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Die Anfänge des Festivals
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Am Rande

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The European way of life

Wir können auch aus vorwiegend europäischen Filmen ein aufregendes Programm gestalten, wird verkündet, wenn es wegen der vorverlegten Oscar-Verleihung diesmal an US-Leinwandwerken und Starauftritten mangelt.

Ein europäischerer, französischerer ja sogar deutscherer Wettbewerb (grandios diese Steigerungsformen) ist es also in diesem Jahr, den Festivalleiter Dieter Kosslick gar zu der Aussage verleitet, die Berlinale sei auf diese Weise mehr ein Independent-Festival geworden. Was zu beweisen wäre…

Den Auftakt bildete die Afrika-Menschlichkeits Geschichte "Man to Man" von Régis Wargnier, ein Film, dem man das Label "Independent" (Produktion: Skyline Films und Vertigo) nicht wirklich anheften kann. Ganze zwei emotionsarme dialogüberlastete Stunden brauchte der Film, um festzustellen, dass zwei Pygmäen, die Ende des 19ten Jahrhunderts von einem Anthropologen (Joseph Fiennes) und einer Business-Frau (Kristin Scott Thomas) aus ihrer Heimat nach England verschleppt werden, auch Menschen sind. 

Die hehre Absicht ist löblich, die Umsetzung sehr eindimensional und naiv. Warum muss ein solcher Film fast ausschließlich aus der Perspektive der Weißen erzählt, warum die Forscherperspektive so karg an Emotion sein?

Doch davon ahnten die vielen Gäste, die vor der Eröffnung über den roten, nieselverregneten Teppich in teilweise recht sommerlichem Gewand hinweg froren, ja noch nichts und strahlten, wie gewohnt in die Kameras.

Trauer

Überschattet war die Eröffnungsveranstaltung von der Nachricht vom Selbstmord des französischen Filmschauspielers und Produzenten Humbert Balsan.

Zu seinem Gedenken wird am 14. Februar, als Sondervorführung um 15:00 im Filmpalast Berlin seine Produktion "Y aura-t-il de la Neige a Noel?" von Sandrine Veysset aus dem Jahre 1996 gezeigt.

Die Anfänge des Festivals

Die Internationalen Filmfestspiele Berlin blicken auf eine lange Geschichte zurück. Bereits 1950 berief der amerikanische Filmoffizier Oscar Martay, durch eine Initiative der drei Westalliierten im Nachkriegs-Berlin, ein vorbereitendes Gremium mit Vertretern aus Politik und Filmbranche, das die Weichen für das Filmfestival stellte. Berlin sollte seine einstige Bedeutung als europäische Kunstmetropole und Filmstadt wiedererlangen. 

Als erster Festivalleiter wurde Dr. Alfred Bauer, der nach dem Krieg u.a. als Filmhistoriker und Filmreferent der Britischen Militärregierung tätig war, ernannt. Am 6. Juni 1951 wurden die ersten Filmfestspiele im traditionsreichen Titania-Palast mit Alfred Hichcocks "Rebecca" eröffnet. 

Bereits damals wurde als offizieller Preis der "Goldene Berliner Bär" nach einer Vorlage der Bildhauerin Renée Sintenis, allerdings durch das Publikum, vergeben. 1955 konnte die Berlinale erstmals eine internationale Jury einberufen, nachdem die FIAPF (Internationale Produzentenvereinigung, die die Anerkennung internationaler Filmfestivals nach festgesetzten Statuten regelt) die Filmfestspiele offiziell mit den Festivals in Cannes und Venedig gleichstellte.

Lesen Sie auch unser: Berlinale-Tagebuch 2004 und die Berlinale-Rezensionen 2004

Heute

Heute gehört die Berlinale mit 16.000 Fachbesuchern, darunter 3.600 Journalisten aus rund 80 Ländern, zu den größten und renommiertesten Film-Events. Über die Jahre wurden die Filmfestspiele durch zusätzliche unabhängige Festivalsektion, wie das Internationale Forum des Jungen Films, das Kinderfilmfest, durch die Perspektive Deutsches Kino, die Retrospektive, durch Panel-Diskussionen, Co-Produktionstreffen, Special Events und Market-Meetings und zuletzt 2003 durch den Berlinale Talent Campus, ein internationales Talentforum, mit dem sich die Berlinale noch stärker im Bereich der Nachwuchsförderung engagieren möchte, erweitert.

