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 Die Fougeroles nehmen die Roma bei sich auf und versuchen trotz aller Schwierigkeiten offen zu bleiben.

(Foto: Copyright Universum Film)

 

Filmkritik zu „Hereinspaziert!“

Kinostart: 21. Oktober 2017

Regie: Philippe de Chauveron

Drehbuch: Guy Laurent, Marc de Chauveron

Darsteller: Christian Clavier, Ary Abittan, Elsa Zylberstein

 

 

Fragen um Integration und verschiedene Kulturen beschäftigen gerade nicht nur Deutschland, sondern die ganze Welt. Wer muss wen aufnehmen, wer muss sich integrieren und wie können wir rechtes Gedankengut abwehren? Diese Themen werden oft sehr ernst diskutiert, und das ist wichtig. Dennoch versucht eine Komödie aus Frankreich nun diese Fragen mit einem etwas humorvolleren Ansatz zu untersuchen.

 

„Hereinspaziert!“ heißt der neue Film von Regisseur Philippe de Chauveron. Der Name kommt einigen vielleicht bekannt vor. 2014 erschien sein Erfolgsfilm „Monsieur Claude und seine Töchter“, der von einem konservativen Ehepaar handelt, das durch seine Vorurteile gegenüber den Männern ihrer Töchter auf die Probe gestellt wird.

 

„Hereinspaziert!“ sieht diesem Film zunächst ziemlich ähnlich. Philippe de Chauveron hat wie auch bei „Monsieur Claude und seine Töchter“ die beiden Schauspieler Christian Clavier und Ary Abittan in größeren Rollen besetzt, und auch das Thema der Geschichte mutet ähnlich an. Diesmal wird allerdings nicht die bürgerliche Rechte, sondern die bürgerliche Linke aufs Korn genommen.

 

Jean-Étienne Fougerole ist Universitätsprofessor und Autor des Buches „Hereinspaziert!“, in dem er für eine Art Willkommenskultur gegenüber armen ausländischen Familien predigt. In einem TV-Duell lässt er sich von seinem rechtspopulistischen Widersacher Barzach provozieren und gibt vor laufender Kamera an, jederzeit heimatlose Roma in sein Haus aufzunehmen. Am Abend jedoch staunt er nicht schlecht, als tatsächlich der Familienvater Babik mit seinen acht Familienmitgliedern, einem Schwein und einem Campingwagen vor seiner Tür steht und um Einlass bittet. Jean-Étienne bleibt nichts anderes übrig als sein Angebot in die Tat umzusetzen, damit  er sein Image wahren kann. Und dann ist da noch Erwan Berruto, der sich als Roma ausgibt um Jean-Étiennes Frau Daphné mitsamt ihrem Reichtum zu erobern…

 

Bei „Monsieur Claude und seine Töchter“ kritisierten einige Medienvertreter, der Film mache sich über Rassismus lustig und nehme das Thema nicht ernst genug. Dennoch wurde der Film ein großer Erfolg und begeisterte ein Millionenpublikum. Die Grundidee ist genauso simpel wie genial. Auch die Idee von „Hereinspaziert!“ mutet zunächst nicht schlecht an, doch an der Ausführung hapert es deutlich.

 

Babik zieht mit seiner Familie im Garten der Fougeroles ein.

(Foto: Copyright Universum Film)

 

Was man erwartet ist Komik, die mit verschiedenen Situationen spielt, mit bisher verborgenen Vorurteilen, Misstrauen und der Einstellung zur eigenen Philosophie genauso wie mit Integration. Was man bekommt gleicht jedoch eher einer Welle an Vorurteilen, die nicht wie erwartet ins Gegenteil gekehrt oder kritisiert, sondern nur bestätigt werden. Da gibt es zum Beispiel Crouch, ein Mitglied der Romafamilie. Er hat eine geistige Behinderung, die gleich mal nicht besonders differenziert, sondern schlicht und einfach als Dummheit dargestellt wird. Seine erste Handlung, nachdem die Familie ihren Wohnwagen im Garten der Fougeroles aufgestellt hat, ist Maulwürfe zu jagen. Auf allen Vieren mit den Zähnen, wie ein Hund. Babik kennt keine andere Methode ihn zu erziehen als ihn zu schlagen oder zu treten, und das wird nicht einmal von den Fougeroles richtig hinterfragt.

 

Auch sonst ist die Romafamilie nur mit Vorurteilen beladen, die sich während des Films auch nicht ändern. Sie können nichts anderes als Müll sammeln, stehlen, betteln und Musik in der U-Bahn machen, tragen Lumpen und essen am liebsten Igelfleisch. Außerdem sind die Männer alle ziemlich gewalttätig. Die zugehörigen Witze lösen beim Zuschauer eher schockierte als amüsierte Lacher aus.

 

Selbst glaubwürdige Details wie etwa die strenge Erziehung  Babiks werden nicht gut genutzt. Seine siebzehnjährige Tochter Lulughia soll nicht in die Schule gehen, da Babik sie von den französischen Jungen fernhalten möchte. Er lässt sich überreden, dass sie vom Sohn der Fougeroles, Lionel, unterrichtet wird, nachdem er ihm mehrmals Gewalt androht, falls dieser ihr zu nahe kommen sollte. Natürlich hält sich der Junge nicht daran und beginnt eine heimliche Beziehung mit dem Mädchen. Diese Facette wird jedoch nicht dafür genutzt, die beiden Kulturen einander näher zu bringen, sondern läutet ganz im Gegenteil die zweite Hälfte des Films ein, die noch bizarrer, überzogener und unrealistischer wirkt als die erste. Die neuen negativen Eigenschaften vieler Mitglieder der Romafamilie werden kurz angesprochen und deuten auf eine interessante Wendung hin, werden jedoch nicht weiter ausgearbeitet. So verschwinden einige interessante Aspekte durch den inzwischen recht flachen Humor im Chaos des „Großen Finales“, das jedoch eher Verwirrung und wenig Sympathie für die Figuren hinterlässt als dass es beeindruckt. Und selbst das Ende ist etwas zu sehr aus der Luft gegriffen.

 

Insgesamt ist das Konzept hinter dem Film verständlich und auch, worauf Regisseur de Chauveron eigentlich abzielte. Bei der Umsetzung verfehlt der Film aber leider sowohl die Geschichte als auch den passenden Humor für dieses Thema. Hoffentlich eine Ausnahme, denn Philippe de Chauveron möchte im nächsten Jahr die Fortsetzung für „Monsieur Claude und seine Töchter“ drehen.

 

Hier geht es zum Interview mit Hauptdarsteller Christian Clavier

Hier ist das Interview mit dem Regisseur des Filmes, Philippe de Chauveron

 

 

Gesehen von Louise Rabl