burger hingegen sabotiert und riskiert damit das Leben aller Beteiligten Ruzowitzky erzählt mit DIE FÄLSCHER nicht nur eine geschichtliche Begebenheit, sondern einen Konflikt zwischen verschiedenen Haltungen die unabhängig von jeder Zeit sind. Damit ist der Film inhaltlich sehr wertvoll, wenn auch nicht unbedingt als Geschichtsbuch zu verwenden. Die Schauspieler füllen ihre Rollen eindrucksvoll, lassen das Publikum mitfiebern, sie stoßen ab und wecken Mitgefühl. Man entwickelt Ihnen gegenüber Sympathien, so wie Antipathien, Unverständnis, so wie Mitleid. Karl Markovics und August Diehl beweisen große Schauspielkunst. Mit seiner Inszenierung hat auch Stefan Ruzowitzky (Regie:Anatomie) sein Können mal wieder demonstriert. Und auch wenn der Film von der Optik keine neuen Wege zeigt, so ist er Ergebnis von solidem Handwerk und absolut sehenswert. Gesehen von Anna Maier KINOSTART: 22. März 2007
Kurzfilmwettbewerb 1Das Kurzfilmprogramm dieses Jahr ist im Durchschnitt recht gut. Es gibt ein paar echte Glanzlichter aber auch solche Filme bei denen man sich fragt, was sie auf der Berlinale zu suchen haben.
Eingeleitet wird
das Programm von dem etwa 3 Minuten langen Film „My Mother Learns
Cinema“ von Nesimi Yetik. Mit unbewegter
Kamera sieht das Publikum dem türkischen Regisseur dabei zu, wie er
versucht seiner Mutter die Namen der großen Filmemacher beizubringen. Er
sagt die Namen vor, die Mutter wiederholt sie. Mit der Aussprache hapert
es, er verbessert sie und sie wiederholt wieder. Das ganze mutet etwas wie
Flüsterpost an. Man lacht. Ein netter Einstieg, der gestern auch mit
einem Sonderpreis ausgezeichnet wurde. Ein wahres Glanzlicht ist der französische Film „The Guitar Lesson“ von Martin Rit. Eines Morgens entscheidet ein Mann mittleren Alters sich dazu mit dem Gitarrespielen anzufangen. Durch eine Annonce in der Zeitung landet er in einer WG. Wöchentlich
begleitet der Zuschauer ihn nun zu seinen Unterrichtsstunden. Man erlebt
wie er Fortschritte macht und allmählich auch einen Einblick in das
WG-Leben erhält. Als es ihm schließlich gelingt, das Chanson von Serge
Gainsbourg „Laetitia“ vollständig und fehlerfrei zu spielen und die
Leinwand schwarz wird, applaudiert wie auf ein Zeichen hin das gesamte
Publikum, sowohl aus Sympathie für die Hauptfigur und ihre vollbrachte
Leistung, als auch aus Anerkennung für diesen schönen Film.
Ein weiterer herausragender Film ist der polnische Beitrag. Anfänglich als Dokumentation gedacht, begleitete Regisseur Marcin Janos Krawczyk und sein Team ein recht außergewöhnliches Paar über einen längeren Zeitraum. Schließlich wurde daraus aber ein Kurzfilm, da dem Regisseur zufolge, die Quintessenz der ganzen Dokumentation in diesem „Rendez-vous“ lag. „Rendez-vous“ zeigt einen geistig behinderten, jungen Mann und eine am Down-Syndrom leidende junge Frau bei ihrem Rendez-vous in einem Restaurant. Das, was für manche Leute schon völlig natürlich geworden ist, stellt für dieses Paar eine ganze neue Welt dar. Der Film lebt von dem Charme der beiden Protagonisten und den, wenn auch manchmal unfreiwillig, komischen Dialogen der beiden an diesem einen Abend. Beide sind aufgeweckt und wenn man nur ihrer Unterhaltung lauschen würde, käme man vielleicht gar nicht darauf, dass es sich um geistig Behinderte handele. Genauso würde man unwillkürlich einfach nur diesen liebevoll schrägen Unterhaltungen folgen wollen. von Alexander Truxa
Yella
Yella (Nina Hoss) versucht auszubrechen. Aus ihrem alten Leben; aus ihrer Ehe. Nicht nur die ihrer Heimatstadt wirkt beklemmend wie eine Zelle. Ihr nur spärlich gezeigtes Umfeld engt Yella sichtlich ein. Ihre Flucht ist das Resultat aus Scheitern und Erkenntnis. In einer anderen Stadt hat sie neue Arbeit gefunden. Auf dem Weg in eine neue Zukunft lernt sie Philipp (Devid Striesow) kennen. Erst als nur seine Assistenz, arbeitet sie für sein Private-Equity Unternehmen. Im Leben des Kapitals, lebt sie sich schnell ein, und mit einem Ziel vor Augen zieht Philipp mit Yella durch Hotel-Lobbys und Büroräume auf einer Welle des Gewinns. Das vordergründige Spiel nur zu gewinnen sein, und Yella scheint zurück im Leben angekommen zu sein. Nach "Gespenster" (2005 im Wettbewerb der Berlinale) legt Christian Petzold mit "Yella" nach. Neben Bettina Böhler für Schnitt, besetzt er auch wie schon wie früher Hans Fromm für die Kamera. Und wie auch schon in anderen Werken geht es um geladene Momente. Die Szenen sind durchwachsen mit einer gespannten Atmosphäre und Petzold kreiert fast schon perfektionistisch wieder ein Spiegelbild deutscher Gesellschaft. Mit Zitaten an Hitchcock, toller Dramaturgie und sehr ausgearbeiteten Kameraeinstellungen, setzt er nahtlos an seiner Bildersprache von älteren Werken an. Jean-Claude Carrière, Mitbegründer der "Nouvelle Vague" und Direktor der Pariser Filmhochschule "Fémis", beschrieb das deutsche Kino mit fehlender Identität. Fassbinder habe diese mit Anderen in den Sechziger und Siebziger Jahren geschaffen, nach dessen Tod 1982 sei aber auch ein Teil dieser Kultur gestorben. Nicht nur Petzold ist dabei diese Identität wieder einzuholen. Doch dieser Film zeigt, dass er definitiv einer der besten ist, dem deutschen Kino wieder etwas Eigenes einzuflössen. Ein Muss für alle Fans von deutschem Kino und wahrlich ein verdienter Bär für Nina Hoss.
