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Der Andere

von Loucia Rikaki

Auch der Dokumentarfilm "Der Andere" von Loucia Rikaki, einer jungen Filmemacherin, die ebenso im Theater agiert, als auch als Schriftstellerin bekannt ist, nimmt sich dem Thema der Migration an. Allerdings ändert sie den Blick auf das Thema.

 Stehen ansonsten die Griechen mit all den Migrationswellen ins Ausland, mit ihren Problemen in der Fremde und ihrer Sehnsucht nach ihrer Heimat im Mittelpunkt, sind sie in "Der Andere" nicht selbst die Emigranten, sondern das Aufnahmeland albanischer Immigranten.

Zum ersten Mal nimmt das Land in seiner modernen Geschichte diese Position ein - und tut sich dabei recht schwer. Man könnte annehmen, dass die Griechen aufgrund ihrer reichen Migrationserfahrung mit Fremden im Land einen liberaleren Umgang pflegen. Doch die meist albanischen Migranten müssen nicht selten mit offenem Nationalismus ihnen gegenüber rechnen.

 "Der Andere" hat genau diesen Konflikt als Basis. Loucia Rikaki begleitet eine Schulklasse in einem abgelegenen Dörfchen bei Heraklion auf Kreta, die aus 6 Schülern besteht. Unter ihnen befindet sich nur ein Grieche, die anderen Kinder sind albanischer Herkunft. Dank dieses einen griechischen Jungen wird die Schule noch betrieben.

Rikaki erzählt nicht nur humorvoll vom Unterricht des engagierten Lehrers, sondern zeigt auch die Familien der albanischen Kindern - ihre sprachlichen Schwierigkeiten, ihre Hoffnung auf ein besseres Leben, die im Gegensatz zu ihren ärmlichen Verhältnissen stehen. Die Regisseurin verbirgt aber auch nicht die offene Ablehnung, den Rassismus, den so mancher Grieche gegenüber den neuen Einwohnern hat. Beeindruckend ist welche Integrationsbereitschaft die albanischen Migranten zeigen. Manche Eltern bemühen sich aufgrund ihrer Kinder nur noch griechisch zu sprechen, auch wenn sie die Sprache kaum beherrschen.

Alle Familien haben sich zum orthodoxen Glauben konvertieren lassen, auch wenn sie nun neue Namen bekommen haben. Es ist erstaunlich was für ein hohes Maß an Selbstaufgabe die albanischen Familien zeigen, um in die griechische Gemeinde eingegliedert zu werden. Zwar zeigen sich Annäherungen, Feste werden gemeinsam gefeiert, doch trotzdem werden in bestimmten Dingen die nationalen Grenzen gewahrt. So ist es Tradition, dass am nationalen Feiertag am 25. März der Klassenbeste die Flagge trägt. Die albanischen Kinder verlieren ihren Anspruch darauf, da sie keine griechische Nationalität haben. Selbst der liberale Lehrer wagt es nicht, diese Aufgabe dem albanischen Klassenbesten zu übertragen, um einen Eklat zu vermeiden.

Auch der sonst offene Dorfpfarrer, der die albanischen Kinder vor rund 10 Jahren an die Schule geholt hat, spricht sich an diesem Punkt strikt dagegen aus. Griechenland muss lernen, mit seinen Immigranten einen sinnvollen Weg zur Eingliederung in die Gesellschaft zu finden, um den Rassismus, der für das Land eine neue Erfahrung ist, zu unterbinden. Loucia Rikakis Film gibt genau dazu mit humorvollem und feinfühligem Ton Anstoß. Die Schule wurde im Übrigen nach Abschluss des Filmes aufgrund der Versetzung des Lehrers geschlossen und wartet seither auf ihre Eröffnung.

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