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Ein Haus am Ende der Welt

Daten

OT: Pora umierac 
104 Min., Tragikkomödie, Polen 2007 
Regie: Dorota Kedzierzwaska, Musik: Wlodzimierz Pawlik, Kamera:Arthur Reinhart, Schnitt: Dorota Kedzierzawska, Arthur 

Reinhart, Darsteller: Danuta Szaflarska, Krysztof Globisz

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Time to die 

von Dorota Kedzierzawska

 

Kinostart: 11. September 2008

„Zeit zu sterben“, denkt Aniela irgendwann am Ende des Films, immerhin ist sie schon sehr alt, und einsam ist sie auch. Wenn man von ihrem Hund Phila absieht, der sie treu überallhin begleitet, obwohl er zum Leidwesen der alten Dame wenig Stolz und Würde besitzt.

Aniela wohnt in einem sehr schönen Holzhaus in einem waldähnlichen Vorort von Warschau. Hier hat sie ihr ganzes Leben verbracht. Ab und zu sieht sie sich selbst als junges Mädchen: In einem Spiegel, durch eines der Fenster des Hauses auf der Wiese, und einmal läuft sie hinaus in ein Gewitter und stellt sich mit erhobenen Händen in den Regen. Auch hier sieht man sie in einer weit zurückliegenden Vergangenheit, obwohl der Film in der Gegenwart verweilt.

Mit viel Liebe für das alte Haus streift die Kamera in feinfühligen Schwarz-Weiß-Bildern über Dielen, fängt das Licht ein, das auf dem rissigen Holz tanzt, blickt durch die Glasscheiben hindurch, die in Wänden und Türen sind. Und immer wieder wendet sie sich den Gesichtern Anielas und Philas zu. Beide bilden ein geradezu irrwitziges Duo, was nicht nur an der schauspielerischen Leistung von Danuta Szaflarska, sondern, möchte man fast sagen, auch an der des Hundes liegt.

Außer einigen kurzen Erinnerungen erzählt „Time to die“ nicht viel über die Vergangenheit. Anielas Sohn Witus taucht in jenen Erinnerungen einige Male als kleiner Junge auf, gutaussehend, aufgeweckt, die Liebe und die Hoffnung der Mutter widerspiegelnd. Doch der gegenwärtige Witus enttäuscht. Er ist dick und nicht sonderlich attraktiv, er hat eine nicht weniger beleibte, gelangweilte Tochter, aber nicht nur das: Er kümmert sich auch wenig um seine Mutter, die sich nach ihm sehnt, und er hält von dem alten Haus nicht viel. So ist ihm auch daran gelegen, das Grundstück an einen Immobilienmakler zu verkaufen, der in der Nachbarschaft wohnt und das Haus lieber heute als morgen abreisen möchte.

Die Gegenwart kommt in Dorota Kedzierzawskas Film oft sehr schlecht weg, auch wenn es natürlich Lichtblicke gibt. Ein solcher ist beispielsweise auf dem anderen Nachbargrundstück Anielas zu finden, welches sie aufmerksam mit dem Fernglas beobachtet: Hier hat sich ein junges Ehepaar angesiedelt, welches eine Art Musikkinderheim gegründet hat, dessen Krach Aniela allerdings oft nervt. Nicht zufällig, so mag erscheinen, wird einer der Jungen aus dem Heim, der eines Tages versucht, bei der alten Dame einzubrechen, Dostojewski genannt. Die Charaktere des Film erinnern in ihrer leicht skurrilen, aber liebenswerten Darstellung ein wenig an die des großen Vorbilds. Dostojewski, so wurde einst geschrieben, schuf „blutige Märchen“. Blutig ist dieser Film zwar nicht, doch besitzt er einen ähnlichen Hang, seinen Gestalten Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Manchmal wirkt die Handlung letzten Endes etwas übertrieben, oder zumindest denkt man, ein allein in seinem Charakter und nicht auch vom Aussehen her enttäuschender Witus hätte gereicht und wäre womöglich noch schmerzhafter gewesen. Auch wünscht man sich, an einigen Stellen etwas mehr von Aniela zu erfahren, vor allem zu ihrer Beziehung zu ihrem Sohn und vielleicht auch dem Haus. Doch dies tut der Wirkung, die der Film mit seiner hervorragenden, von Arthur Reinhart geführten Kamera und seiner liebevollen, originellen Personen- und Tierzeichnung hinterlässt, kaum Abbruch. Aniela ist nicht auf den Kopf gefallen und wann für sie die „Zeit zu sterben“ kommt, sollte man selbst herausfinden. Wenn dann die Kamera ein letztes Mal über die sonnenbeschienenen, wie schwere Kristalle wirkenden Blätter der Bäume schweift, sieht man es noch einmal aufblitzen: Das Licht des Sommers in Schwarz-Weiß, eines vergangenen und einen gegenwärtigen Sommers, voller Wehmut, aber auch Kraft und Poesie.  

 

 

Gesehen von Paul Mittelsdorf

 
© 1999-2008
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Titel:   Friedliche Zeiten
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Quelle: Movie-College (www.movie-college.de)

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