von Maximilian Haslberger
El Camino de los Inglesesvon Antonio Banderas
Der 18 jährige Miguelito wird nachdem ihm eine Niere entfernt wurde aus dem Krankenhaus entlassen. Der Aufenthalt dort hat ihn verändert. Durch einen alten Mann, der im Bett neben ihm lag, bevor er starb, lernte Miguelito seine Liebe zur Poesie kennen. Er hat nun nur noch einen Traum, er möchte Schriftsteller werden. Doch zunächst liegt erst einmal ein heißer und aufregender spanischer Sommer vor ihm und seinen Freunden Paco und Babirusa. Paco ist der Sohn eines reichen Vaters, der zurzeit wegen nicht ganz legalen Geschäften im Gefängnis sitzt. Babirusa, ein Matial Arts Fan, der seinen Vater nie kennen gelernt hat und dessen Mutter in London ihr Geld verdient, wohnt bei seiner Tante, wo er des öfteren mit seinem Großonkel aneinander gerät. Im Freibad verliebt sich Miguelito in die hübsche Luli, die davon träumt Tänzerin zu werden und dafür bereit ist einiges in Kauf zu nehmen. Der Film beginnt mit traumhaft schönen, surrealen Bildern, die mit der emotionalen Musik von Giménez, die Erwartungen an diesen Film schnell steigen lassen. Aus dem Off kommt eine Stimme, die anfängt in poetischen Texten uns das Geschehen zu erklären. Man ist überwältigt von den Farben, den Bildern und der Musik. Man lauscht der Stimme und erwartet Großes, einen poetischen, anspruchsvollen Film. Doch bald merkt man, dass die Stimme versucht einem alles zu erklären, und mit der Zeit geht einem das pseudophilosophische Gefasel langsam auf die Nerven. Hinter der großartigen Optik und der fantastischen Musik fehlt dann leider doch die tiefgründige, mitreißende Geschichte. Die überzeugenden Darsteller versuchen ihr Bestes um den Figuren Leben einzuhauchen, aber das kann leider nicht die dramaturgischen Schwächen des Buches wettmachen. Die Bilder dieses Films reichen für drei, die Story aber leider nur für einen Kurzfilm. Gesehen von Alexander Truxa
The Bubblevon Eytan Fox
Der Film des israelischen Regisseurs Eytan Fox hat schon auf
internationalen Festivals Furore gemacht, bevor er jetzt auf der Berlinale
seine Europapremiere gefeiert hat. The Bubble ist eine Liebesgeschichte zwischen dem Palästinenser Ashraf
und dem Israeli Noam. Die beiden Männer begegnen sich an einem
Checkpoint, der Grenze zwischen den beiden Staaten. Noam leistet dort
seinen Militärdienst ab, während Ashraf nach Israel einreisen möchte.
In Tel Aviv treffen sich beide wieder, als Ashraf Noam aufsucht und ihm
seinen Pass, den er am Checkpoint verloren hat, wiederzugeben. Sofort
funkt es zwischen ihnen und Ashraf, der keine Aufenthaltsgenehmigung und
keine Unterkunftsmöglichkeit hat, zieht zu Noam und seinen beiden besten
Freunden und Mitbewohnern Lulu und Yali. Ashraf beginnt in einem
Restaurant zu arbeiten und die vier verbringen eine unbeschwerte Zeit
miteinander. Während Ashraf und Noam auf Wolke rosarot schweben, rächt
sich die temperamentvolle Lulu an einer männlichen Enttäuschung, Yali
beginnt eine Affäre mit dem Macho und Großmaul Golan und neben dem
wichtigsten Thema, den Querelen der Liebe, organisieren sie mit anderen
jungen Leuten einen Rave für den Frieden zwischen Israel und Palästina.
Es könnte ewig so weitergehen, doch eines Tages wird Ashraf durch einen
dummen Zufall als Palästinenser enttarnt und muss zurück in seine
Heimatstadt. Dort gestaltet sich sein Leben viel komplizierter als in
TelAviv, denn Homosexualität wird hier nicht geduldet. Außerdem steht
die Hochzeit seiner Schwester an auf der Ashraf mit seiner zukünftigen
verkuppelt werden soll. Diesem Film einfach nur den Stempel einer Tragik- Komödie
aufzudrücken, wäre zu banal. Gesehen von Agata Wozniak
The Home Song Storiesvon Tony Ayres
Als Inspirationsquelle diente Regisseur Tony Ayres die Geschichte
seiner eigenen Mutter, der er "The Home Song Stories" gewidmet
hat. Der Film hat einige starke Momente, sehr schöne Bildern und zeigt tolle schauspielerische Leistung vor allem bei dem jungen Joel Lok, der den Tom spielt. Im Großen und Ganzen jedoch zieht er sich wie Kaugummi und ist nichts, was man nicht schon irgendwo gesehen hätte. Gesehen von Agata Wozniak
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