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Die Griechen und die ewige MigrationBräutevon Pantelis Voulgaris Die Woche eröffnete der Spielfilm "Brides" von Pantelis Voulgaris, nach Angelopoulos der zweite erfolgreiche Regisseur Griechenlands, der zur Erstaufführung in Deutschland selbst erschienen war. "Brides", von Martin Scorsese mitproduziert, ist die zweite Erfolgsstory des letzten Jahres. Er lockte nicht nur Millionen von Zuschauer in die Kinos, sondern wurde von Griechenland als bester ausländischer Film für den Oscar vorgeschlagen. In wunderschönen Bildern erzählt Voulgaris die wahre Geschichte von hunderten Frauen, die über die Post bestellt als Bräute nach New York zu ihren zukünftigen, aber gänzlich unbekannten, Männern, aus ihrer Heimat auswandern. Nach den kriegerischen Auseinadersetzung um 1920 mit der Türkei und der Vertreibung aus Smyrna, dem heutigen Izmir, sind Männer rar geworden und die Familien bangen um ihre Ehre wegen der Überzahl der unverheirateten jungen Frauen. Niki - symbolisch aus Samothraki - ist eine von ihnen. Nachdem ihre Schwester ihren ihr zugeteilten Mann in Chicago verlässt und zu ihrer Familie zurückehrt, soll Niki die Ehre der Familie retten und ihre Schwester ersetzen. Aber nicht nur aus Griechenland werden Bräute nach Amerika bestellt. Aus dem gesamten Balkan finden sich die Frauen auf dem Unterdeck als Passagiere dritter Klasse auf ihrer Überfahrt. In der ersten Klasse reist der Photograph Norman Harris mit, der auf seiner Rückreise nach Detroit ist. Er beginnt sich für die vielen Frauen zu interessieren und entscheidet sich, jede in ihrem Brautkleid zu fotografieren. Zwischen Niki und Norman entwickelt sich schließlich eine Liebesgeschichte, an deren Ende sich Niki pflichtbewusst für ihren Bräutigam entscheidet. Der Film besticht vor allem durch die wunderbaren Gesichter der Bräute, die von Angst, Hoffnung auf ein besseres Leben und Sehnsucht geprägt sind. So braucht Voulgaris für seine Exposition kaum Dialoge, er lässt seine Schauspielerinnen mit ihren Augen sprechen. In Scharen und doch jede für sich stehen sie am Hafen und blicken ängstlich in die Ferne. Ebenso einprägsam ist die Szene, in der Norman ins Unterdeck kommt, um seine Aufnahmen zu beginnen und plötzlich in einem Meer aus weißgekleideten Frauen steht. Als er die erste Braut, die ernst in die Kamera schaut, dazu auffordert zu lächeln, reißt sie verzweifelt die Augen auf und zwingt ein starres Lächeln auf ihre Lippen. Besonders die Hauptdarstellerin Victoria Charalambidou vermittelt in ihrem ausdruckstarken Spiel die Gefühle der Frauen. Der Regisseur gibt dem Zuschauer mit langsamen Schnitten die Zeit, sich in die Umstände und Widrigkeiten der Zeit, sowie auf die Frauen einzustellen. Die Reduzierung der Dialogszenen auf wenige Figuren, schärft die Konzentration auf die eigentlichen Protagonisten des Films. Auch die Liebesgeschichte, die Voulgaris natürlich nicht ausspart, dient nicht einem emotionalen Muss, sondern verdeutlich das Dilemma der Frauen. Einerseits stehen sie in der Pflicht gegenüber ihrer Familie, andererseits wird ihre Sehnsucht nach einer glücklichen Liebe offenbar. Bemerkenswert ist auch, dass der Regisseur nicht nur die jungen Frauen als Opfer dieses Handels darstellt. Auch die Männer, die in Elis Island mit einem Foto in der Hand nach ihren Bräuten Ausschau halten, werden unsicher gezeichnet. Damit verwischt er die Grenze zwischen dem klassischen Gut- und- Böse Schema. Voulgaris gelingt ein Film, dessen Geschichte den Zuschauer emotional ergreift, ohne dabei pathetisch zu werden. Allerdings ist es fraglich, ob das deutsche Publikum diesem Film zu sehen bekommt, da sich bisher noch kein deutscher Verleiher finden konnte. Man kann nur hoffen, dass nach dem Erfolg von "Zimt & Koriander" das Interesse am griechischen Kino geweckt wurde. "Brides" wäre in jedem Fall einen Kinobesuch wert. |
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