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Interview mit Neele Leana Vollmar über ihren Film "Friedliche Zeiten"
MC: Wie kamst du zum Film und warum bist du Regisseurin geworden? Während der Schulzeit wusste ich schon, dass ich unbedingt mal was mit Film machen will und habe während der Sommerferien schon im Studio Hamburg diverse Praktika gemacht. Ich wusste immer, dass ich hinter der Kamera arbeiten wollte. Nach einigen sehr lehrreichen Monaten im Studio Hamburg in der Kamerawerkstatt wusste ich, dass es die Regie ist, die mich interessiert. MC: Dein erster Spielfilm war „Urlaub vom Leben“. Wie kamst du darauf danach genau „Friedliche Zeiten“ zu verfilmen und war es schwierig einen neuen Stoff zu finden? Eigentlich nicht. „Urlaub vom Leben“ war mein Abschlussfilm an der Hochschule. Danach war mir klar, dass ich mit Caroline Daube, die auch den Kurzfilm „Meine Eltern“ produziert hat und mit der ich jetzt auch eine Firma gegründet habe, zusammen weitermachen will. Wir haben überlegt, was für Themen interessieren uns und haben dann im diesem Zuge Ruth Toma kennen gelernt. Zusammen haben wir dann einen Findungsprozess gehabt. Im Zuge dessen haben wir Bücher und Filme ausgetauscht und sind dabei auf „Friedlichen Zeiten“ gestoßen. Und da wussten wir: das ist es. MC: Der Film ist eine
Romanverfilmung. Hattest du während des Drehs Kontakt zu der Autorin
Birgit Vanderbeke? Hatte sie irgendeine Form von Mitspracherecht? Direkt während des Drehs nicht. Aber natürlich gab eine Abnahme der Drehbuchfassung. MC: Wie war die Finanzierung des Filmes? Der Bayerische Rundfunk war einer unserer größten Unterstützer und hat uns sehr unter die Arme gegriffen. Odeon und Kinowelt sind als Koproduzenten involviert. MC: Wie lange hat die Vorbereitungszeit gedauert und wie lange war die
Drehphase? Die Vorbereitungszeit ging ziemlich schnell. Ich glaube, nachdem das Buch fertig war, haben wir ein dreiviertel Jahr später mit den Dreharbeiten begonnen. Gedreht haben wir dann 40 Tage in und bei München. MC: Das war
jetzt dein zweiter großer Spielfilm. Gibt es irgendetwas, das du aus
deinem ersten Film gelernt hast und dieses Mal dann anders gemacht hast? Ja, das gibt’s immer. Aus jedem Film lernt man ja und nimmt seine Sache mit, wie auch aus den ganzen Hochschulfilmen. Es ist ein wichtiger Prozess ohne den das Filmemachen für mich den Reiz verlieren würde. Durch jeden Film lernt man Neues, entdeckt man Neues, traut sich Neues. Und genau das ist auch gut so. MC: Gab es irgendwelche Überraschungen beim Dreh? Eigentlich nicht. Außer vielleicht positive Überraschungen, dass die Kinder so viel Kraft und so viel Elan hatten, und sie die 40 Drehtage so gut durchgestanden haben. Da sie in fast jedem Bild sind, ist das natürlich ein großer Kräfteaufwand. Es ist uns gelungen, die Kinder so am Ball zu halten, dass sie immer Motivation mitgebracht, und immer Lust hatten. Das war natürlich sehr schön. MC: Jetzt hast
du gerade schon die Kinder angesprochen. Inwiefern unterscheidet sich
Setarbeit, wenn man Kinder am Dreh hat oder Erwachsene Schauspieler? Extrem, weil man mit Erwachsenen Schauspielern ganz anders probt. Man diskutiert über eine Szene, man setzt sich zusammen hin und probiert und improvisiert. Du bist sehr flexibel. Bei Kindern ging es mir darum, dass wir vorher gar nicht so viel proben. Ich hatte das Gefühl, dass ein „freier“ Kopf von Vorteil ist. Es sollte lieber einfach aus dem Bauch heraus kommen. Also haben wir einfach vor jeder Szene, kurz besprochen, was wichtig ist. Und wenn sie dann gesagt haben, so sagt man diesen Satz aber nicht, dann hab ich sie gefragt, wie würdest du ihn denn sagen. Man musste natürlich auch noch aufpassen, weil man in den 60ern eine ganz andere Sprache gesprochen hat als heutzutage. Es ist also eine andere Arbeit mit Kindern. Aber das ist natürlich auch total schön. Es gab mal eine Situation, in denen wir nicht wussten, wie kommen wir von der einen Szene in eine andere Szene. Stundenlang haben wir darüber diskutiert. Nina hat diese Diskussion mitbekommen. Wir haben dann einfach gedreht. Noch während des Takes kam die Nina dann ins Bild gelaufen und hat etwas gesagt. Das war dann die Überleitung zur nächsten Szene. Wir dachten alle, Wahnsinn. Das sind natürlich wunderbare Momente, in denen man sich freut, wenn die Kinder dann auch noch Input geben können. MC: Die Kinder
