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Die Glücklichen

von Jan Georg Schütte

Ein Haus am Ende der Welt

Daten

OT: Die Glücklichen

92 Min., Tragikkomödie, Deutschland 2008 
Regie: Jan Georg Schütte,  Drehbuch: Jan Georg Schütte, Kamera: Bettina Herzner, Thorsten Berndt, Roland Fritzenschaft, Andonia Gischina, Lilli Thalgott, Hanna Peschel, Schnitt: Ulf Albert, Produzent: Jan Georg Schütte, Darsteller: Stephan Schad, Pheline Roggan, Oliver Sauer, Susanne Wolff, Ole Schloßhauer, Meret Becker 

 

 

Hans (Stephan Schad) ist eine, wenn man das ab einem bestimmten Alter (40) behaupten möchte, gescheiterte Existenz. Er ist Schriftsteller, verdient aber kein Geld damit. Er sitzt am Küchentisch, unrasiert, müde, und sieht zu, wie ihn seine Freundin verlässt, die so ein Leben nicht mehr mitmachen will. Dies ist die erste Szene des Films.

In der zweiten fährt Hans einen Porsche, ist plötzlich erfolgreich und besitzt ein einsam und idyllisch gelegenes Haus an irgendeinem See. Oder nein, er besitzt es nicht wirklich: Sein Verlag hat es ihm zur Verfügung gestellt, damit er in Ruhe an einem weiteren Welterfolg arbeiten kann. Wenn er dann möchte, kann er auch gleich dort wohnen bleiben.

Viel erfährt man nicht über die Umstände, aber es wird klar, dass aus Hans, zumindest äußerlich, eine ganz andere Person geworden ist. Und, da dies nun so ist, möchte er jene Tatsache feiern. Ein Wochenende lang, zusammen mit seinen zwei besten Freunden, Helene (Meret Becker) und Tom (Oliver Sauer), die er jedoch schon lange nicht mehr gesehen hat. Doch wie Hans selbst - er hat eine junge, blonde Freundin, eine Friseuse (Pheline Roggan) -  kommen auch die beiden anderen nicht alleine: Helene bringt ihren bodenständigen Freund (Ole Schlosshauer) mit, Tom seine des Lebens überdrüssige, latent selbstmordgefährdete Freundin (Susanne Wolff).  

Am Anfang trauen Tom und Helene ihren Augen nicht: Der Porsche, das Haus, Hans´ schicker Anzug, seine Telephonate mit amerikanischen Verlagen, das alles ist für sie eine große Überraschung, und es ist ihnen, da sie sich eher schlecht als recht durchs Leben schlagen, auch nicht unbedingt angenehm. Insofern besteht hin und wieder ein gewisser Unterschied zwischen den gemeinsamen Begegnungen der drei Freunde und ihren späteren, intimeren Gesprächen. 

Im Laufe der Geschichte kommt es zu einigen Konfrontationen zwischen den Gästen. Vor allem zwischen Hans´ Freundin Angela und Helene, die sichtbar weit mehr für Hans empfindet als Freundschaft. Überhaupt fühlt sich Angela zwischen den älteren, intellektuelleren und teilweise sehr sonderbaren Personen nicht richtig wohl, was sich in einigen schön gespielten Telephonaten mit ihrer Freundin immer wieder zeigt. Aber auch die Beziehung zwischen den drei Freunden entbehrt nicht gewisser Tücken und unverarbeiteter Erlebnisse …

Der Regissseur, Jan Georg Schütte, schaffte es, seinen ersten, 92 Minuten langen Film „Swinger Club“ in ganzen sechs Stunden abzudrehen. Dagegen erscheinen die drei Tage, die es dauerte, „Die Glücklichen“ aufzuzeichnen, geradezu wie Luxus. Wie in „Swinger Club“ gab es für die Schauspieler auch hier nur vage Anweisungen, wie sich die Geschichte entwickeln sollte. Die Profile der Charaktere wurden kurz umrissen, einige Situationen des Films waren vorgegeben, aber ansonsten besaßen die Schauspieler freie Hand. Zudem lernten sie sich in einigen Fällen erst während der Dreharbeiten und vorläufig einzig in ihren Rollen kennen. Dabei verzichtete Hans Georg Schütte bis auf eine Ausnahme darauf, Szenen zweimal zu drehen. Vor diesem Hintergrund ist es bemerkenswert, dass der Film funktioniert und im Laufe der Handlung immer sicherer und lockerer erscheint. Er lebt voll und ganz von der Improvisation der Schauspieler, denen es zum Teil sichtlich Spaß gemacht hat, an dem Dreh teilzunehmen.

Am Ende erwartet den Zuschauer dann eine Überraschung. Es steht ihm frei, in dem Film die Geschichte zu sehen, die ihm als am wahrscheinlichsten, oder, wenn er möchte, am sympatischsten, erscheint. Nimmt man sie jedoch so, wie sie erzählt wird, dann wird die Handlung ein wenig unglaubwürdig oder hätte doch mehr Informationen hinsichtlich der Vergangenheit von Hans, Tom und Helene erfordert.

Trotzdem sind „Die Glücklichen“ ein überaus gelungenes (zweites) Experiment. Es beweist großes Vertrauen in die Darsteller seitens des Regisseurs und beeindruckt mit einer lebhaften, ungezwungenen Leistung der Schauspieler.

Letztere hatten übrigens am Set noch Zeit, sich, soweit sich nicht schon kannten, kennenzulernen. Vielleicht erscheinen ja einige von ihnen im nächsten Film Jan Georg Schüttes erneut, der dann womöglich eine ganze Woche an Dreharbeiten verschlingt …

 

 

Gesehen von Paul Mittelsdorf

 

Links: 

 

Interview mit Pheline Roggan

 
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