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L.A.Crash

Daten

133 Min., USA 2017

(OT: The Promise)

REGIE: Terry George
DREHBUCH: Terry George, Robin Swicord
KAMERA: Javier Aguirresarobe
SCHNITT: Steven Rosenblum
MUSIK: Gabriel Yared
PRODUKTION: Eric Esrailian, Mike Medavoy, William Horberg

DARSTELLER: Oscar Isaac, Christian Bale, Charlotte Le Bon, Shohreh Aghdashloo, Angela Sarafyan, Marwan Kenzari, Tom Hollander, James Cromwell

Foto: © Capelight Pictures


Regie: Terry George

Kinostart: 17.08.2017


Terry Georges neuester Spielfilm "The Promise – Die Erinnerung bleibt" mutet in vielerlei Hinsicht sehr vielversprechend an. Während Oscar Isaac, Charlotte Le Bon und Christian Bale für eine talentierte Star-Besetzung sorgen, agieren ihre Charaktere in einem dunklen und sträflich vernachlässigten Kapitel der Weltgeschichte: der Genozid an den Armeniern des Osmanischen Reichs zwischen 1915 und 1916. Nicht nur ist dieser Vorfall historisch bedeutend, er weist auch Bezüge zum aktuellen weltpolitischen Geschehen auf. Man denke nur an die Resolution des Bundestags, welche erst 2016 ebenjenes Massaker als Völkermord einstufte und so die ohnehin angespannten deutsch-türkischen Beziehungen weiter strapazierte. Zudem hatte Terry George bereits in "Hotel Ruanda" (2004) bewiesen, dass er ein solch düsteres Thema wie einen (afrikanischen) Völkermord überzeugend inszenieren kann.

Umso bedauernswerter ist es, dass „The Promise“ seinem Potenzial nicht gerecht wird.
Schuld daran ist vor allem ein unzulängliches Drehbuch.

Für einen Film, der das Massaker an den Armeniern betont und somit das Überleben einer ethnischen Gruppe thematisiert, verpasst es "The Promise" nicht nur die armenische Kultur zu präsentieren, sondern auch den historischen Sachverhalt angemessen zu erklären. Terry George und Robin Swicord, die gemeinsam für das Drehbuch verantwortlich sind, geben wenig Aufschluss über Feinheiten der Situation, und versäumen es sogar den Zusammenhang zwischen der deutsch-osmanischen Allianz im Ersten Weltkrieg und dem plötzlich rigoros durchgeführten Morden kenntlich zu machen.
"The Promise" mag einige der an den Armeniern verbrochenen Gräueltaten darstellen, solchen Szenen fehlt jedoch die Art Detail, die sie schreckenserregend echt machen.
Unglücklich ist überdies auch die lebendige Farbgebung des Films: vermutlich ein Versuch sowohl modern zu wirken als auch die Exotik des Nahen Ostens widerzuspiegeln ist sie der Ernsthaftigkeit des Themas wenig zuträglich, zumal manche Passagen sogar seltsam biblisch angehaucht sind.

Im Bestreben die Geschichte des Films emotional tunlichst aufzuladen, ist dem geschichtlichen Hintergrund ein Liebesdreieck vorgeschoben worden: der armenische Michael (Oscar Isaac) ist Apotheker in Siroun, einem kleinen Bergdorf im Süden der Türkei, in dem türkische Muslime und armenische Christen seit Jahrhunderten friedlich miteinander leben. Um sein Medizinstudium in Angriff zu nehmen reist Michael in die Reichshauptstadt Konstantinopel, wo er auf die armenische Künstlerin Ana (Charlotte Le Bon) und ihren Liebhaber Chris (Christian Bale) trifft. Als amerikanischer Fotojournalist beobachtet dieser die aktuellen Vorgänge im Osmanischen Reich besonders genau. Zwischen Michael und Ana entsteht schnell eine gegenseitige Anziehung, die das Liebesdreieck und den romantischen Wettstreit ins Rollen bringt.


Ana (Charlotte Le Bon) und Chris (Christian Bale) sind gemeinsam nach Konstantinopel gereist. (© Capelight Pictures)


Fragwürdig ist, dass ein solcher Handlungsstrang angesichts der historischen Erzählung überhaupt als notwendig erachtet wurde. Braucht es wirklich noch eine Liebesgeschichte, um den Zuschauer ausreichend emotional abzuholen?


Michael (Oscar Isaac) muss nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges um sein Medizinstudium fürchten. Sein türkischer Freund Emre (Marwan Kenzari) greift ihm unter die Arme. (© Capelight Pictures)


Ungeachtet dessen versäumt es Terry George die Dreiecksgeschichte produktiv zu nutzen.
Anstatt sie mit dem geschichtlichen Hintergrund zu verschmelzen laufen beide Handlungsstränge nämlich lediglich nebeneinander her. Die Liebesgeschichte wird nirgends durch schwere, grenzwertige oder von Schuldgefühlen belastete Entscheidungen, welche sich aus dem historischen Konflikt hätten ergeben können, belastet oder beeinflusst. Solche Instanzen, welche dem Völkermord zusätzliche Dimensionen verleihen, beschränken sich auf wenige Momente außerhalb der Dreiecksgeschichte, die fast ausschließlich die Funktion der Seifenoper bedient.
Erschwerend kommt hinzu, dass das romantische Dreieck um Michael, Ana und Chris zu keinem Zeitpunkt wirklich mitreißt. Ursache hierfür ist vor allem der Umstand, dass die Hauptakteure kaum Identifikationspotential bieten. Wie denn auch? Der Zuschauer erfährt kläglich wenig über die Figuren, deren Schicksale er über zwei Stunden lang verfolgen soll. Ebenso flach und eintönig wie die zentralen Charaktere – die nur geringfügig Entwicklung erfahren – sind demnach auch ihre Beziehungen zueinander.

Als ob dies nicht genug wäre sind Reaktionen und Handlungen der Figuren sporadisch (psychologisch) unglaubwürdig oder schlecht vorbereitet: Charaktere trauern um Menschen und Dinge, von denen der Zuschauer annehmen muss, dass sie ihnen wichtig waren – hinlänglich gezeigt wurden diese Zuneigungen aber nie. Kinder, die auf der Flucht sind und noch vor Kurzem ihre Eltern verloren haben sitzen plötzlich lachend an einem Lagerfeuer. Ein Armenier, dem alles genommen wurde und der verzweifelt den Wunsch nach Rache äußert kann trotzdem nicht auf seine türkischen Gegner schießen.


Michael (Oscar Isaac) ist auf der Flucht. (© Capelight Pictures)


Alles in einem wollte "The Promise" schlichtweg zu viel – und macht dabei leider wenig richtig. Terry Georges Spielfilm leidet unter einem Drehbuch, das mehr auf Quantität als auf Qualität setzt, und dessen Tempo den Story-Elementen kaum Raum zur Entfaltung bietet.
Gerettet wird der Film von seiner charismatischen Besetzung und einer bedeutenden historischen Thematik. Der Genozid an den Armeniern, dessen Leid und Grausamkeit bis heute von der türkischen Regierung nicht anerkannt wird, hat nämlich den Respekt der Aufmerksamkeit und der Auseinandersetzung mehr als verdient.


Gesehen von Matthäa Gerner