Am Rande

Selbstverständlich ist die Berlinale auch wichtiger Branchentreff und bietet einen übervollen Terminkalender mit Empfängen und Konferenzen.

Auch filmpolitische Vereinbarungen werden während der Filmfestspiele getroffen. So unterschrieben Neuseelands Premier Ministerin Helen Clark und Außenminister Joschka Fischer ein Koproduktionsabkommen zwischen beiden Ländern, welches es künftig ermöglicht, bei Koproduktionen lokale Länderförderungen zu beantragen.

Preis für Daniel Day-Lewis

Nein, es gibt nicht nur Bären, es gibt man staune, auch eine Berlinale-Kamera als Trophäe. Und diese wurde an den irischen Schauspieler Day-Lewis ("Im Namen des Vaters", "Hexenjagd", "The Boxer" und "Gangs of New York") verliehen. Aus diesem Anlass wurde der Film "The Ballad of Jack & Rose" aufgeführt, eine Tochter/Vater Geschichte, angesiedelt in den Achtziger Jahren.

Die Filmjünger aus aller Welt trotzen den berüchtigten Windkanälen  

Netter Bus

Dass Berlin eine große Stadt ist, merkt man spätestens wenn man seinen täglichen Plan der Filme und der Spielorte betrachtet. Die Spielstätten sind nicht alle wirklich nahe beieinander und das Berliner Wetter lädt mit seinem Eiswind und Regeneinlagen auch nicht zu heiteren Spaziergängen ein. 

Deshalb ist es ein wirklich seit langem fälliger Service der Stadt, einen Shuttle-Bus Service zwischen den Kinos einzurichten. Zwischen 3 Uhr Nachmittags und 23 Uhr fahren die roten B-Busse im 40 Minuten Takt und laden zur kostenlosen Mitfahrt ein. 

Am Potsdamer Platz liegt die Haltestelle der Shuttle-Busse übrigens an der Varian-Fry-Straße.

Berlinale Talent Campus

Während der etablierte Film vor allem wegen eingefahrener Strukturen und quotenfürchtiger TV-Redakteure vor sich hin dümpelt, hofft man auf den Nachwuchs. Vom 12. bis 17. Februar wurden 530 Nachwuchs-Filmer aus aller Welt in mehr als 60 Veranstaltungen im Haus der Kulturen motiviert, inspiriert und zu kleinen Projekten animiert. 

Vorträge, Workshops und Begegnungen mit arrivierten Profis, darunter  Catherine Breillat, Emi Wada, Christopher Doyle, Roland Emmerich, Dante Ferretti, Mike Figgis, Stephen Frears, Walter Salles, Ridley Scott, Asano Tadanobu und Wim Wenders, sorgten für ausreichenden "Input".

Für junge Musiker und Sound-Designer gab es den Wettbewerb "Volkswagen Score Competition", bei dem drei Ausschnitte vertont werden sollten. Ognjan Milosevic aus Jugoslawien wurde Sieger und gewann eine Reise zu Studios in Los Angeles.

Parallel dazu arbeiteten vier, bunt zusammen gewürfelte Filmteams aus der ganzen Welt am "Talent Movie of the Week". Sieger wurde der Film "Cataract" von Sainath Choudhury.

Mit einer Preisverleihung und einer "fetten" Abschiedsparty endete am Donnerstag der dritte Talent Campus.

Jury und Preise

Wer oder welcher Wettbewerbsfilm am Ende der Berlinale einen Goldenen oder Silbernen Bären auf seinen Kaminsims stellen darf, entscheidet die internationale Jury, die 2005 erneut aus Mitgliedern verschiedener filmischer Disziplinen besteht. Den Vorsitz übernimmt dieses Jahr Roland Emmerich ("The day after tomorrow"). 

Weitere Mitglieder sind der italienische Modezar Nino Cerruti,  die litauische Schauspielerin Ingeborga Dapkunaite, die chinesische Schauspielerin Bai Ling, der niederländische Film-Vertriebsleiter Wouter Barendrecht, der ukrainische Drehbuchautor und Kameramann Andrei Kurkov und die deutsche Schauspielerin Franka Potente.