waren ja sehr gut besetzt, vor allem die beiden Mädchen. Wie hast du die
Kinderschauspieler kennen gelernt? Wir haben einfach ein großes Casting gemacht. Wir haben eigentlich in allen großen deutschen Städten gecastet. So haben wir sie gefunden. Zwei kommen aus München und eine aus Berlin. MC: Der Film spielt ja in den 60er Jahren. War es ein großer Aufwand im Bezug auf die Requisiten? Wir hatten eine wunderbare Szenenbildner-Abteilung. Uns war es sehr wichtig, über die muffigen 60er Jahre zu erzählen. Klar ist es aufwendiger, als einen Film in der heutigen Zeit zu drehen, aber das ist ja auch was Spannendes. Das hat natürlich auch alle gereizt, weil man in eine komplett andere Zeit eintauchen darf. MC: Wie habt ihr die Location, also diese typische Reihenhaussiedlung,
gefunden? Die haben wir mit einer großartigen Location-Scouterin, Marina Winter, in München, Ludwigsfeld gefunden. Diese Siedlung sieht tatsächlich so aus. Es war schön, weil man nicht so viel machen musste. Dort wohnen sehr viele ältere Menschen, die natürlich ganz begeistert waren. Sie haben uns Fotos aus den 60er aus dieser Siedlung gezeigt, und so konnten wir genau sehen, wie diese Straße damals aussah. MC: Auf was
muss man den jetzt sonst noch achten, wenn man einen Film dreht, der nicht
heute sondern in den 60er Jahren spielt? Das sind die üblichen Sachen. Kostüme, Ausstattung, die Sprache. Man beschäftigt sich einfach viel mit der Zeit. Da ich 68 ja auch noch nicht gelebt habe, war das noch viel intensiver. Wir haben in der Vorbereitung viele Filme angeschaut, sehr viele Bücher gelesen und einfach sehr viel recherchiert. MC: Was für eine Rolle spiel die Musik in deinem Film? Eine große natürlich. Der Film ist eine Tragikkomödie. Und es gib eine Hauptfigur, die fast am Rande eines Nervenzusammenbruches steht, extrem neurotisch ist und viele schreckliche Dinge in der Vergangenheit erlebt hat. Es war wichtig, dass man sie versteht und mit ihr mitleidet. Auf der anderen Seite wird der Film aus der Perspektive der Kinder erzählt und bekommt dadurch eine komödiantische Ebene. Für uns war es sehr wichtig, dass die Musik das aufgreift. MC: Der Film ist aus der Perspektive der Kinder erzählt. Wie bring man
das rüber? Die Kameraperspektive
spielt dabei eine große Rolle. Uns war es wichtig, etwas Filmisches zu
finden, um diese kindliche Naivität darzustellen. MC: Wir sind
eine Filmschule für viele junge Leser oder vielleicht auch zukünftige
Regisseure, gibt es irgendwelche Tipps, die du dem Nachwuchs geben könntest? „Wer nicht wagt, der nicht gewinnt.“
– eine simple Weisheit, aber ich denke, dass es sehr wichtig ist, nach
vorne zu schauen und zu versuchen. Man wird immer schlechte und gute Film
machen, und wahrscheinlich sogar aus den schlechten noch mehr lernen als
aus den guten. Ludwigsburg war für mich eine gute Schule. Dadurch, dass
man einen festen Zeitplan zur Fertigstellung der Filme hat, hat man nicht
die Zeit, sich lange zu überlegen, ob die Idee nun wirklich DER Stoff des
nächsten Filmes ist. Man ist gezwungen, schnell zu arbeiten und einfach
zu produzieren. Für mich ist das ein großer Vorteil an dieser
Hochschule. MC: Hast du schon neue Projekte? Ich dreh jetzt im Sommer wieder eine Romanverfilmung: „Maria, ihm schmeckt’s nicht“ von Jan Weiler. Mitte September beginnen dazu die Dreharbeiten. Ich denke, wir
sind am Ende angelangt. Vielen Dank für das Interview und weiterhin viel
Erfolg.
Das Interview führte Eva Leiblein
Links:
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