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Der Sohn von Rambowvon Garth Jennings
Kinostart: 21. August 2008 Der elfjährige Will stammt aus einer streng gläubigen Familie, in der viele Dinge, Musik, Radio, Fernsehen, verboten sind. So muß er jedes Mal, wenn in der Schule ein Film gezeigt wird, vor die Tür. Doch gerade das führt ihn in die Arme von Lee Carter. Der etwa gleichaltrige Lee ist in vielen Aspekten das genaue Gegenteil von Will. Zwar wird auch er andauernd vor die Tür des Klassenzimmers gesetzt, doch nur, weil es die Lehrer nicht mehr mit ihm aushalten. An nämlichem schicksalshaften Tag, an dem sich die Jungen begegnen, ist es ein nicht näher erläuterter Unfug mit einem Tennisball, der Lee in den Schulflur verbannt. Lee ist ein wandelnder Unruheherd und der Schulflur ist tatsächlich eine Strafe. Hier ist niemand, mit dem er sich „auseinandersetzen“ kann, gewöhnlich zumindest nicht. Doch außer einigen Goldfischen ist da ja an diesem Tag auch Will, ein Hoffnungsschimmer in der traurigen, endlos öden Verbannung des Lee Carter, und so geschieht es, das Will einige Augenblicke später die Ehre zuteil wird, von Carters Freund, dem Tennisball, am Kopf getroffen zu werden. Dies ist der Ausgangspunkt einer großen Freundschaft. Erste Erfolge stellen sich beinahe unmittelbar ein: Das Goldfischglas zerspringt und Lee bietet Will großherzig an, die Strafe, die „Folter“ der Schuldirektorin, auf sich zu nehmen, wenn er denn Wills Armbanduhr dafür bekäme. Will ist froh, dass er so glimpflich davonkommt, und als er dann den von der Folter gezeichneten Lee sieht (dieser beginnt zu hinken, wenn er Will erblickt), ist sein schlechtes Gewissen groß genug, dass er zustimmt, eine wichtige Rolle in Lees Film zu übernehmen. So kommt es, dass Will von Katapulten durch die Luft geschleudert wird, von Bäumen fällt und beinahe in einem See ertrinkt. Nebenbei lernt er auch das Vorbild für seine Rolle kennen: Zufällig sieht er den von Lee im Kino heimlich mitgeschnittenen ersten Teil von Rambo: First Blood. Von da an beginnt Will sich mit seiner Rolle vollends zu identifizieren: Er ist der Sohn von Rambo und seine Mission ist es, seinen Vater zu befreien, der von der bösen Vogelscheuche entführt worden ist… Garth Jennings, Regisseur und Drehbuchautor, greift in „Der Sohn von Rambow“ Erinnerungen an seine Jugend auf und erschafft eine liebevolle Hommage an die ersten begeisterten Versuche, einen Film zu drehen. In der Art und Weise, wie er diese dem Zuschauer präsentiert, liegen zugleich Stärke und Schwäche des Films. Jennings Absicht war es, keinen Film zu drehen, der sich ausschließlich an der Wirklichkeit orientiert, sondern aus der Perspektive der Kinder auch mit deren Vorstellungen und Eindrücken arbeitet. Konkret bedeutet dies: Viele Charaktere des Films sind überzeichnet, viele Episoden ebenso. Der legendenumwobene Aufenthaltsraum der sechsten Klasse (welchen nicht einmal die Lehrer betreten durften), war in der realen Welt, so Jennings, letztendlich eine Enttäuschung. Im Film wird er so gezeigt, wie ihn sich der Regisseur als Kind einst vorstellte: bunt, aufregend, lebendig, absurd. Ebenso schrill erscheint Didier, ein Austauschschüler aus Frankreich, der zunächst in einer Parallelgeschichte immer wieder erscheint und schließlich mit Will und Lee Bekanntschaft schließt. In einigen Fällen wirkt diese Übertriebenheit witzig, originell und temporeich, manchmal jedoch nimmt sie dem Film etwas von seiner Glaubwürdigkeit. So entsteht ein nie langweiliger, amüsanter Flickenteppich, der einerseits nostalgische Erinnerung, teilweise hemmungslose Überspitzung ist, ohne dass sich diese beiden Teile nahtlos ineinanderfügen. Ebenso schwankt der Film zwischen lustigen und ernsteren Momenten, obwohl einzig erstere inspiriert erscheinen, letztere jedoch meist leicht klischeehaft. Ist man aber bereit, dies nicht allzu ernst zu nehmen, kann man einiges von dem Spaß, welchen vermutlich der Dreh des Films bereitet hat, mit nach Hause nehmen. Wie allerdings das „w“ seinen Weg in den Titel gefunden hat, wird im Film leider nicht erklärt. Im Falle einer (phantasievollen) Vermutung sollte man jedenfalls mit dem Nachforschen aufhören, denn die Wirklichkeit ist, wie im Fall des Aufenthaltsraumes der sechsten Klasse, wahrscheinlich weniger schillernd.
Gesehen von Paul Mittelsdorf |
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