Bären- und andere Preise

Goldener Bär für "U-Carmen eKhayelitsha"

Mark Dornford-May hat mit seiner Adaption der Oper "Carmen", die er in die Townships Südafrikas verlegte, als absoluter Außenseiter das Rennen gemacht. 

Marc Rothemund (Regie) und Julia Jentsch (Darstellung der Sophie Scholl) erhielten für den Film "Sophie Scholl - Die letzten Tage" beide den Silbernen Bären. 

Ebenfalls einen silbernen Bären erhielt der 19 Jahre alte Amerikaner Lou Taylor Pucci als bester Hauptdarsteller für seine Rolle in "Thumbsucker" 

Der Blaue Engel für den besten europäischen Film ging an "Paradise Now" von Hany Abu-Assad.

Den großen Preis der Jury, ebenfalls einen silbernen Bär erhielt der chinesischen Film "Peacock". Der Silberbär für herausragende künstlerische Leistung ging Tsai Ming Liang für seine Regie des Films "The Wayward Cloud"

Ein weiterer silberner Bär für Filmmusik ging an Alexandre Desplat der die Musik zu "Der Schlag, der mein Herz verspielte" komponierte.

Wettbewerb 2005

Alle Filme, die dieses Jahr im Wettbewerb laufen (Die Filme, die in den Rezensionen des Movie-College besprochen wurden, werden verlinkt):

FILMTITEL

 

LAND REGISSEUR HAUPTDARSTELLER
Sometimes in April USA Raoul Peck Oris Erhuero, Idris Elba
Heights

(außer Konkurrenz)

USA/GB Glenn Close, Isabella Rossellini
Provincia Meccanica It Stefano Mordini Stefano Accorsi, Valentina Cervi
Anklaget DK Jacob Thuesen Troels Lyby
Les Mots Bleu F Alain Corneau Sylvie Testud, Sergi Lopez, Camille Gauthier
De Battre Mon Coeur s’est arrêté
F Jacques Audiard Romain Duris, Emmanuelle Devos Niels Arestrup
Paradise Now D/NL/F Hany Abu-Assad Kais Nashef, Ali Suliman
Solnze Russ/It/F Aleksandr Sokurov Issey Ogata, Kaori Momoi, Shiro Sano
Tickets

(außer Konkurrenz)

It/GB Ermanno Olmi, Abbas Kiarostami Ken Loach Valeria Bruni-Tedeschi
Tian bian yi duo yun Taiw/VRCH/F Tsai Ming-Liang Chen Shiang-Chyi, Lee Kang-Sheng Lu Yi-Ching
Kakushi Ken-Oni no Tsume JAP Yoji Yamada Masatoshi Nagase, Takako Matsu, Hidetaka Yoshioka
Thumbsucker USA Mike Mills Lou Taylor-Pucci, Vincent D’Onofrio, Keanu Reeves, Tilda Swinton.
In Good Company USA Paul Weitz Dennis Quaid, Topher Grace, Scarlett Johansson
Hitch

(außer Konkurrenz)

USA Andy Tennant Will Smith
Kinsey
USA/D Bill Condon Liam Neeson, Laura Linney
Man to Man F/RSA Régis Wargnier
Gespenster D/F Christian Petzold Julia Hummer
Sophie Scholl D Marc Rothemund Julia Jentsch
One Day in Europe D/SP Hannes Stöhr Erdal Yildiz, Florian Lukas, Miguel Lira Boris Arquier
Le Promeneur du Champ de Mars F Robert Guédiguian Michel Bouquet
Les temps qui changent F André Téchiné Catherine Deneuve und Gérard Depardieu
The Life Aquatic USA Wes Anderson Bill Murray, Willem Dafoe, Anjelica Huston
Asylum USA/Irl Omar Naïm Natasha Richardson, Hugh Bonneville
U-Carmen e-Khayelitsha RSA Mark Dornford-May Pauline Malefane
Hotel Rwanda RSA/GB/It Terry George Don Cheadle
Peacock VR.CH Gu Changwei
 
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Titel:   Berlinale 2005
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Quelle: Movie-College (www.movie-college.de)

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